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Diese Ängste haben Paare vor dem Zusammenziehen

Diese Ängste haben Paare vor dem Zusammenziehen

Wenn Paare in ihre erste gemeinsame Wohnung ziehen, stellt der Alltag die Beziehung auf die Probe. ZiSH-Autorin Ronja Wirts erzählt von ihren Gedanken.


​Einen Monat auf sechs Quadratmetern – mehr Platz blieb meinem Freund und mir nicht, wenn wir uns auf unserer Fahrradtour durch Italien abends ins Zelt legten. Doch der chronische Platzmangel hatte einen positiven Nebeneffekt: Während dieser Reise sind wir ganz schön eng zusammengewachsen. Der häufigste Streitpunkt war, dass ich ihm im Schlaf regelmäßig das Kissen klaute. Es hätte schlimmer kommen können.

In Zukunft wollen wir uns trotzdem etwas mehr gemeinsamen Platz gönnen: Ab dem kommenden Wintersemester teilen wir uns eine gemeinsame Wohnung in Köln. Sie hat 60 Quadratmeter. Es ist das erste Mal, dass ich mit einem Partner zusammenziehe, und so ist nicht nur die Vorfreude mit im Umzugskarton: Auf welche Art und Weise verändert sich unsere Beziehung, wenn der Alltag mit in die Wohnung einzieht? Und werden wir das überhaupt merken? Dennoch überwiegt die Vorfreude, denn eigentlich stehen die Vorzeichen für ein gemeinsames Zuhause gut.

Mein Freund und ich haben uns in der Oberstufe unserer Schule kennengelernt. Wir sind beide Anfang zwanzig und immerhin seit eineinhalb Jahren zusammen. Von einem Hals-über-Kopf-Zusammenzug kann also keine Rede sein.

Mit unserem Abschluss kam die Frage, wie unsere Beziehung in Zukunft aussehen würde. Eine Fernbeziehung war von Anfang an kein Thema. Uns beiden war klar, dass Distanz nicht das Richtige für uns gewesen wäre. Denn ganz ehrlich: Wir sind eines dieser Paare, die sich schon vermissen, wenn sie bloß eine Woche getrennt sind. Nicht auszudenken, wie es werden würde, wenn wir in unterschiedlichen Städten leben müssten. Dann könnten wir uns wahrscheinlich auch gleich trennen.

Die gemeinsame Zukunft planen

Zum Glück ließen sich unsere Zukunftspläne ohne große Probleme miteinander verbinden: Ich möchte zum Studieren in eine Medienstadt, er  braucht einen Tapetenwechsel. Er hatte kein Problem damit, sich in Köln, der Universitätsstadt meiner Wahl, für einen Ausbildungsplatz zu bewerben.

Als er schließlich fragte, ob wir uns denn vor Ort eine gemeinsame Wohnung suchen würden, musste ich erst mal lachen. Ich war einfach davon ausgegangen, dass das selbstverständlich ist. Somit war das Zusammenziehen beschlossen.

Warum wann und welche Konflikte auftreten könnten – und wie Paare sie überstehen –, dafür gibt es kein Regelbuch. Und auch gut gemeinte Ratschläge helfen wenig. Jedes Paar muss das bestmögliche Zusammenleben für sich selbst erarbeiten.

Ich vertraue zwar fest auf uns beide als Team. Wir reden offen miteinander und unterstützen uns gegenseitig in unseren Vorhaben – zwei Eigenschaften, die uns bis jetzt vor größeren Krisen bewahrt haben. Außerdem können wir uns unsere Freiheiten lassen und haben kein Problem, wenn der andere mal alleine mit Freunden ausgeht. Aber natürlich weiß auch ich, dass Beziehungen manchmal einfach abnutzen und Gefühle im Alltagsstress untergehen können. Ein häufiger Trennungsgrund ist laut Elitepartner.de, dass die Partner zu wenig Zeit füreinander haben. Das scheint bei zusammenlebenden Paaren nicht das Problem zu sein. Laut dem Statistischen Bundesamt verbringen Partner mit gemeinsamer Wohnung im Schnitt mit dreieinhalb Stunden pro Tag sogar relativ viel Zeit miteinander.

Was wird aus der Leichtigkeit?

Fragt sich, wie: Schließlich ist es etwas anderes, nach einem anstrengenden Tag im Büro oder in der Uni miteinander zu reden, wenn beide ihre Probleme und Sorgen mit nach Hause bringen. Was wird dann aus der Leichtigkeit, die eine junge Beziehung ausmacht?

In meinem Freundeskreis hab ich schon wahre Horrorstorys von gefestigten Paaren gehört, die sich auf dramatische Weise getrennt haben, weil sie das Zusammenleben einfach nicht verkraftet haben. Wer sagt, dass das nicht auch uns passieren könnte?

Diese Gedanken nehme ich mit in meine erste gemeinsame Wohnung. Doch ich lasse mich nicht von ihnen verrückt machen, denn sollten Probleme auftauchen, kann man an ihnen arbeiten. Jetzt gerade überwiegt die Vorfreude auf unseren neuen Lebensabschnitt.

Mir gefällt der Gedanke, dass mein Freund mich motiviert, aus dem Haus zu gehen, wenn mich der Lernstress plagt und ich frische Luft brauche. Oder, dass jemand zu Hause auf einen wartet. Oder, dass wir versuchen, uns etwas Genießbares zu kochen. Das dürfte die größte Herausforderung werden.

Ronja Wirts

Über den Autor

Karsten Röhrbein

Karsten leitet die ZiSH-Redaktion der HAZ. Hier im Blog kümmert er sich vor allem um die Koordination, Themenbesprechung und was sonst so anfällt.

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