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Das sind die Macher vom snntg-Festival

Das sind die Macher vom snntg-Festival
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Nach dem Fuchsbau- und dem Zytanien-Festival findet in diesem Jahr erstmals in Sehnde das snntg-Festival statt. ZiSH hat die jungen Macher getroffen.

Arne (links auf dem Foto) hebt die Spitzhacke. Kraftvoll schlägt er auf einen kleinen Baum ein, der vor ihm aus dem Erdboden ragt. Er schwitzt. „Wir sollen alle Stolperfallen bis zum Wochenende beseitigt haben“, sagt der 25-Jährige. Der Grund: Vom 7. bis 9. Juli findet in Sehnde erstmals das snntg-Festival statt.


Damit das klappt, ist voller Einsatz gefragt: Schon Tage vorher wuseln Studenten mit Schubkarre und Schaufeln über das Gelände. Der 24-jährige Finn müsste eigentlich gerade wie sein Kommilitone Arne im Hörsaal der Medizinischen Hochschule Hannover sitzen. Stattdessen steht er am Waldrand, stützt sich auf seine Schaufel und koordiniert den Aufbau der Elektro-Bühne „Wummerland“. „Hier werden wir noch bunte Lampions aufhängen und Hängematten zwischen die Bäume spannen“, sagt Finn und deutet auf eine Baumgruppe. Auf dem Gelände des Straßenbahnmuseums im Ortsteil Wehmingen besichtigen Besucher normalerweise ausrangierte Züge. Während des Festivals wird hier auf drei Bühnen geslammt und getanzt, außerdem gibt es Lichtinstallationen und Kunstwerke.

Organisieren statt studieren

Arne und Finn haben beide gerade die Datenerhebung für ihre Doktorarbeit beendet. Statt weiterhin Nierenkrankheiten und Hepatitis an Leberschnitten in neonbeleuchteten Laboren zu analysieren, verbringen sie jetzt ihre Zeit mit der Organisation ihres eigenen Festivals: 2000 Leute, so hoffen sie, werden kommen. Mit Partys kennen sich die angehenden Mediziner aus: In der Faust haben sie seit 2015 unter dem Namen „snntg“ schon mehrere Party-Abende organisiert. Wenn man die Vokale ergänzt, wird aus den sperrigen Konsonanten das Wort Sonntag. „Der Name steht für das entspannte Gefühl am Sonntag“, erläutert Finn.

Im Innern der alten Bahn soll eine Tanzfläche entstehen.

Nachdem sie sich überlegt hatten, das Ganze ein paar Nummern größer aufzuziehen, merkten sie schnell, dass die Arbeit immer mehr wurde. „Irgendwann saßen wir in der letzten Reihe im Computerraum des Radiologiekurses und haben bemerkt, dass wir nur noch Mails beantworten“, erzählt Finn grinsend. Deshalb setzten sie ein Semester aus.
Mit der Idee, etwas in Sehnde auf die Beine zu stellen, begeisterten sie viele Mitstreiter: Der snntg-Verein, der das Festival organisiert, hat mittlerweile rund 50 Mitglieder. „Wir haben gemerkt, dass es einmal sehr viele Studenten gab, die bereit waren, ihre Freizeit für die Planung eines Festival zu opfern“, sagt Finn. Bis aber zu Live-Musik und DJ-Sets von Elektro, bis Soul getanzt werden kann, war viel zu tun.

Immer mit der Ruhe

Kleine Bäume sind nicht die einzige Stolperfalle. Die Auflagen von Feuerwehr und der Bauaufsichtsbehörde der Region Hannover stellten Arne, Finn und ihre Freunde vor immer neue Herausforderungen: Notfallpläne für Brandfälle mussten erarbeitet werden, Begehungen mit der Stadtverwaltung wurden organisiert. Mehrere Male waren sie kurz davor, aufzugeben. Nachdem der erste geplante Veranstaltungsort am Isernhagener Parksee überraschend doch nicht für das Festival genutzt werden durfte, stießen sie per Zufall auf das Gelände des Straßenbahnmuseums – und waren von dem Industrieschick in Wald- und Wiesenatmosphäre begeistert.

Selbst gemacht: Die alten Züge werden von Designstudenten besprüht.

Die historischen Exponate werden in das Festivalkonzept integriert: Es gibt eine Straßenbahn, die fortlaufend im Kreis fährt, um die Besucher von Bühne zu Bühne zu bringen. Designstudenten der Universität Hildesheim verzierten   mit bunter Wandfarbe die Außenwände der vom Museum ausrangierten Straßenbahnen.

Rostiger Industrieschick: Das Festival ist auf dem Gelände des Straßenbahnmuseums.

Die Stadt Sehnde, die knapp 24 000 Einwohner zählt, unterstützt das Kulturevent, indem sie unter anderem für die Nutzung der Duschen in der nahe gelegenen Turnhalle keine Miete erhebt. „Das Festival ist eine Bereicherung“, sagt Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke. Die Organisatoren mussten ein Lärmschutzgutachten erstellen und Anwohner überzeugen. Das war aber kein Problem: „Glücklicherweise scheinen die sich alle darauf zu freuen, dass endlich mal was in Sehnde passiert“ sagt Finn und zwinkert.

Das Non-Profit-Festival

ZiSH verlost Tickets: Das DJ-Duo Mia Mendi (Bild) wurde mit dem einem Youtube-Kanal bekannt – Sonntag ab 2 Uhr stehen sie auf der „Wummerland-Bühne“. ZiSH verlost auf www.facebook.com/ZishHAZ dreimal zwei Tickets für das Festival.

Als Vorsitzender des snntg-Vereins ist Arne der Hauptorganisator. „Gerade im Endspurt in der Vorbereitung gehen wir alle auf dem Zahnfleisch“, sagt er. „Glücklicherweise können wir auf die Unterstützung von Freunden und Familie zählen.“

 

Worauf sie sich einlassen, war ihnen nicht immer klar: „Wir hätten uns nie träumen lassen, wie wahnsinnig viel Vorbereitung dahintersteckt“, sagt Finn.  Etwa 30 Studenten aus unterschiedlichen Studiengängen packen ehrenamtlich mit an. Jede Einnahme fließt zurück in die Ausgaben für die Veranstaltung. Die meisten Künstler, die bei snntg auftreten, erhalten keine Gage. Auf dem Programm stehen überwiegend Kulturschaffende aus der Region Hannover.

Letzte Vorbereitungen

In dieser Woche werden die Studenten noch mal Werbung machen und mit Kreidespray den Festivalnamen auf den Asphalt von Straßen und Plätzen in Hannover schreiben.

Treffpunkt Uni: Die Studenten planen das Festival seit Anfang des Jahres.

Ob sich die Mühe lohnt, wissen die Veranstalter erst hinterher. Ein entscheidender Faktor ist das Wetter. Die Besucher des Fuchsbau-Festivals, das vor drei Jahren mit einem ähnlichen Konzept in Lehrte startete, mussten 2016 in Gummistiefeln und Regenjacken den Acts lauschen. Trotzdem waren die Besucher begeistert.

Arne ist Optimist: „Wir werden in jedem Fall nächstes Jahr das Festival zum zweiten Mal organisieren“, sagt er. Dann hebt er wieder die Spitzhacke. Sie saust durch die Luft – und die Stolperfalle ist beseitigt.

Valerie Lux

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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