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Diese Studiengänge sind zu Unrecht unterschätzt

Diese Studiengänge sind zu Unrecht unterschätzt

Worum geht es im Nanotechnologie-Studium? Und wo arbeiten Philosophiestudenten? Das steckt wirklich hinter diesen Studiengängen.


Nanotechnologie: Gegen Krebs und Staub

Schon als Jugendliche hat sich Nou Ahmed mit Nanotechnologie beschäftigt. Denn der Vater der 25-jährigen Ägypterin leitet eine Firma unter anderem für Handtücher aus Mikrofaser. Dank Nanotechnik bleibt daran kein Staub hängen. Wie vielfältig die Forschung an den Kleinstmaterialien sein kann, erfuhr sie erst, als 2010 in den USA mithilfe von ebenjener Technologie ein neues Medikament gegen Krebs entwickelt werden sollte. Später selbst in der Biomedizintechnik zu arbeiten und an der Entwicklung solcher Medikamente mitzuwirken ist seither Nous Ziel.

Als Nou 2013 begann, an der Leibniz-Uni Nanotechnologie zu studieren, sprach sie schon gut Deutsch.

Studiert Nanotechnologie: Nou Ahmed.

Weil ihr Vater eine deutsche Firma leitete, hat Nou in Ägypten eine deutsche Schule besucht. Weil Bildung dort oft noch stark vom gesellschaftlichen Stand abhängt, hat sich Nou Ahmed auch für ein Studium in Deutschland entschieden.

Das Nanotechnik-Studium an der Leibniz-Uni ist ein Mix aus Ingenieurs- und Naturwissenschaften. In den ersten drei Semestern haben die Studierenden Fächer wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Mathe, Physik und Chemie. Egal in welchem Fach: Es geht immer um Materialien in Nanometergröße, ein Nanometer entspricht dabei einem Milliardenstel Meter.
Das Studium ist sehr lernintensiv und beansprucht viel Zeit. Um später einmal durch neue Medikamente Leben zu retten, nimmt sie das aber gerne in Kauf.

Emma Schell

Technische Redaktion: Anleitung für’s Billy Regal

Eigentlich war ich mir nach dem Abi sicher: Ich will Journalistik studieren. Aber nach dem Schnupperstudium in der Technischen Redaktion an der Hochschule Hannover änderte ich meine Meinung. Denn in der Technischen Redaktion geht es nicht nur ums Schreiben: Ein Technischer Redakteur muss auf vielen Gebieten fit sein, schließlich muss er verständliche Anleitungen verfassen – von der Packungsbeilage bis zur Aufbauanleitung, etwa für ein Billy-Regal.

Diese Vielfalt finde ich super. Da der Studiengang recht klein ist, ist der Kontakt zwischen Dozenten und Studierenden sehr eng. Wenn ich eine Frage habe, finde ich immer schnell den richtigen Ansprechpartner.

Studiert Technische Redaktion: Greta Friedrich.

Weil einige Studis bereits nach dem ersten Semester abgebrochen haben, ist unser Studiengang sogar noch kleiner als sonst. Viele unterschätzen den Technikanteil des Studiums oder denken, sie würden kreativ schreiben. Doch darum geht es in der Technischen Redaktion nicht. Schließlich muss eine Betriebsanleitung für die jeweilige Zielgruppe problemlos verständlich sein – da sollte man als Texter nicht mit bildgewaltigen Adjektiven um sich werfen oder lange Schachtelsätze schreiben. Dafür lernen wir etwa auch Grundlagen von Lernpsychologie und Programmieren. Aber auch wie man Bilder mit Photoshop bearbeitet, wird uns gezeigt.

Die Klausurenphasen sind leider oft sehr stressig, da wir alle Klausuren zu Beginn der Semesterferien schreiben – die lange freie Zeit danach entschädigt dafür aber allemal.

Greta Friedrich

Philosophie: Sich selbst bereichern

Was ist wirklich? Was bedeutet Moral? Und was ist eigentlich der freie Wille? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich die Philosophie. Mehr über die menschliche Existenz und ihre Bedeutung herauszufinden, hat Marian Wöbbeking schon seit er denken kann gereizt. Da das philosophische Interesse des 28-Jährigen mit der Zeit immer weiter wuchs, entschied er sich nach seinem Sportjournalismus-Studium Philosophie zu studieren.

Studiert Philosophie: Marian Wöbeking.

