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Aus dem Tagebuch eines Erstis

Aus dem Tagebuch eines Erstis

Ersti Julie Kolbe erzählt ab Sonntag jeden Tag in ihrem Online-Tagebuch, wie sie die Ersti-Woche an der Leibniz-Uni erlebt: von der offiziellen Begrüßung im Lichthof über die Bibliotheksführung bis hin zur Kneipentour und Ersti-Rallye. Jeden Tag gibt es im Blog in der kommenden Woche Witziges und Wissenswertes rund ums Studium in Hannover – natürlich auch für ältere Semester.

Hallo, ich bin Julie Kolbe. Ich bin 18 Jahre alt und gehöre ab diesem Monat zu den Erstsemesterstudenten – oder auch „Erstis“ – der Wirtschaftswissenschaft der Leibniz Uni Hannover.

Mein Abitur habe ich 2016 gemacht und mir dann ein freies Jahr zwischen Schule und Studium genommen. Das habe ich zum Arbeiten und Reisen nach Südafrika, Kopenhagen, Ibiza und so weiter genutzt. Nach diesem Jahr hatte ich eine wohltuende Pause von der Bildung und bin nun bereit zum Studieren!

In der vergangenen Woche fanden die Vorkurse für Mathe statt, in denen man schon einige Kommilitonen kenngelernt hat. Auch das eine oder andere Wort aus dem Mund des Dozenten über Funktionen oder Brüche konnte ich zum Glück aus der Schule wiedererkennen.

Nächste Woche geht es aber so richtig los: Dann ist Orientierungswoche. Ich freue mich darauf, neue Kontakte zu knüpfen und viele Einblicke in das Studentenleben zu bekommen – sowohl was das Lernen angeht als auch das Feiern. Hoffentlich werden uns die Tutoren den einen oder anderen Tipp verraten, wie man sich den Stundenplan erstellt oder welches Essen in der Mensa am besten schmeckt. Damit ich nicht mehr auf dem Campus nur herumirren und das richtige Gebäude oder den richtigen Raum nicht mehr lange suchen muss, erwarte ich auch, dass wir in der „O-Woche“ einen guten Überblick über den Campus und die Fakultäten bekommen.

Ich freue mich sehr auf die nächste Woche und bin total gespannt, was mich erwartet!

Tag 1: Die Ersti-Rallye und die „WiWilicious“

3900 Erstsemester wurden heute an der Leibniz-Uni begrüßt. Das sind so viele, dass sie nicht alle in den Lichthof des Welfenschlosses passen. Also wurden die Ingenieurswissenschaftler und wir kurzerhand in den Würfel auf den Conti-Campus ausgelagert und sollten dort per Live-Stream durch das Präsidium begrüßt werden. Geklappt hat das aber nicht. Der Grund dafür waren technische Probleme. Das war aber alles andere als schlimm, so konnte man sich mit seinen Sitznachbarn in Ruhe über das Studium austauschen und Ersti-Beutel vergleichen. Neben vielen Flyern und Prospekten waren in dem Beutel zum Beispiel auch nützliche Klebenotizzettel. Später kam auch noch der Studiendekan und erklärte uns, wie das WiWi-Studium aufgebaut ist und was wir bei der Stundenplanung beachten müssen.
Gleich danach wurden wir in Gruppen á 40 Leute eingeteilt, die wir selbst benennen konnten. Meine Gruppe hieß „WiWilicious“, es gab auch „Make WiWi great again“ oder „Wiwi la Vida“.

Gruppen wie „WiWilicious“ treffen sich auf dem Conti-Campus.

Spiele, bei denen wir uns beispielsweise je nach Interesse in verschiedene Ecken stellen sollten, halfen dabei, sich besser kennenzulernen. Denn bis zum Ende der Woche gibt es immer wieder gemeinsame Aktionen mit der Gruppe.
Noch besser lernten wir heute aber unseren Campus kennen: Bei der Rallye zogen wir zu fünft oder sechst los und mussten Fragen beantworten. Nicht alle konnte man einfach so googeln wie  „Wieviele Studis fangen heute neu an?“. Wir mussten den Campus erkunden, um beispielsweise herauszufinden, wieviele Fliesen das Studentencafé Hanomacke hat oder wieviel das Bier dort kostet.

