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Der erste Job: Was erwartet mich nach der Uni?

Der erste Job: Was erwartet mich nach der Uni?

Auch das Studentenleben endet mal. Und das Arbeitsleben beginnt. Auf ZiSH berichten vier Berufseinsteiger von ihrer Anfängerangst und Erfolgserlebnissen.

Vom Hörsaal in den Kreißsaal

„Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich werdende Eltern beim spannendsten Erlebnis ihres Lebens begleiten kann – der Geburt ihres Kindes.

Vom ersten Ultraschall bis zur Geburt bin ich bei jedem Schritt dabei, denn seit letztem Monat mache ich meine Assistenzarztausbildung im AKH Celle. Dort arbeite ich in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Ich bin sowohl auf der Station und im OP als auch in der Ambulanz und im Kreißsaal unterwegs. Auf der Station gehört die tägliche Visite zu meinen Aufgaben. Dort untersuche ich die Patientinnen, ordne Medikamente an oder ich begleite die Patienten in den OP. Wenn ich in der Ambulanz bin, untersuche ich Notfallpatientinnen mit gynäkologischen Beschwerden und gucke dann, ob wir sie aufnehmen müssen oder nicht.

Das alles bedeutet viel Verantwortung und erfordert Konzentration. Gebe ich zum Beispiel einer Mutter ein Medikament, muss ich erst einmal prüfen, ob die Inhaltsstoffe beim Stillen schädlich für das Kind sein können. Die große Verantwortung kann anstrengend sein. Ich bin optimistisch, dass das alles bald aber Routine für mich ist. Zum Glück habe ich ein gutes Team und wenn es bei einer Geburt Komplikationen gibt, besprechen wir gemeinsam, wie wir weiter vorgehen.

Ich bin froh, jetzt zu arbeiten. Zwar hatten wir schon im Studium bei vielen Praktika regelmäßig Kontakt mit Patienten, aber oft saß man auch mit 200 anderen Studenten im Hörsaal. Über mein Fachgebiet lerne ich das meiste erst jetzt in der Praxis, denn im Studium hatte ich noch nicht die Möglichkeit, mich zu spezialisieren, wusste aber, dass ich in die Gynäkologie möchte. In fünf Jahren bin ich dann Facharzt. Der Alltag in der Klinik ist viel anstrengender als das Studium. Abends falle ich oft schon um 21 Uhr ins Bett, weil der Tag so anstrengend war.“

Tane Stelzer (30), aufgezeichnet von Anna Beckmann

Die Mischung macht’s

„Vor dem letzten Unterrichtsbesuch im Lehramts-Referendariat war ich total nervös: Er war für die erste Stunde angesetzt und ich wusste, dass die Schüler vielleicht zu spät kommen würden, da der Bus nur selten pünktlich ist. Als ich an diesem Morgen jedoch in den Klassenraum der Sechstklässler kam, waren alle da: Die Schüler waren extra mit dem Fahrrad zur Schule gekommen.

So lief der Unterrichtsbesuch meiner Referendariatsbetreuer und Uni-Dozenten ohne Probleme.
Seit diesem Schuljahr unterrichte ich nun an einer Oberschule in der Nähe von Celle Deutsch und Religion – dort, wo ich mein Referendariat absolviert habe. Klar habe ich in diesen beiden Jahren schon vor Klassen gestanden, aber ich hatte viel weniger Unterricht.

Im Studium kam der Praxisanteil sehr kurz. Ich fände es wichtig, wenn dort mehr Praktika gemacht würden, damit jeder ausprobieren kann, ob das Lehrersein einem überhaupt liegt. Mittlerweile habe ich Routine im Schulalltag, aber es ist immer wieder spannend, da man nie genau weiß, was auf einen zukommt. Da kann der Unterricht noch so gut geplant sein. Besonders wichtig ist mir das Verhältnis zu den Schülern – die Mischung aus Lockerheit und Konsequenz macht’s.“

Jana Szameit (26), aufgezeichnet von Anna Beckmann

Erste Erfolgserlebnisse

„Noch vor wenigen Monaten saß ich in Vorlesungen oder habe für Klausuren in Bauingenieurwesen gebüffelt. Inzwischen ruft jeden Morgen die Arbeit: Vor knapp einem halben Jahr habe ich meinen ersten richtigen Job bei KLT Consult in Hannover angefangen. Dort arbeite ich als Projektingenieur. Meinen Bachelor habe ich im Umweltingenieurwesen gemacht und mich dann im Master im Bereich Wasser, Umwelt und Küsten spezialisiert. So sind Deichbauten oder Talsperren Projekte, um die wir uns kümmern.

Schon während der Uni war es mir wichtig, Praxiserfahrung zu sammeln. Deshalb habe ich neben der Uni gearbeitet. Im Master habe ich dann als Aushilfskraft bei meinem jetzigen Arbeitgeber angefangen. Nach meinem Abschluss fragte mich das Unternehmen, ob ich weiter für es arbeiten möchte. Das hatte Vorteile: Ich kannte die meisten Kollegen und die Strukturen. Neu war allerdings, dass die Arbeit gedanklich oft im Hinterkopf bleibt.

Nach einer Eingewöhnungsphase kommen jetzt die ersten Erfolgserlebnisse: Immer wenn ich ein Projekt bei meinem Vorgesetzten erfolgreich abgebe, ist es, wie eine Klausur bestanden zu haben.“

Constantin Klemm (26), aufgezeichnet von Emma Schell

Bibbern in der Robe

„In meiner ersten Verhandlung als angehender Staatsanwalt war ich nervös, weil ich vorher noch nie so viel Verantwortung zu tragen hatte. Nach jeder Menge Theorie im Jurastudium an der Uni war es ein Sprung ins kalte Wasser: Dort hatte ich neben einigen Praktika nur die wissenschaftlichen Grundlagen gelernt.

Wie so ein Verfahren geführt wird, lerne ich erst jetzt im Referendariat. Umso aufgeregter war ich, als ich in der Verhandlung zwölf Zeugen befragen musste, ohne das überhaupt jemals gemacht zu haben. Dass es für den Angeklagten um eine Gefängnisstrafe ging, hat den Druck noch erhöht.
Seit einem Jahr lerne ich im Referendariat nun die Arbeit von Richtern, Staatsanwälten, Verwaltungsbeamten und Rechtsanwälten kennen. Zwei Jahre dauert es, und danach ist meine Ausbildung abgeschlossen und ich kann mich für eine Stelle bewerben.

Die erste juristische Prüfung habe ich zum Glück bestanden. Die ist gefürchtet, weil jede Menge theoretisches Wissen abgefragt wird. Ich habe sie in anderthalb Jahren relativ schnell absolviert. Nun bin ich froh, praktisch arbeiten zu dürfen.“

Maximilian Tomm (25), aufgezeichnet von Swantje Schurig

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