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Béi Chéz Heinz für eine Nacht

Béi Chéz Heinz für eine Nacht

Konzerte, Trash-Partys und Szenetreff – das Chéz Heinz ist ein beliebter Musikclub. Aber wie feiert es sich eigentlich im urigen Kellerschuppen? Ein Partyprotokoll.


00.45 Uhr: Die Decke ist niedrig, die schwarzen Ledersessel wirken schäbig und Wörter wie „schick und modern” würde hier auch niemand laut aussprechen – mein erster Abend im Chéz Heinz beginnt mit einem Party-Kultur-Schock. Da ich als Pendlerin für gewöhnlich im Zaza, Dax oder in der Baggi feiern gehe, fühle ich mich in dem Lindener Keller-Club erst einmal wie eine Aussätzige. Heute ist Ersti-Party und die Anfang Zwanzigjährigen, die sich auf der bereits brechend vollen Tanzfläche tummeln, verströmen in dem Partykeller eine feucht-drückende Luft.

1.30 Uhr: Nachdem meine Freundinnen und ich uns von unseren Jacken an der Garderobe befreit haben, sind wir in der Mitte der Tanzfläche auf eine Lüftung an der Decke gestoßen. Unser Platz ist umkämpft, denn die Tanzfläche ist brechend voll. Umrahmt wird er von roten Pfeilern und einem „Chillbereich“ mit schwarzen Ledersofas und Krökeltisch. Dank der Hitze verabschieden wir uns allmählich von mühsam aufgetragenem Make-up und Maskara. Mit dem Aufhübschen haben wir es für das Heinz zu gut gemeint. Im Zaza mag man mit Hoodie und Turnbeutel auffallen wie ein Elefant im Affengehege, hier scheint der Look genau der richtige zu sein. Generell wirken die Leute hier gelassener. Es werden weder herablassende Blicke ausgetauscht, noch scannen die Frauen gegenseitig ihre Outfits, um dann hämisch oder neidisch dreinzuschauen.

2.40 Uhr: Im Schein der altmodischen Discokugel tanze ich zu einem Techno-Remix von „Wonderwall“. Meine Skepsis wegen des schäbigen Heinz-Looks habe ich längst abgelegt. Die Stimmung ist top, also warum nicht den dunklen, ranzigen Stil als gemütlichen Kellercharme begreifen?

3 Uhr: Etliche Schweißperlen später habe ich mich endlich entschieden, einmal an die frische Luft zu gehen. Tanzen zu den irre lauten Technosounds macht taub und müde. Der Elektro-Raum ist wesentlich kleiner als der restliche Teil des Heinz. Wer meint, hier die schüchterne Tanzart „Ich wippe mal ein bisschen mit dem Kopf und kreise mit der Hüfte“ anzuwenden, wird von übermütigen Elektro-Liebhabern umgetanzt. Zum Glück bemerke ich das und kann den Shufflern, die vertieft über die Tanzfläche wirbeln, ausweichen. Eine Grüppchenbildung wie im Zaza gibt es hier nicht.

3.40 Uhr: Obwohl das Heinz nach wie vor gut gefüllt ist, trete ich meinen Verabschiedungs-Rundgang an. Mit meinen bisherigen Party-Erfahrungen kann ich den Abend im Heinz nur schwer vergleichen. Insgesamt konnte mich das Heinz aber davon überzeugen, dass feiern gehen nicht zwingend oberflächlich sein muss. Weder bei einem grün gefärbten Irokesen, noch bei einer extravaganten Tanzart wurden übertrieben belustigte Blicke ausgetauscht. Für mich ist daher klar: Weitere Heinz-Nächte werden definitiv folgen, allerdings mit bequemeren Schuhen und weniger Make-up – interessiert dort ja sowieso niemanden.

Nina Hoffmann

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