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Antilopen Gang im Interview: „Ein Punkalbum ist Arbeit“

Antilopen Gang im Interview: „Ein Punkalbum ist Arbeit“

Die Antilopen Gang verbindet tanzbare Blödeleien mit Systemkritik. Mit ZiSH hat Rapper Danger Dan über Ironie und Ernsthaftigkeit gesprochen.


Hallo Danger Dan, nach der Schule wolltest du nicht etwa Rapper werden, sondern Clown. Warum?
Weil man als Clown eigentlich die Möglichkeit hat, die schlimmsten Dinge anzusprechen. Und die schlimmsten Wahrheiten auszusprechen, ohne dass einem sofort der Kopf abgeschlagen wird.

Die Antilopen-Gang-Lieder sind auch sehr humorvoll und teils selbstironisch wie in dem Lied „Das Trojanische Pferd“, wo ihr euch als studentische Rapband bezeichnet. Warum ist es wichtig, sich auch mal zu hinterfragen?
Ich glaube, wenn man komplett narzisstisch durch die Weltgeschichte rennt, dann hat man auch die wenigsten Chancen, sich zu entwickeln und daraus auch zu lernen. Das wäre aber auch irgendwie ein Unding, wenn man sich über alles lustig macht, außer über sich selber. Also das kommt mir total verklemmt vor. Man muss auch schon mal über sich selbst lachen dürfen. Wir sind ja auch eine lachhafte Nummer.

Aber ihr habt ja auch mal nachdenkliche Lieder wie „Gestern war nicht besser“ vom aktuellen Album „Anarchie und Alltag“. Spiegelt das die Grundstimmung wider, die gerade in der Welt herrscht?
Also ich weiß nicht, ob das so ne Grundstimmung ist, ich glaube vielmehr an Gleichzeitigkeiten. Also, dass man irgendwie lustig drauf sein kann, aber gleichzeitig auch total nachdenklich sein kann. Und ich finde das immer ganz gut, dass in der Antilopen Gang Platz für alle möglichen Facetten ist. Wir haben ja auch traurige Liebeslieder geschrieben und kompletten Unsinn erzählt und ernsthafte Themen behandelt, die überhaupt nicht lustig sind.

Zusätzlich habt ihr jetzt ja auch das Bonusalbum „Atombombe auf Deutschland“ herausgebracht, auf dem ihr alte Lieder als Punkversion neu arrangiert habt. Ist das für euch ein Schritt Richtung Punkrock und weg vom Hip-Hop?
Das war für uns erst mal so eine logische Konsequenz zu dem, was wir vorher gemacht haben. Wir haben ein paar von den Liedern auf Konzerten schon als Punkversion gespielt und haben gemerkt, dass das eigentlich total gut passt. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass wir irgendwann ein Funky-Album oder ein Schlager-Album machen. Wegen mir muss das nicht immer Punk oder Hip-Hop bleiben.

Tanzbare Gesellschaftskritik: Das Rap-Trio war schon oft in Hannover, das letzte Mal als Headliner auf dem Révoltés Festival in der Faust. Foto: Heidrich

Also ging diese Idee nicht von eurem Label JKP aus? Die sind ja bekannt als Punklabel.
Im Gegenteil! JKP fand die Idee erst mal total doof. Die mussten wir überzeugen, dass wir das überhaupt schaffen und hinkriegen. Weil die als Punk-erfahrenes Label wissen, dass ein Punkrock-Album ganz schön viel Arbeit sein kann. Die sind nicht davon ausgegangen, dass wir Hip-Hopper das so hinkriegen würden. Aber wir haben einfach gesagt: „Leckt uns am Arsch! Wir machen das.“

Bevor ihr bei dem Label unter Vertrag gegangen seid, wart ihr quasi eine DIY-Band. Prägt euch das jetzt immer noch?
Das Label freut sich, dass wir mit eigenen Ideen kommen. Und wir freuen uns total, dass wir ein Label gefunden haben, das versucht, unsere Ideen umzusetzen. Eigentlich ist es so geblieben wie vorher, nur dass wir nicht mehr die ganze Zeit am Schreibtisch sitzen oder Pakete packen und CDs verschicken. Am Ende saßen wir immer in einem Zimmer voll Kartons und CDs und sind dann nachts zur Tankstelle gegangen und haben uns Tesafilm geschnorrt, weil wir die Pakete nicht mehr zugekriegt haben. Es war zwar irgendwie auch romantisch, aber wenn man so ein paar Nächte durchgepackt hat, geht die Romantik auch irgendwann verloren.

