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Dieser Rapper will kein Lehrer werden

Dieser Rapper will kein Lehrer werden
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Seine ersten Zeilen schrieb Moritz Bibow (30) alias Rec-Z bereits 2005 in Hagen bei Neustadt am Rübenberge. Erst beschränkte er sich darauf, Beats zu produzieren. Später mischte er mit seinen Kollegen Kevnox und B-Chris auch am Mikrofon bei Rap-Battle-Turnieren des Internetforums rappers.in mit. Einige EPs später kam 2013 sein erstes Album Kolibri raus, das er während seines Lehramtstudiums in Oldenburg produziert hatte. Nun will er mit seinem zweiten Album „Marke Eigenbau“ nachlegen.


Verlosung: Am Samstag, 1. April, spielt Rec-Z ein Releasekonzert im Lux, Schwarzer Bär 2. Auf der Facebookseite von ZiSH, der jungen Redaktion der HAZ ( zum Öffnen des Links hier klicken oder tippen), verlosen wir zweimal zwei Tickets für das Konzert. Wer bis Freitag, 16 Uhr, seine Lieblingsbegleitung in den Kommentaren verlinkt, gewinnt mit etwas Glück.


Moritz, du stehst kurz davor, dein Lehramtsstudium abzuschließen. Wird aus dem Rapper irgendwann ein Lehrer? 

Was mich momentan grundlegend davon abhält, ist so eine Bauchentscheidung. Ich sehe mich noch nicht an einer Schule oder in einem Lehrerkollegium. Lehrertypen sind für mich auch ein bisschen schwierig. Das ist aber auch ein kleines Vorurteil. Ich will einfach noch ein bisschen künstlerische Freiheit geniessen und mich ausleben. Und diese kreative Schiene funktioniert in der Schule nicht so richtig, weil du dich zum Beispiel an das Kurrikulum halten musst. Klar kannst du die Methoden variieren. Aber es ist nicht das selbe, wie ein Video oder ein Musikstück zu erschaffen.

Ich wette, ein paar Schüler hätte sicher Spaß daran, im Unterricht aus erster Hand etwas über Rap zu lernen. 

Ich habe diese Lehramtstudiensache in meinen Tätigkeiten gerade mit drin, weil ich Hip-Hop-Workshops für Jugendliche gebe. Da bist du in gewisser Weise auch ein Lehrer und da helfen natürlich auch ein paar Sachen, die ich im Studium gelernt habe. Allerdings habe ich auch ein Gewerbe gegründet und biete Recording, Mixing und Mastering für Musiker an.

Um die Beats für dein neues Album produzieren zu lassen, bist du zweimal für mehrere Tage in die Schweiz gefahren. Ist die Musik für dich noch ein Hobby? 

Das ist ganz schwer zu trennen. Erstmal kann ich nicht mega in Vorleistung gehen. Daher würde ich sagen, das ist noch nicht das Level eines Berufsmusikers. Davon kann ich noch nicht fortlaufend meine Miete bezahlen und mir mein Essen kaufen. Vom Arbeitsumfang, der in diesem Album steckt, ist das auf jeden Fall ein Beruf. Ich habe das erste Album so ein bisschen nebenbei gemacht, und ich hatte gewissermaßen auch keinen Druck. Das war jetzt beim zweiten Album ein wenig anders. Da habe ich jetzt mindestens das fünffache an Zeit investiert.

Hat sich dein erstes Album „Kolibri“ denn soweit gelohnt, dass dann die Entscheidung gefallen ist, ein zweites zu machen? 

