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Campusliga: Alle gegen die Mädchen

Campusliga: Alle gegen die Mädchen

„Leute, kommt zurück!“, brüllt ein Mädchen mit weißem Haarband im grell orangenen Trikot auf dem Fußballplatz am Moritzwinkel. Sie steht etwa zehn Meter vor ihrem Tor. Zwei gegnerische Spieler kommen auf sie zu, drei ihrer Mannschaftskameradinnen haben sie bereits überlaufen. Sie läuft auf den Ballführenden zu, er passt zu seinem Mitspieler – Tor. Schon wieder.

Vier Spiele, 45 Gegentore – das ist die ernüchternde Bilanz des 1. FFC Lattenknaller – bis jetzt.  Nach diesem Spiel werden es sage und schreibe 73 Gegentore sein. Im Profifußball würde der Stuhl des Mannschaftstrainers nach solchen Ergebnissen gewaltig wackeln. Doch Ann-Kathrin Viehweger, die Mannschaftskapitänin und „Mutti für alles“ im Club ist, muss sich darum keine Sorgen machen. „Es ist natürlich enttäuschend, aber uns war von Anfang an klar, dass wir mit Männern nicht mithalten können“, erklärt sie. Denn die 23-jährige Lehramtsstudentin und das Team des 1. FFC Lattenknaller sind die einzige Frauenmannschaft in Hannovers Campusliga. „Seit Jahren machen wir beim Hochschulsportfest mit und wollten nun regelmäßiger Fußball spielen“, erklärt sie.

Kaum Frauen in der Campusliga

In der Campusliga spielen 48 Studententeams aus den verschiedensten Studiengängen jeden Dienstag- und Donnerstagabend in acht Gruppen auf einem kleinen Feld in 7er-Teams gegeneinander. Nils Fischer vom Hochschulsport betreut seit anderthalb Jahren die Campusliga. Warum so wenige Mädchen mitspielen, hat sich der 27-jährige Student schon öfter gefragt. Er findet den 1. FFC gut, weil das Team beweisen will, dass sie genauso gut wie die Männer spielen können.

Den Mädels vom 1. FFC Lattenknaller geht es ausschließlich um den Spaß an der Sache. Die Mannschaft, die aus Studentinnen der verschiedensten Fachrichtungen besteht, nimmt sich in den Posts auf ihrer Facebookseite selbst aufs Korn: So warnen sie ihre Zuschauer davor, das Fallen eines Gegentores als Trinkspiel zu nutzen – weil es die Fans schnell an ihre Grenzen bringen würde.

Auf dem Fußballfeld lassen die Spielerinnen nach dem 0:9 jedoch die Köpfe hängen. Der Großteil von ihnen hat bereits in einem Fußballverein gekickt – und ist es nicht gewohnt, jedes Spiel so gnadenlos unterlegen zu sein. Viele atmen schwer und stützen ihre Hände auf die Hüfte. Als sie einen Freistoß bekommen, brüllt eine Spielerin: „Kommt Mädels, jetzt drehen wir das Spiel!“ Einige lachen, andere gehen zum Spielfeldrand, um sich in der kleinen Verschnaufpause auswechseln zu lassen.

Keine Chance gegen die Männer

Zwar gehen die Jungs bei ihnen sogar weniger hart in die Zweikämpfe als bei anderen Teams – gewinnen tun sie jedoch immer. Auch wenn sie sich manchmal ein Spiel gegen eine reine Frauenmannschaft leichter vorstellen, als es ist. „Eine Mannschaft hat uns nach dem Spiel gesagt, dass sie nicht gedacht hätten, dass wir so gut mithalten können“, erinnert sich die Kapitänin. Dennoch sorgte der FFC in den ersten Spielen für manche Verwunderung bei den Gegnern: „Wo ist denn unser Gegner?“, war zu hören.

„Die meisten Leute finden es toll, dass wir als reine Frauenmannschaft gegen die Männer antreten“, erzählt Ann-Kathrin. So hat ihnen beispielsweise eine Männermannschaft direkt eine Fanfreundschaft angeboten: Auf der Facebookseite des 1. FC schlueti_93 erwähnen die Jungs immer wieder „ihre Damen“ und wünsche ihnen viel Glück, Arminia Bierzelt hat sie zu einem Freundschaftsspiel eingeladen.

Apfiff, der Spielstand: 29:0 verlieren die Mädels am Ende. An der Seitenlinie hat sich eine Fantraube um das Lattenknaller-Team gebildet, die sie nun auch nach ihrer vierten Niederlage mit einer La-Ola-Welle empfängt. Das Team klatscht klatscht bei den Zuschauern ab und sie Spielerinnen bekommen von ihnen Bier gereicht. Jemand macht eine Musikbox an. Sie sitzen in Grüppchen zusammen, machen Scherze über das Spiel und lachen – den Spaß lassen sich die Spielerinnen von den 29 Gegentoren nicht nehmen.

Von Anna Beckmann und Sarah Seitz

Über den Autor

Karsten Röhrbein

Karsten leitet die ZiSH-Redaktion der HAZ. Hier im Blog kümmert er sich vor allem um die Koordination, Themenbesprechung und was sonst so anfällt.

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