Schwieriger als gedacht: Nudeln aufsammeln.

Bei anderen Stationen mussten wir mit Spaghetti Penne-Nudeln aufsammeln oder Lieder gurgeln. Je mehr Spiele man machte, desto lustiger wurde es – besonders auch, weil es „Schluck“ und Bier an den Stationen gab. Wenn man den Stempel, den es zur Überprüfung gab, auf die Stirn anstatt auf die Hand hat stempeln lassen, bekam man sogar Extrapunkte.

Lecker Essen: In der Contine gibt es eine gute Auswahl an Salaten.

Morgen geht es weiter mit Infoveranstaltungen über StudIP und abends wird „gelimmert“. Ich komme aus Hannover, daher ist „limmern“ für mich nicht völlig neu. Neu ist aber, es mit anderen Studenten und Tutoren zu erleben.

Tag 2: Vorlesungen statt Trinkspiele

Mein erster Tag war doch härter als gedacht: Ich war gestern schon etwas angeschlagen und musste heute leider zu Hause bleiben. Stattdessen berichtet heute meine Kommilitonin Melina (20) von dem zweiten Tag als WiWi-Ersti:

Wenn man von Ersti-Wochen hört, geht es  meist nur um Trinkspiele und betrunkene Studis auf dem Campus. Das entspricht aber nicht der Realität: Klar werden auch Trinkspiele gespielt, aber der Vormittag ist meist gut gefüllt mit Info-Veranstaltungen. Das klingt erst mal trocken, ist aber tatsächlich sehr nützlich. Heute haben wir zum Beispiel unseren Stundenplan geplant und sind gemeinsam die Prüfungsordnung durchgegangen. Außerdem wurde uns erklärt, was wir beachten müssen, wenn wir Minijobs machen, und ab wann wir Steuern zahlen müssen als Student.

Krökeln in der Hanomacke. Foto: Schaarschmidt

Mit den anderen Erstsemestlern kommt man schnell ins Gespräch, alle sind offen und nett – schließlich wollen ja alle neue Leute kennenlernen. In der Hanomacke am Conti-Campus ist eigentlich immer was los, und es ist richtig nett, sich dort mit einem Bier oder einer Cola in den Innenhof in die Sonne zu setzen. Drinnen stehen auch ein paar Kickertische, an denen wir schon das eine oder andere Match gespielt haben, und auch Beerpong haben wir hier schon gespielt. Nur dass man zum Tischfußball in Hannover „krökeln“ sagt, hat mir hier noch keiner verraten.

Ich komme aus Leipzig und kannte Hannover vorher kaum. Daher freue ich mich besonders aufs „Limmern“ heute Abend. Morgen gibt es ein Grillfest auf dem Campus und Donnerstag ist dann die große Ersti-Party in der Baggi.

Tag 3: Bib-Führung und noch mehr Kennenlernspiele

Julie ist wieder fit und berichtet vom dritten Tag der „O-Woche“:

Langsam geht es mir besser, heute war ich wieder an der Uni. Zu den ersten Infoveranstaltungen sind aber schon deutlich weniger Erstis gekommen – gestern Abend stand das „Limmern“ auf dem Plan. Es sollen 300 bis 400 Leute da gewesen sein, einige mussten danach wohl heute etwas länger schlafen. Ich wäre natürlich auch gern dabei gewesen, aber ich kenne „Limmern“ ja auch schon. Bei der Bibliotheksführung haben wir heute gelernt, wie wir Bücher richtig ausleihen und wie die Kopierer funktionieren. In der Klausurenphase sollten Studenten immer rechtzeitig in die Bib kommen, um überhaupt noch einen Platz zu bekommen, haben uns die Tutoren erzählt.

Am dritten Tag haben die Erstis die Bib erkundet. Foto: Kolbe

Außerdem haben sich studentische Initiativen vorgestellt, wie das „Marketteam“, das mit Unternehmen zusammenarbeitet. Das fand ich spannend, davon möchte ich mir noch mehr Infoveranstaltungen anschauen. Je nachdem, welche Aufgaben die Studenten dort übernehmen, würde mich das schon interessieren.