Ich habe jetzt keinen Zettel, auf dem steht, so viel habe ich ausgegeben und so viel ist rausgekommen. Das heißt, ich habe das zweite Album nicht gemacht, weil sich das erste gelohnt hätte. Klar, meine Musik wird vermarktet und ich finde es cool, dass es so ein Level erreicht hat. Aber die finanziellen Gedanken stehen jetzt nicht so im Vordergrund. Das merkst du daran, dass ich jetzt nicht mal genau sagen kann, wie viel mich die Produktion gekostet hat. Aber „Kolibri“ hat sich schon gelohnt, das kann ich sagen. Es ist auf jeden Fall ein Plus dabei rausgekommen. Das neue Album ist aber eher aus einem Ego-Aspekt entstanden, weil ich weiß, dass ich noch mehr kann und um einfach noch einen draufzusetzen und die Geschichte weiterzuschreiben.

Auf deinem zweiten Album wolltest du Tracks haben, die Live besser funktionieren. Was ist dir wichtiger – Live oder Studio?

Also Live ist die Königsdisziplin, finde ich. Studio macht mir mega viel Spaß, weil ich da alles selbst mache. Da bin ich ein Freak. Aber auf der Bühne was zu spielen, ist einfach ein ganz anderes Gefühl. Und wenn man merkt, dass die Studiosachen auf der Bühne funktionieren, dass ist dann die Erfüllung überhaupt. Das ist das geilste.

Du bist nahe Hannover aufgewachsen, hast drei Jahre in Oldenburg gewohnt und bist nun in die Südstadt gezogen. Ist Hannover eine gute Stadt für Rap?

Wenn du etwa in Berlin wohnst und da Rap machst, lernst du durch die Musik und deine Auftritte schnell ein Umfeld kennen, in denen Label-Typen mit drin hängen oder Leute die dich für Konzerte buchen. Es ist schon in dem Sinne ein Sprungbrett. Und das hast du in Hannover nicht in Bezug auf Rap. Es rappen ja sehr viele hier in Hannover, aber ich glaube tendenziel jeder für sich. Und es gibt keine vergleichbaren Veranstaltungen wie Rap am Mittwoch in Berlin, bei denen sich die halbe Szene trifft. Vielleicht mag ich meine Position als Außenseiter auch einfach, sodass ich mich gar nicht so sehr integriere. Aber gefühlt sind die Rapper in Hannover nicht so verbunden. Die meisten Kontakte habe ich genreübergreifend, aber eher wenige im Rap.

Bedauerst du das?

Nö. Ich finde es gesund so, wie es ist. Klar bin ich auch immer interessiert an Leuten aus Hannover, die Rap machen. Ich bin auch mit einigen in Kontakt, wir schreiben dann mal, dann schicken die mir was rüber und sagen ‚Hör mal rein‘. Das mache ich dann auch gerne und gebe mein Feedback.

Aber ist es nicht wie in der Wirtschaft – Konkurrenz belebt das Geschäft?

Also ich würde einen anderen Musiker nicht als Konkurrenten sehen – außer er hat eine ähnliche Stimme wie ich und behandelt ähnliche Thematiken. Oder im Battle-Rap-Kontext bei einem Turnier, wo du quasi im Wettkampf stehst. Aber sonst sind das einfach Leute, die du cool findest, mit denen du zusammenarbeitest, die du gerne hörst oder halt solche, die deinen Geschmack nicht treffen und dann gar nicht groß in deinem Alltag stattfinden.

Braucht Hannover mehr Nachwuchsförderung im Rap? 

Also die Nachfrage ist auf jeden Fall da. Wenn ich bei meinen Workshops sehe, was die Leute so können – die sind zum Teil viel weiter als ich zu meiner Anfangszeit. Und ich weiß, dass auch „Spex“ ab und zu sowas in Hannover veranstaltet. Auch in ein paar Jugendhäusern gibt es so kleine Studios, in denen Leute etwas aufnehmen können.

Du zeigst dich gerne in Sozialen Medien, wie du Fassaden hochkletterst oder oberkörperfrei im Moor stehst. Was willst du damit darstellen?

