Advertisement

Select Page

Feiern für die Jahrgangskasse

Feiern für die Jahrgangskasse

Damit der Abi-Ball nicht zu teuer wird, sollen Abi-Partys das Geld einspielen. ZiSH protokolliert eine aus dem Ruder gelaufene Feier – und gibt Profi-Tipps.


Sonnabend, 18 Uhr: Heute ist es endlich soweit: Die Abi-Party steht an. Hannah (Name geändert) ist ein Mitglied des sechsköpfigen Party-Komitees und bereitet Eimer und Lappen vor, befüllt die Bar in dem kleinen, gemieteten Vereinsheim und baut eine Kasse mit Eintrittsbändchen auf. Mit der Abi-Party soll möglichst viel Geld für den bevorstehenden Abi-Ball eingenommen werden – und sie soll natürlich Spaß machen.

20 Uhr: Langsam trudeln die ersten Gäste ein. Größtenteils kommen angehende Abiturienten von Hannahs oder von benachbarten Schulen. Viele von ihnen sind bereits angetrunken und treffen fröhlich singend oder schwankend ein. Von der Kasse geht es für sie direkt an die Bar, wo die Komitee-Mitglieder süße Shots für einen Euro oder Mischgetränke wie Wodka-O für 2 Euro ausschenken. Bei dem Preis bunkern sich einige besonders partylustige Mitschüler direkt mehrere Becher.

21 Uhr: Nicht nur in dem kleinen Raum vor der Tanzfläche wird es langsam kuscheliger: Mittlerweile steht fast der gesamte Jahrgang in kleinen Grüppchen vor und auf der Tanzfläche. Einige wippen zum lauter werdenden Bass, trauen sich aber noch nicht ganz – zum Tanzen fehlt dann doch noch ein bisschen der Mut.

23 Uhr: Die Luft riecht nach Bier und zu viel Parfüm und wird mit jedem Atemzug dicker. Mittlerweile tanzen fast alle angehende Abiturienten wild zu „Boulevard of Broken Dreams“ von Green Day. Umgeben von angetrunkenen Mitschülern sitzt Hannah auf dem Boden und versucht, mit einem feuchten Lappen eine klebrige Wodka-Pfütze aufzuwischen. Der Junge, der die Wodka-Flasche hat fallen lassen, ist direkt in der Menge verschwunden.

Sonntag, 0.30 Uhr: Zwei Jungs wollten sich selbst bedienen und versuchen wiederholt, eine Flasche Hart-Alk hinter dem Tresen zu angeln. Auch darauf, dass ihre Mitschüler nicht ungefragt Freigetränke schnorren, muss Hannah achten – schließlich wollen sie mit einem Gewinn aus der Party gehen.

1.30 Uhr: Ein Junge tippt Hannah auf die Schulter. „Auf der Jungentoi­lette wurde randaliert“, murmelt er. „Ihr habt jetzt nicht alle Klopapierrollen über den Boden verteilt“, sagt sie und geht Richtung Toiletten.

1.32 Uhr: Es ist noch viel schlimmer: Auf der Jungentoilette liegen nicht nur nasse Papierhandtücher und Klopapier auf dem Boden, sondern auch zerbrochene Seifenspender und sogar eine zerstörte Lampe. Hannah schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.

2 Uhr: Die randalierenden Mitschüler haben es irgendwie geschafft, Ziegel aus der Außenfassade zu schlagen. „Was kostet so eine neue Wand?“, fragt Hannah panisch eine Freundin – die zuckt nur mit den Schultern.

2.10 Uhr: Mittlerweile hängt auch im Hauptraum eine Lampe zerbrochen auf dem Boden. Das Chaos im Vereinsgebäude gleicht dem Chaos in Hannahs Kopf.

2.20 Uhr: Statt lautem Gelächter gibt es nun vereinzelt Pöbeleien und Handgreiflichkeiten. Hannah und den anderen Komitee-Mitgliedern ist der Schrecken ins Gesicht geschrieben. „Das ist ja wie im Film Project X. Krass!“, sagt ein Mitschüler.

