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Das ist Deutschlands zweitbester Elektro-Club

Das ist Deutschlands zweitbester Elektro-Club

Das Szene-Magazin „Faze“ hat den Weidendamm zum zweitbesten Elektro-Club Deutschlands gekürt. ZiSH hat sich den Laden angeschaut.


Lass dich einfach fallen und tanz drauflos, ohne drüber nachzudenken“, rät mir ein junger Mann, der mich etwas verloren am Rand der Tanzfläche entdeckt hat. Mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen beginnt er, sich zum Takt der Musik zu bewegen, und zeigt mir, wie man im Weidendamm richtig feiert: zwanglos und befreit.

Versteckt in einem Hinterhof liegt der Elektro-Club in der Nähe des alten Güterbahnhofs, im gleichen Gebäudekomplex wie das Niemandsland, in dem seit einem halben Jahr Jazz- und Hip-Hop-Partys gefeiert werden. Als ich in Begleitung einer Freundin um halb zwei vor der bunt beleuchteten Fassade des Weidendamms ankomme, höre ich bereits die dumpfen Techno­beats. Besonders einladend klingt das für mich nicht. Gemeinsam mit meinen Freundinnen verbringe ich die Freitagnächte eher bei R-’n’-B-Sounds im Palo. Die Auszeichnung des „Faze“-Magazins hat meine Freundin und mich dennoch neugierig gemacht. Das Szene-Magazin hat den Weidendamm im Februar zum zweitbesten Elektro-Club Deutschlands gekürt – nur vom Berliner Berghain übertrumpft. Trotz des guten Rufs setzt mein Studenten-Herz einmal aus, als ich der Kassiererin die 10 Euro Eintritt überreiche. Für Hannover ein ungewöhnlich hoher Preis – für die elektronische Musikszene jedoch nicht. Hier sind Eintrittspreise ab 15 Euro der Normalfall.

Tech-House und Deep-House

Im Club angelangt, müssen wir uns erst einmal einen Überblick verschaffen. Die stockdunklen Gänge führen vorbei an einer Snackbar und einer Fotobox zu zwei unterschiedlichen Dancefloors. Auf dem größeren Floor legt der in der Szene bekannte DJ Torsten Kanzler sein neues Techno-Album „Home“ auf. Während die irre lauten Beats im wiederkehrenden Takt durch den Club dröhnen, zucken die Körper der Feiernden im Rhythmus des Basses. Quer über die Schulter hängende Bauchtaschen, Adidas-Logos und Man-Buns dominieren den Kleidungsstil der Mittzwanziger. Der hier dominierende Musikstil bewegt sich zwischen Tech-House und Deep-House. Während Deep-House souliger, basslastiger und vergleichsweise langsamer House mit einem tiefen, melancholischen Klang ist, steht Tech-House für härtere Elektro-Musik und etwas entschleunigten Techno. „Das sind die beiden vorherrschenden Richtungen hier in Hannover“, sagt Club-Eigentümer Sem Köksal. 30 bis 40 Stunden in der Woche beschäftigt sich der 43-Jährige, der den Laden vor sechseinhhalb Jahren übernahm, mit dem anfallenden Papierkram im Weidendamm – neben seiner Arbeit als Unternehmensberater.

Seit der Eröffnung 2011 haben sich weder die Eintrittspreise noch die Getränkepreise verändert. Trendgetränke wie Wodka-Mate gibt es an der Bar für 7,50 Euro. Trinken sehe ich allerdings nur wenige, auf der Tanzfläche schon gar nicht – was bei den hektischen Tanzbewegungen auch nicht möglich wäre. Während sich auf anderen Partys die Feiernden mit Alkohol aufputschen, werden meine Freundin und ich von einem Mädchen auf der Toilette gefragt, ob wir Ecstasy für sie haben.

Zurück auf der Tanzfläche achtet niemand auf seine Mittänzer links und rechts, stattdessen sind die Blicke nach vorn auf das DJ-Pult und die dahinter liegende LED-Wand gerichtet – wie bei einem Konzert. Eine Grüppchenbildung gibt es nicht, alles ist anonymer, als ich es von Elektro-Abenden im Chéz Heinz oder Stumpf kenne. Hier geht es nur um die Musik und den Rhythmus, nicht um Gequatsche mit Freunden.

