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Das ist der Erfinder der „Game of Thrones“-Sprache Dothraki

Das ist der Erfinder der „Game of Thrones“-Sprache Dothraki

„Hash yeri adothrae hrazef ido yomme Havazzhifi Kazga?“ So klingt es, wenn Daenerys Targaryen auf Dothrakisch dazu aufruft, mit ihr über das schwarze Salzmeer zu segeln. Dothraki ist die fiktionale Sprache des Reitervolks der erfolgreichen Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Daenerys’ kämpferischer Ruf ist nicht untypisch für das barbarische Volk. Seit sechs Staffeln kämpfen die Krieger mit viel Gewalt und Blut um den Thron des Landes Westeros. Daenerys ist die Witwe eines Fürsten des dothrakischen Reitervolkes – und ebenfalls Thronanwärterin.

Dothrakisch ist eine von zwei Sprachen, die eigens für die Serie erfunden wurden. Daenerys spricht beide: Ihre Muttersprache Vaslyrisch und die Sprache ihres verstorbenen Mannes: Dothraki. Konstruiert hat die Sprachen der US-Forscher und Linguist David J. Peterson. Die Produzenten der Serie beauftragten ihn, weil sich auch die Fantasiesprachen realistisch anhören sollten, erzählt Peterson, der zu jenem Zeitpunkt bereits in seiner Freizeit an Kunstsprachen gearbeitet hatte. Als Basis für Dothraki dienten vereinzelte Wörter und Sätze aus der Buchreihe von George R. R. Martin, auf der die Serie basiert. „Damit habe ich dann die Grammatik und die Laute der Sprache festgelegt“, sagt Peterson.

Hat die Dothraki-Sprache erfunden: David J. Peterson.

170 Menschen sprechen fließend Dothraki

Die fiktionale Sprache sollte aber nicht nur auf die Fantasiewelt beschränkt bleiben. Deswegen hat Peterson 2015 das Buch „Living Language Dothraki“ veröffentlicht – eine Sprachlernhilfe mit Vokabellisten, Sprach-CD und App für Fans der Serie. Daraus ist mittlerweile eine kleine Community entstanden: Weltweit sprechen nun etwa 170 Menschen fließend Dothraki. Mehr als 460 Sprachfans tauschen sich unter forum.dothraki.org regelmäßig aus.

Bock auf Vokabeln lernen? Mit diesem Sprachführer lernst du Dothraki.

„Der Realismus in der Sprache macht sie, obwohl konstruiert, gut lernbar“, sagt Tim Stoffel, einer der Administratoren des Forums, wo man ihn unter dem Namen Hrakkar kennt. Einfach ist Dothraki trotzdem nicht: Bis man sich mit anderen unterhalten kann, brauche es einiges an Übung. Schriftlich sei das um einiges leichter. „In einer tollen Fan-Community macht lernen aber eh viel mehr Spaß.“ Auch Peterson sei der direkte Austausch mit den Fans wichtig. „Einige Fans schreiben mir sogar E-Mails oder Tweets auf Dothraki“, sagt er.

Für Administrator Hrakkar ist Dothraki nicht die erste Fantasiesprache: Auch Na’vi aus dem Film „Avatar“ und Klingonisch aus der „Star Trek“-Reihe hat der ehemalige Hebräisch-Student, der heute in einem Zoo arbeitet, schon gelernt. „Was mich besonders fasziniert ist, dass in Na’vi der Infinitiv der Verbform komplett fehlt. In der schlichteren Sprache Dothraki ist er dagegen zentral“, sagt Hrakkar. Sein Freund Richard Littauer gründete das Dothraki-Portal. So wurde Hrakkar, was übersetzt so viel bedeutet wie „weißer Löwe“, neugierig.

„Reitest du gut?“ statt „Wie geht es dir?“

An Dothraki fasziniert ihn, dass bei der Entwicklung der Sprache und der Grammatik auch die Kultur des wilden dothrakischen Reitervolkes berücksichtigt wurde. So lasse sich der Name des Volkes von dem Wort „dothralat” ableiten, was „reiten“ bedeutet. „In Dothraki fragt man nicht ,Wie geht es dir?’, sondern ,Reitest du gut?’“ Die schlimmste Erniedrigung sei der Vorwurf „Du läufst wie ein kleiner Junge“ – beleidigend sei dabei, dass er läuft und nicht reitet.

Tim Stoffel lernt die Sprache in einem Forum.

Als Hrakkar 2011 damit begann, Dothraki zu lernen, gab es noch keine Lernhilfen. „Meine ersten Ansatzpunkte waren normale Grammatikbücher. Gelernt habe ich fast jeden Tag.“ Das ist heute einfacher: Seit Kurzem gibt es sogar einen Online-Übersetzer. Unter lingojam.com/DothrakiTranslator lässt sich englischer Text ganz automatisch in Dothraki umwandeln. Gerade die Grammatik sei auch bei der Konzeption der Sprache die Herausforderung gewesen, meint Spracherfinder Peterson. „Wenn du die Grammatik ausgearbeitet hast, brauchst du nur noch mehr Wörter.“ Die siebte Staffel von „Game of Thrones“ startet erst im Juli – hartgesottenen Fans bleibt also noch etwas Zeit, um die Grundlagen der Sprache zu lernen.

Annabelle Knappe

Dieser Text ist in Kooperation mit dem ersten Semester des Journalistik-Studiengangs der Hochschule Hannover (HsH) entstanden.

Fantasiesprachen: Von Klingonisch bis Sindarin

Ob die Elbensprache Sindarin in „Der Herr der Ringe“ oder Klingonisch in „Star Trek“ – fast jede Fantasiewelt hat fiktionale Sprachen mit eigenem Sprachsystem. Oft sind sie nicht nur Teil des Fantasieuniversums, sondern werden von Fans wie eine Fremdsprache gelernt. Die Sprachen passen in der Regel zu dem Volk, die sie spricht. Das getragene Sindarin mit den weichen Flexionen passt etwa zu den feingeistigen Elben und der rauhe, abgehackte Klang zu den Klingonen. „Klingonen stellt man sich als raues Kriegervolk mit rigiden Ritualen vor“, sagt Franz Januschek, Sprachforscher an der Uni Flensburg.

Meist entstehen erst die Welt und dann die Sprache, bei „Der Herr der Ringe“ war es jedoch andersherum: „Tolkien wollte wohlklingende Sprachen erschaffen und schuf danach Fantasievölker, die zu diesen Sprachen passen sollten“, sagt Januschek. Für die Konstruktion der Sprache habe sich Tolkien Anregungen aus dem Walisischen und Finnischen geholt.

Kira von der Brelie

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ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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