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Das ist Hannovers einzige Studentenverbindung für Frauen

Das ist Hannovers einzige Studentenverbindung für Frauen

„In Hannover wir uns fanden, stehen treu und fest zusammen“, schallt es durch den kleinen Saal in der Nordstadt. Hier feiert die Akademische Damenverbindung (ADV) Victoria an diesem Abend ihren elften Geburtstag und singt ihr selbst komponiertes „Farbenlied“. Der Saal ist in Gold, Braun und Weiß, den Farben der Verbindung, geschmückt, auf den Tischen steht reichlich Bier, Sekt und Wein. Wie immer zu offiziellen Anlässen tragen die Studentinnen Mützen und Bänder in den Farben der Verbindung als eine Art Uniform.

Zwischen Liedern und Reden wird mit Bier oder Sekt angestoßen – wie bei einem Schützenfest. Foto: Villegas.

Gefeiert wird allerdings nicht im eigenen Verbindungsheim – so etwas besitzen die 16 jungen Frauen der ADV nicht. Sie wohnen wie normale Studenten in WGs und Wohnungen. Deshalb sind sie heute bei einem christlich-liberalen Männerbund zu Gast. „Wenn ich erzähle, dass ich in einer Verbindung bin, sind die meisten trotzdem erst einmal skeptisch, weil sie gar nicht genau wissen, was das ist“, sagt die 24-jährige Gesina Schwalbach. Die ADV ist Hannovers einzige Verbindung für Studentinnen. Bundesweit gibt es etwa 70, die erste wurde 1899 gegründet. Die meisten Frauenverbindungen wurden wie die ADV in den 2000er-Jahren gegründet. Dem gegenüber stehen laut einer Studie der Studentenvertretung Asta aus dem Jahr 2008 rund 1000 Männerbunde.

Verbindungen haben eine lange Tradition und oft auch einen fragwürdigen Ruf: Der Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“ den sich die Jenaer Urburschenschaft 1815 gegeben hat und den bis heute viele Verbindungen tragen, wird kritisch beäugt. Das Spektrum reicht von Verbindungen mit völkischer Gesinnung bis hin zu offenen Burschenschaften, in denen ganz selbstverständlich auch Ausländer Mitglied werden können. Zum Eklat kam es 2012 in Göttingen, als die Burschenschaft Hannovera eines ihrer Mitglieder wegen nationalsozialistischer Äußerungen in einem Internetforum rauswarf. „Adolf Hitler und der Nationalsozialismus leben in unseren Herzen weiter. Sein Licht brennt auch in dieser tiefen Dunkelheit“, soll der Mann gepostet haben.

„Wir grenzen niemanden aus“

In Hannover wäre für so einen Ewiggestrigen kein Platz: Wenn alle Mitglieder einverstanden sind, dürfen auch ausländische Frauen Mitglied der ADV werden. „Wir grenzen niemanden aus“, betont Julia Kordick. Auch bei der Damenverbindung gilt: Wer dort Mitglied wird, schließt einen Bund auf Lebenszeit. Die Mitglieder verzichten im Gegensatz zu anderen auf das studentische Fechten – sie sind keine schlagende Verbindung.  Außenstehende bekommen allerdings selten Einblicke. Auch die Verbindungsfrauen bleiben bei den meisten Veranstaltungen unter sich. Zur Stiftungskneipe sind aber auch Herrenbünde eingeladen. Der Ablauf der Stiftungskneipe folgt, wie auch an diesem Abend einem festen Ritual: Während die Gäste und die Mitglieder an langen Tischen sitzen, sitzt der Vorstand der Verbindung, das Präsidium, vorne an einem einzelnen Tisch.

Mit Mütze und Band: Das ist die Akademische Damenverbindung (ADV) Victoria aus Hannover. Foto: Villegas

Lieder, Reden, Bier und Sekt

Zwischen den traditionellen Liedern und Reden wird mit Bier oder Sekt angestoßen, wenn das Präsidium dazu auffordert – ein bisschen wie beim Schützenfest. „Uns ist auch wichtig, das Ganze etwas aufzulockern, weshalb es zwischendurch Pausen gibt, in denen man einfach quatschen kann“, sagt die 24-jährige Gesina Schwalbach. Die Studentin ist seit Beginn ihres Studiums in der Verbindung. „Ich war neu in Hannover und kannte niemanden“, sagt sie. „Als ich von der Verbindung erfuhr, wollte ich sie kennenlernen“, erinnert sich Gesina. Junge Studentinnen, die neu in der Stadt sind, aufzunehmen, das war auch das Ziel der drei Studentinnen, die die Verbindung 2006 gründeten. Zu dieser Zeit gab es in Hannover noch einen weiteren Damenbund, die ADV Kurfürstin Sophie Charlotte. Wenig später löste sie sich auf.

Zu Beginn jeden Semesters versucht die ADV Victoria neue Mitglieder zu gewinnen. Bei diesen sogenannten Keilaktionen werden Flyer in der Uni und den Hochschulen verteilt und Kneipentouren veranstaltet. Anders als bei vielen Männerbunden können die Studentinnen allerdings nicht mit günstigen Zimmern werben. Für die 16 Mitglieder stehen stattdessen gemeinsame Unternehmungen im Vordergrund. Und natürlich auch die Kontakte, die es über passive Mitglieder in die Arbeitswelt gibt. „Eine Verbindung ist eben ein Bund fürs Leben“, sagt Gesina.

Von Anna Beckmann

So sind Verbindungen organisiert

Burschenschaft, Turnerschaft, Corps – Studentenverbindungen haben unterschiedliche Ausprägungen. Die Aufnahme erfolgt meist auf gleiche Art und Weise: Nachdem angehende Mitglieder auf einem Bierdeckel unterschrieben haben, werden sie zum Fux. Nach einer Bewährungszeit folgt die Vollmitgliedschaft, in der Posten wie Sprecher oder Kassenwart zu bekleiden sind. Vor allem Erstis werden von Vorteilen der Verbindungen geködert: günstige Zimmer, Bekanntschaften und Partys. Vor allem aber bilden Studentenverbindungen weit verzweigte und einflussreiche Netzwerke: Junge Studenten werden von Ehemaligen unterstützt und gefördert – bis hin zum Einstieg in das Berufsleben.

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

1 Kommentar

  1. Auch eine Form der Emanzipation! Grundsätzlich ist die Verbindung eine gute Idee, aber das Auftreten, die Rituela etc. komplett von den
    Burschenschaften zu übernehmen ist nicht sehr originell.

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