Gibt es bei eurer kreativen Arbeit auch mal Zoff oder seid ihr euch immer einig?
Es gibt beides. Und jahrelang habe ich das verflucht und dachte: „Oh Mann, wäre das nicht geil, wenn man einfach mal in Ruhe Musik machen könnte und alle einer Meinung wären.“ Doch mittlerweile bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass uns das total ausmacht, dass wir halt so viel über alles Mögliche reden und uns auch gegenseitig ein Korrektiv sind.

Wie ist das mit deinem Bruder Tobias aka Panik Panzer?
Eigentlich ist es total harmonisch, weil wir auch schon als Kinder zusammen Musik gemacht haben. Panik Panzer hat früher mal Schlagzeug gespielt und ich Klavier. Unser erster gemeinsamer Auftritt war bei der Grundschulweihnachtsfeier. Aber es ist natürlich auch so, dass Brüder sich unglaublich heftig streiten können. Mit keinem Freund oder keiner Freundin habe ich so schreckliche Gespräche geführt wie mit meinem Bruder. Das ist dann mitunter auch anstrengend und nervt auch mal, aber gleichzeitig ist der halt auch mein Bruder.

Wie kommt man denn von Klavier zum Hip-Hop?
Ich habe sehr jung angefangen Klavier zu spielen und dann so mit zwölf oder 13 Jahren gemerkt, dass die Musik, die ich gerne höre und machen möchte, mit Klavier gar nicht so viel zu tun hat. Und das war dann total traurig, weil ich dachte: „Oh Scheiße, eh wieso kannst du nicht E-Gitarre oder ein geiles Instrument. Stattdessen kannst du nur das langweilige Klavier.“ Mittlerweile haben wir diese ganzen Klavierskills auch wieder eingebaut in unsere Live-Konzerte, spielen eine traurige Klavierballade und rappen dazu.

Was plant ihr für die Zukunft?
Wir haben nächstes Jahr unser zehnjähriges Bandjubiläum. Und ich glaube auch, dass wir das dann entsprechend feiern wollen. So ganz langfristige Pläne setzen mich immer total unter Druck. Wenn ich wüsste, was ich in 15 Jahren machen werde, dann würde sich das für mich anfühlen wie in einem Gefängnis. Da bin ich froh, dass wir da impulsiver und turbulenter leben können. Von daher: Keine Ahnung, was passiert, aber ich hoffe, es wird cool.

Interview: Emma Schell

Am Donnerstag, 18. Januar, ist die Antilopen Gang im Capitol, Schwarzer Bär 2. Los geht’s um 20 Uhr, die Karten kosten im HAZ-Ticketshop unter tickets.haz.de 23,70 Euro, an der Abendkasse 25 Euro. ZiSH verlost bis Freitag, 15 Uhr, unter www.facebook.com/ZishHAZ zweimal zwei Tickets für das Konzert.


Das ist die Antilopen Gang

Eine Hymne auf die Pizza („Pizza“) oder ein Song darüber, wie aus rechten Ressentiments Terror wird („Beate Zschäpe hört U2“) – Koljah, Panik Panzer und Danger Dan von der Antilopen Gang machen ironische Blödeleien und tanzbare Gesellschaftskritik.

Bekannt geworden ist die Rapcrew kurz nach ihrer Gründung 2009 mit dem Internetlied „Fick die Uni“, in dem sich die Mittdreißiger über Studenten lustig machen. Bis 2014 kümmerte sich das Trio noch selbst darum, ihre Platten zu verschicken, seit vier Jahren sind die Antilopen beim Tote-Hosen-Label JKP unter Vertrag.

Nach dem Selbstmord ihres vierten Bandmitglieds NMZS alias Jakob Wich 2013 drohte zunächst das Bandaus, aber die Rapper aus Aachen und Düsseldorf entschieden sich weiterzumachen. Mit ihrem dritten Longplayer „Anarchie und Alltag“ sind Koljah, Panik Panzer und Danger Dan nun auf Tour.

es/kb

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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