„Sehr viele wollen etwas studieren, das den Erwartungen der Eltern entspricht oder das einem später das meiste Geld einbringt“, sagt Marian. „Philosophie ist aber ein Studium, das in erster Linie für einen selbst ist und einen persönlich bereichert.“ Während des Studiums hat er gelernt, kritischer zu denken, Dinge auf ihren Faktengehalt zu prüfen und flexibler mit seiner Meinungsbildung zu sein. Fake News, Brexit und Donald Trump – Marian ist entschlossen, dass es aktuell genügend politische und gesellschaftliche Themengebiete gibt, die von einer philosophischen Betrachtung profitieren würden.

„Wir müssen wieder lernen, freier zu denken, da wir sonst Gefahr laufen, blind auf fremde Worte zu vertrauen“, sagt Marian. Was genau der Philosophie-Student nach seinem Abschluss machen will, weiß er noch nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Philosophie-Studenten studiert er nicht auf Lehramt. Er sieht sich später im Journalismus, in der Unternehmensberatung oder auch in einem ganz anderen Bereich.

Abby Amoakuh

Meterologie: Kein Wetterfrosch

Eine Frau, die fröhlich lächelnd auf eine Wetterkarte deutet und irgendetwas von Hoch- und Tiefdruckgebieten erzählt – dieses Bild haben viele im Kopf, wenn sie an eine Meteorologin denken. Dass Meteorologie sogar ein eigenständiges Studienfach ist, erfuhr Alexandra Westbrink erst auf den Studieninformationstagen. Dort fand die heute 24-Jährige heraus, dass Wettervorhersagen lediglich ein Teilgebiet der Meteorologie umfassen. Stattdessen ist das Studienfach darauf ausgerichtet, die Atmosphäre anhand von physikalischen und mathematischen Zusammenhängen zu erklären.

Studiert Meterologie: Alexandra Westbrink.

Obwohl Alexandra, die mittlerweile Meteorologie im Master studiert, noch in ihrer Schulzeit Physik abgewählt und Mathe nur als Grundkurs belegt hatte, weckte die praxis- und naturnahe Studienstruktur ihr Interesse. Während ihres Bachelorstudiums lernte sie, wie man Wetter- und Klimamodelle entwickelt, den Umgang mit Großrechenanlagen und Programmieren. „Man erforscht Niederschlagsentstehung, Wärmeaufnahme und wie die Forschung dabei helfen kann, das Klima zu verbessern“, erklärt Alexandra.

Gerade weil die Studieninhalte sehr vielfältig sind und ein breites Spektrum an naturwissenschaftlichen Themen vermitteln, ist das Studium sehr anspruchsvoll. „Mein Studienjahrgang hat sich mit der Zeit sogar halbiert“, sagt Alexandra. Ein Studiengangswechsel war für die 24-Jährige bisher keine Option, sie überlegt, auch nach dem Master an der Uni zu bleiben.

Abby Amoakuh

Verfahrens- Energie- und Umwelttechnik: Eine Folge „Sendung mit der Maus“

„Ich untersuche etwa Prozesse zur Umwandlung von Energie und Stoffen“, erzählt Mareike Ziegler geduldig. Sie ist diese Frage gewohnt, denn wenn sie erzählt, dass sie Verfahrens,- Energie- und Umwelttechnik studiert, muss sie regelmäßig erklären, was das eigentlich ist. Dabei geht es in ihrem Studium um zentrale Fragestellungen: Sie lernt etwa wie man umweltfreundlich Energie herstellt und speichert, was Reinheitsprozesse sind und wie Abfallstoffen umweltfreundlich entsorgt werden können. „Dieser Studiengang ist wie eine Folge Sendung mit der Maus“, fasst etwa Ulrich Lüdersen, einer der Professoren an der Hochschule Hannover, den Studiengang zusammen.

Studiert Verfahrens-, Energie- und Umwelttechnik: Mareike Ziegler.

Dass es um so aktuelle Themen geht, mag Mareike besonders an ihrem Studium. „Wir brauchen Energie. Besonders erneuerbare Energie ist wichtig, weil Kernkraft gerade abgeschafft wird,“ sagt sie. Und nicht nur die Thematik ist sehr praxisorientiert, auch die Anwendung: Was man in den Vorlesungen lernt, wird später direkt in den Labors ausprobiert. Dabei lerne man innovativ zu denken und kreative Lösungen auf Probleme zu finden.

Abby Amoakuh

Noch keinen Studienplatz? Hier kannst du dich noch nachmelden:

Wer sich bisher noch nicht auf einen Studiengang festlegen konnte hat noch bis zum 30. September Zeit, sich für zulassungsfreie Studiengänge wie Meteorologie, Nanotechnologie und Philosophie einzuschreiben.

Auch an der Hochschule Hannover kann man sich noch bis zum 3. Oktober für Studiengänge wie zum Beispiel Technisches Informationsdesign und Technische Redaktion einschreiben.


Symbolfoto: Michael Reichel/dpa

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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