Beim Mittagessen in der Mensa habe ich mir wieder einen Salat geholt – dort ist die Schlange einfach kürzer. Bei den anderen Studenten kommen anscheinend Currywurst und Pommes besonders gut an – das habe ich auf vielen Tellern gesehen.

In der Mensa beliebt: Currywurst und Pommes. Foto: Becker

Am Nachmittag haben wir noch mehr Kennenlernspiele gespielt – wir können uns anscheinend nicht gut genug kennenlernen. Wir mussten uns in einer Reihe aufstellen – nach Anfangsbuchstaben, Alter oder Schuhgröße sortiert. Dabei haben sich die Gruppen jetzt eigentlich schon gefunden. Viele sagen, dass die Leute, die wir jetzt kennenlernen, die Freunde fürs Leben sind. Wir müssen also weise auswählen!

Heute Abend findet ein Grillfest auf dem Campus statt, aber dafür fühle ich mich noch nicht fit genug. Morgen ist dann die Ersti-Party in der Baggi – die lasse ich mir sicher nicht entgehen.

Tag 4: Unisport und Erasmus

Nach dem vollen Programm in den letzten Tagen startete der heutige Tag entspannt: In einer Infoveranstaltung konnten wir uns über Auslandsaufenthalte im Studium informieren. Das fand ich besonders spannend, weil ich überlege ein Semester in Dänemark Erasmus zu machen. Dazu soll es nächste Woche aber noch eine Veranstaltung geben, in der es dann nur um Erasmus geht.

Anschließend haben sich studentische Initiativen, wie die Unternehmensberatung Janus-Consultans, vorgestellt. Das ist für uns WiWis natürlich spannend, um junge Unternehmen kennenzulernen und darin mitzuwirken.

Unsere Bib-Karten haben wir heute ebenfalls mit unserer Tutorengruppe erstellt. Da fühlt man sich schon ziemlich studentisch!

Warum nicht mal Trampolinspringen? Im Hochschulsport gibt es diverse Angebote. Foto: Eberstein

Auch das Programm im Hochschulsport wurde uns heute vorgestellt. Davon bin ich ziemlich begeistert. Das Programm klingt echt vielseitig! Ich werde im nächsten Semester direkt mal Kickboxen ausprobieren.

Den Rest des Tages entspannen wir in der Sonne bevor heute Abend endlich die WiWi-Ersti-Party ist.

Tag 5: Das Fazit

Puh! Die Woche war ganz schön anstrengend. Das lag wohl nicht nur an der Aufregung, sondern auch an den ganzen Veranstaltungen. Aber die Ersti-Party gestern Abend hat gezeigt, wie sich die letzten Tage gelohnt haben: Ich habe so viele Leute wiedergetroffen, die ich ganz am Anfang der Woche einmal kennengelernt und dann aus den Augen verloren habe. Man hört so viele neue Namen, dass ich mittlerweile das Gefühl habe, irgendwie alle zu kennen.

Die Stimmung war auf jeden Fall echt gut, man hat sich gegrüßt, gequatscht und getrunken – da fällt der Start ins Studentenleben echt nicht mehr schwer.  Das hätte ich bei den über 500 WiWi-Erstis nicht erwartet.

Besonders in der Ersti-Woche beliebt: Jodel über unselbstständige Erstsemester. Screenshot: Kolbe

Klar, verglichen mit anderen Ersti-Wochen wie die der Sportwissenschaftler, ist unsere schon etwas langweiliger. Statt der ganzen doch eher trockenen Infoveranstaltungen machten die Sport-Erstis beispielsweise interaktive Spiele und hatten einige lustige Geschichten erzählen.

Aber andererseits habe ich jetzt einen fertig gebauten Stundenplan und weiß, wann die besten Plätze in der Bib weg sind – nämlich schon eine Stunde nach der Öffnung um 8 Uhr. Dann heißt es früh aufstehen in der Klausurenphase.

Auf Jodel konnten wir uns jeden Tag einen neuen Ersti-Diss durchlesen, aber so ist das wohl immer, wenn man irgendwo neu anfängt. Über den ein oder anderen haben wir uns auf jeden Fall auch sehr amüsiert.

 

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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