2.30 Uhr: Bevor die Party weiter eskaliert, entschließen sich die Komitee-Mitglieder, die Feier zu beenden. Wie sie das den Mitschülern verklickern sollen, wissen sie nicht – und fühlen sich wie spießige Eltern, die eine Hausparty sprengen. Die Feiernden drohen ihnen sogar mit Schlägen. Den Tränen nahe will Hannah die Nummer der Polizei wählen.

2.32 Uhr: Bei dem Wort Polizei horcht die Party-Meute auf. Niemand hat Lust auf Diskussionen mit Polizisten, weshalb sich die meisten auf den Heimweg machen. Erleichtert legt Hannah das Handy beiseite.

2.50 Uhr: Nur noch das Party-Komitee ist da. Wie und wo sie anfangen sollen aufzuräumen, wissen sie noch nicht. „Kann man die Ziegelsteine vielleicht einfach wieder in die Hauswand schieben?“, fragt jemand ratlos. „Versuchen wir’s“, sagt Hannah, „schlimmer wird’s eh nicht mehr.“

Maline Hofmann


So gelingt die Finanzierung: Schüler geben Tipps

„Bildet kleine Komitees“

Da wir keine Abi-Party gemacht haben, wurde der Abi-Ball durch Einnahmen von Abi-Buch und Abi-Pulli, Sponsoren sowie Waffelnverkauf mitfinanziert – so sind die Karten nicht ganz so teuer geworden.

Unser größter Fehler war, dass wir von der IGS Kronsberg ein viel zu großes Abi-Komitee gebildet haben. Jetzt wissen wir: Bei mehr als zehn Leuten ist Streit programmiert, und jede Entscheidung dauert ewig!

Abgeraten wurde uns von einer Abi-Party – die Gefahr, Geld zu verlieren statt zu verdienen, sei einfach zu groß. Jacqueline Arend (20), Studentin:

 

„Kino statt Abi-Party“

Statt eine Abi-Party zu machen, haben wir von der Sophienschule bei Elternsprechtagen und Schulkonzerten Kuchen und Punsch verkauft – oder einfach selbst Veranstaltungen organisiert, wie eine Turnhallen-Faschingsparty oder einen Kinoabend im Klassenzimmer.

Nach einem Jahr Kuchenbacken hatte kaum jemand noch Lust auf das süße Gebäck. Backmischungen und engagierte Eltern halfen uns mit Geld- und Kuchenspenden.

Nur eine Stunde hat es bei der ersten Veranstaltung gedauert, bis wir Nachschub im Supermarkt holen mussten. Danach waren wir besser vorbereitet. Sofia Bashka (17) geht in die 12. Klasse der Sophienschule.

 

„Sprecht Schüler an“

Von den 100 Leuten im Jahrgang der Sophienschule machen nun nur noch 85 Abi und kommen dementsprechend zum Abi-Ball. Das müssen wir bei der Kosten-Kalkulation für den Ball beachten. Es hilft aber, wenn man Mitschüler, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie dabei sind, einfach mal anspricht.

Die Arbeit macht mehr Spaß, wenn die Freunde im gleichen Komitee sind und die Verbindlichkeit ist höher, wenn auch mal etwas in der stressigen Klausurenphase organisiert werden muss. So war es meistens trotzdem relativ entspannt bei uns. Leonard Dieckow geht in die 12. Klasse der Sophienschule.

 

„Planung ist wichtig“

Unser größter Fehler war der Termin der Abi-Party: Am 23. Dezember wollen die wenigsten feiern gehen, wenn am nächsten Tag Familientreffen anstehen.

Facebook ist eine gute Plattform, um Werbung zu machen – so werden auch Schüler, die nicht oder nicht mehr zum Gymnasium Lehrte gehen, auf die Party aufmerksam.

Besonders bei der ersten Party sollte man früh beginnen zu planen, um sich einen Überblick zu verschaffen und Datum, Location und Motto mit dem Jahrgang abzustimmen – und dann schnell buchen, sonst sind die besten Locations weg. Nadia Meier (19) hat ihr Abi am Gymnasium Lehrte gemacht und beginnt im Herbst ihr Studium.

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Videos

Lade...

Aktuelle News