Haben die Turntables im Elektro-Club Weidendamm erobert: Tech- und Deep-House. Foto: von Ditfurth

Haben die Turntables im Elektro-Club Weidendamm erobert: Tech- und Deep-House. Foto: von Ditfurth

Was mich besonders beeindruckt, ist die Club-Deko, die sich ebenfalls von Stumpf, Heinz und Co. abhebt. Farbige Tücher hängen von den Decken und erschaffen die Optik eines Zirkuszeltes. Überhaupt ist der Club ziemlich bunt. Hinter jeder Ecke finden sich Skulpturen und ungewöhnliche Wandbehänge. Das aktuelle Motto ist „Zirkus Randale“. Dass die Deko alle drei Monate aufwendig und kostspielig von Künstlern umgestaltet wird, ist etwas Besonderes. „Dafür kommen zur ersten Feier nach dem Umbau sogar Clubgänger aus England, Holland oder Belgien“, sagt Köksal. „Wirtschaftlich ist es natürlich Wahnsinn, alle drei Monate das komplette Gesicht des Ladens zu verändern – da musst du schon viel Liebe zur Szene und zum Detail haben.“

Nummer zwei in Deutschland

Im Eingangsbereich komme ich mit einer Lehramtsstudentin aus Linden ins Gespräch, die den Abend allein im Weidendamm verbringt. Dass der Club wirklich der zweitbeste in Deutschland ist, bezweifelt sie: „Berlin hat neben dem Berghain noch weitere, deutlich bessere Elektro-Clubs zur Auswahl.“ Die Auszeichnung ist das Ergebnis einer Leserumfrage des „Faze“-Magazins. Dass das Bergahin auf Platz zwei gelandet ist, liegt jedoch nicht nur daran, dass mehrere gute Clubs geschlossen haben. „Der Weidendamm hat sein Programm geändert und ist allumfassender geworden. Er hat sich einfach hochgearbeitet“, erklärt der Herausgeber des „Faze“, Sven Schäfer.

Später wechseln meine Freundin und ich auf den kleineren Dancefloor. Der Hannoveraner DJ Kimmy Msto legt hier ebenfalls Techno auf. Etwas eingeschüchtert beobachte ich vom Rand der Tanzfläche die abgehackten Tanzbewegungen der Feiernden. Sobald der Rhythmus sich ändert, verfallen alle in Jubelgeschrei, reißen die Arme in die Höhe und erwachen aus ihrer Trance. Nach einer Stunde im Club fangen auch mich die Technobeats langsam ein. Zwar kann ich meine Gedanken, wie ich mit den ruckartigen Tanzbewegungen wohl für andere aussehe, nicht ganz abschalten, aber immerhin stehe ich nicht mehr wie ein verlorener Wackel-Dackel am Rand. Und ich merke: Es tanzt zwar jeder für sich, doch irgendwie auch gemeinsam. Statt einzelner Freundesgrüppchen sind alle Tänzer im Club eine große Gemeinschaft. Der monotone Beat lässt mich fast in einen tranceartigen Zustand fallen, in dem ich die Zeit vergesse.

Als ich schließlich gegen kurz vor vier Uhr am Morgen meinen Heimweg antrete, ist der Club noch rappelvoll. Trotz meiner anfänglichen Skepsis gegenüber der Musikrichtung bin ich am Ende meiner Weidendamm-Nacht von der Atmosphäre und dem aufgeschlossenen Publikum beeindruckt. Mich komplett den elektronischen Beats hinzugeben und alle Zwänge fallen zu lassen, werde ich aber in weiteren Weidendamm-Nächten noch üben müssen.

Von Nina Hoffmann

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2 Kommentare

  1. Was seid ihr eigentlich für ein Haufen peinlicher Studenten? Ihr geht erst in den Club nachdem er auf einer Lite auftaucht? Richtige Mitläufer! Bleibt lieber ganz weg anstatt aus einem Untergrundschuppen eine Yuppie-Bar zu machen!

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