Als Künstler macht man sich heutzutage interessant, wenn man ein bisschen was von seiner Privatsphäre zeigt, was man für ein Typ ist, was da für ein Mensch hinter der Musik steckt. Ich wehre mich eigentlich sogar noch dagegen, zu viel von mir privat preiszugeben. Ich mache das eher so häppchenweise – jetzt in der Promotion-Phase zum neuen Album natürlich ein bisschen mehr. Diese Bilder, die da entstehen, sind zu 90 Prozent erstmal private Bilder, weil ich selbst verrückt bin, erstmal irgendwo hochklettere oder sonst irgendeinen Mist baue und jemand dann zufällig die Kamera raufgehalten hat. Und dann überlege ich im Nachhinein ‚okay, das könnte man vielleicht mal posten, das ist ja eigentlich ganz witzig‘.

Das klingt nicht danach, dass du den Rapper Rec-Z und die Privatperson Moritz stark voneinander trennst.

Ne, überhaupt nicht. Das funktioniert aber auch, weil ich in der Musik kein definiertes Image habe. In der Musik bin ich halt Moritz. Deshalb kann ich alles, was mit diesem Künstlernamen Rec-Z zu tun hat auch komplett authentisch machen. Ich kann jederzeit, wenn mich jemand auf meine Musik anspricht, genau das erzählen, was ich bin. Das war in der Anfangszeit noch nicht ganz so, weil ich da viel Battle-Rap gemacht habe, bei dem ich teilweise auch in Rollen geschlüpft bin. Aber mittlerweile kann ich sagen, das bin zu hundert Prozent ich, und deshalb passt das.

Du hast gesagt, du hast kein Image. Wie kommt das?

In meiner Anfangsphase habe ich viele Videos gemacht, in denen ich mich männlich positioniert habe. So ‚guck mal hier, ich hab‘ trainiert‘. Ich glaube auch, dass manche das noch fest gespeichert haben. Dann bin ich für andere lediglich der Battlerapper, weil ich mal beim Video-Battle-Turnier von rappers.in mitgemacht und damit bisher auch die meiste Reichweite erzielt habe. Das sind alles Teile von mir, die ich zu einer gewissen Zeit mal mehr ausgelebt habe und mal weniger. Aber ich glaube nicht, dass ich aktuell ein bestimmtes Image habe. Was es wahrscheinlich auch schwierig macht, die Musik zu verkaufen.

Warum?

Die Leute wollen immer in Schubladen denken, wollen dich immer irgendwie einordnen. Ich glaube, das wird auch bei meinem neuen Album schwierig, weil die Songs thematisch sehr unterschiedlich sind. Genau das ist aber, was mir die Musik bedeutet, dass man unterschiedlich sein kann. Ich weiß auch auf der anderen Seite: Wenn ich jetzt immer Tracks übers Pumpen machen würde, davon erzählen wie ich jeden Tag ins Fitnessstudio gehe, über Ernährung und so weiter – ich würde wahrscheinlich mehr Erfolg haben. Dann hast du eine Nische und kriegst Aufmerksamkeit. Aber darauf habe ich absolut keinen Bock. Damit würde ich mich selbst verarschen.

Du hast dich früher mit dem Video Battle von rappers.in beschäftigt. Wie wichtig war das für dich?

Das coole ist, dass ich darauf aufmerksam geworden bin, als ich 18 oder 19 war. In dem Alter will man sich beweisen und fängt zum Beispiel an Sport zu machen, weil man denkt, man muss kräftiger sein als andere. Und das hat bei mir genau reingepasst. Der positive Nebeneffekt: Man war durch das Turnier gezwungen, alle zwei Wochen einen neuen Track mit Video abzugeben. Und in der Zeit habe ich wahrscheinlich das Grundhandwerk vom Rap gelernt. Weil ich in dem Rahmen unglaublich produktiv sein musste und dabei trotzdem versucht habe innovative Beiträge zu liefern. Rückblickend sehe ich das als ein Training. Meine eher lebensweltbezogene Musik, die ich davor auch schon gemacht habe, hat sich dadurch technisch verbessert.

Interview: Nils Oehlschläger

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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