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So arbeiten Nachwuchsdesigner für ihre erste Kollektion

So arbeiten Nachwuchsdesigner für ihre erste Kollektion

Die Luft im kleinen Konferenzzimmer des Musikzentrums ist stickig. Halbbekleidete Models rennen hektisch von einer Ecke in die andere. Morgen wird auf dem Gelände in der Nordstadt zum dritten Mal das Freaky Fashion Festival stattfinden. Nachwuchsdesigner von Modeschulen wie der Fahmoda, der M3 oder der Hochschule zeigen ihre Kreationen auf dem Laufsteg und an Verkaufsständen. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Mitten im Gewusel steht, wie ein Fels in der Brandung, Jing Jing Qi. Die junge Chinesin ist bereits zum dritten Mal beim Festival dabei und hat sich längst an den Stress bei der letzten Anprobe, dem Fitting, gewöhnt.
Dieses Jahr ist jedoch auch für Jing Jing eine Premiere. Denn sie präsentiert zum ersten Mal die Badekleidung ihres neu gegründeten Labels „Boo Surfwear“. Zusammen mit ihrer Partnerin Anna Chevalier hat sie sportlich aussehende Bikinis entworfen. „Mit ’Boo Surfwear’ können wir unsere zwei größten Leidenschaften vereinen“, erklären die beiden. „Surfen und natürlich Modedesign.“

Dabei hätte Jing Jing Qi um ein Haar einen anderen Berufsweg eingeschlagen. „Ich habe bereits Produktdesign studiert“, erzählt die junge Chinesin. „Das hat mir auch Spaß gemacht, aber ich wollte auch gerne mit der Hand arbeiten.“ Also entschied sie sich, noch einmal etwas anderes zu probieren – und bewarb sich an der Hochschule Hannover für den Bachelorstudiengang in Modedesign. Im Studium erlernen die Studenten alle nötigen Techniken rund um das Gestalten und Entwerfen von Klamotten, setzen sich aber auch viel mit Fragen zu Mode und deren Rolle in der Gesellschaft auseinander. Ihre Geschäftspartnerin Anna lernte Jing Jings bei einem Pflichtpraktikum bei Designer- und Punk-Ikone Vivienne Westwood in London kennen. Beide wollten nachhaltige Mode entwerfen: Das Ergebnis sind Bikinis, die aus dem Stoff Econyl bestehen – einem Garn, das aus alten Fischernetzen produziert wird.

„Ein Traum wäre es, eines Tages ein Geschäft auf Bali zu eröffnen“

Verkaufen wollen die beiden ihre Kollektion über den Internet-Shop, der am Tag des Festivals online geht. Ihr Traum ist es, damit genug Geld zu verdienen, um ihre Kollektion zu erweitern und international vermarkten zu können. Ein Traum wäre, eines Tages ein Geschäft auf Bali zu eröffnen, wie die Jungdesignerinen lachend erzählen. „Mitten in der Surferszene.“

Auch Janin Kunzendorf beschäftigt sich mit sportlich, praktischer Mode – allerdings für den Gebrauch an Land. Zusammen mit ihrem Geschäftspartner Rico Hausmann entwirft die 29-Jährige Fitnessmode. Sie hat an der hannoverschen Modeschule M3 einen Doppelabschluss als Maßschneiderin und Modedesignerin gemacht. Janin produziert die Hosen und T-Shirts ihres Labels „Gymbassador“ in 3-D-Stricktechnologie. Auf diese Weise entstehe weniger Abfall, und die Kleider besäßen auch nur eine Naht, berichtet sie. Im Gegensatz zu Jing Jing und Anna ist Janins und Ricos Kollektion bereits eine Weile auf dem Markt.

Auf eigenen Beinen: Chantal Wegner hat nach der Berufsschule bereits einen Laden eröffnet, in dem sie ihre Mode verkauft. Foto: Lukas von Loeper

Auch Chantal Wegner verkauft ihre selbst entworfenen Klamotten bereits – und steht im Gegensatz zu vielen ihrer aufstrebenden Kollegen auch schon auf eigenen Beinen. Die 26-Jährige hatte sich an der Berufsschule in Hannover zur Maßschneidemeisterin ausbilden lassen. Ihr war wichtig, dass die Ausbildung möglichst praktisch war. Ähnlich wie Jing Jing ist sie bereits seit den Anfängen des Freaky Fashion Festivals dabei. Unter dem Labelnamen „ChaWe Naturmode“ fertigt sie gehobene Alltagsmode wie Damenwesten oder Blusen an, die sie an der Voßstraße verkauft.

Noch ganz am Anfang seiner Desingerkarriere steht Igor Kornilov. Der 27-Jährige wirkt ein bisschen nervös, denn beim Freaky Fashion Festival stellt er zum ersten Mal seine Mode vor. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat er seine Vorliebe fürs Nähen nicht bereits als Kind entdeckt. Erst als er mit seiner Familie von Russland nach Hannover zog, bekam er die Möglichkeit, sich kreativ auszuleben.: „Ich merkte überrascht, dass es mir Spaß macht – und dass ich irgendwie gut darin war“, erzählt er. Trotzdem hatte Igor noch lange Zeit mit Selbstzweifeln und Unsicherheiten zu kämpfen. „Ich habe erst spät mit dem Nähen und Zeichnen angefangen. Ich hatte viel aufzuholen und das habe ich auch noch heute.“ Trotzdem hat er in kurzer Zeit so hart gearbeitet, dass er beim „Freaky Fashion Festival“ seine Kollektion vorstellen wird. Und die ist durchaus mutig: Aus alter Arbeitskleidung macht er modische Zweiteiler für Frauen.

Ronja Wirts

Letzter Test: Der junge Designer Igor Kornilov bereit ein Model für den Laufsteg vor. Foto: Kutter

Das ist das Freaky- Fashion-Festival

Das „Freaky Fashion Festival“ steigt Sonnabend im Musikzentrum, Emil-Meyer-Straße 26–28. Dort präsentieren über 30 Designer von fünf Modeschulen zum dritten Mal ihre verschiedensten Kollektionen an Ständen und bei ihren aufwendigen Shows um 15 Uhr, 17 Uhr und 19 Uhr.

Für die musikalische Begleitung während der Show sorgt DJ Jens Mahlsted. Wer sich in die Modestücke verliebt, kann sie natürlich auch an den Ausstellungsständen zwischen 14 und 21 Uhr kaufen. Außerdem gibt es Streetfood und Cocktails. Um 14 Uhr eröffnet Oberbürgermeister Stefan Schostock das Festival. Bei der großen Abschluss-Show um 21 Uhr eröffnet Paul V Rila dann die Aftershowparty. Der Eintritt ist frei.

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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