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Fünf Phasen, die du während deiner Bachelorarbeit durchlebst

Fünf Phasen, die du während deiner Bachelorarbeit durchlebst

Zwischen Motivation, Frust und Müdigkeit: Unsere Autorin hat sich beim Schreiben ihrer Bachelorarbeit genau beobachtet. Ein Erfahrungsbericht.


Müde Augen, verspannter Nacken und ein unnachgiebig blinkender Cursor in einem leeren Word-Dokument – obwohl die meisten Studenten schon Semester um Semester Hausarbeiten geschrieben haben, stellt sie die erste Abschlussarbeit vor ungeahnte Herausforderungen: Die Ansprüche an sich selbst sind vergleichsweise hoch, der Text ist meist mehr als dreimal so lang wie bei gewöhnlichen Hausarbeiten und der straffe Zeitplan nach der Anmeldung der Arbeit stresst zusätzlich – Schlafmangel inklusive. ZiSH-Autorin Nina Hoffmann hat fünf Phasen protokolliert, die sie beim Schreiben ihrer Bachelorarbeit durchlebt hat.

Phase 1: Los geht’s

Nur ein paar Sätze in der Prüfungsordnung weisen mich auf die Vorgaben für meine Bachelorarbeit hin: Acht Wochen habe ich Zeit, um etwa 40 bis 60 Seiten über ein Thema meiner Wahl zu schreiben. Dafür erhalte ich mickrige zehn Leistungspunkte – genausoviel wie für eine zehnseitige Referatsausarbeitung. Für mich klingt das nicht gerade nach einem krönenden Abschluss meines Bachelorstudiums der Sozialwissenschaften.

Im Vergleich zu meinen Abi-Prüfungen, für die ich ewig gebüffelt habe und die große Auswirkungen auf meine Abiturnote hatten, erscheint mir die Bachelorarbeit geradezu unbedeutend. Auch die Suche nach einer Prüferin geht ziemlich fix. Sie stellt Themen zur Verfügung, ich kann mir eins aussuchen. So weit, so einfach. Nachdem ich meine Bachelorarbeit angemeldet habe, kann es losgehen. Zu diesem Zeitpunkt sehe ich mich gedanklich schon mit sortierten Bücherstapeln und Kaffee an meinem Schreibtisch sitzen. Tagsüber arbeiten, abends entspannen – so der Plan.

Hoch motiviert: In Phase 1 und 2 hat Nina nicht nur ihre Bachelorarbeit angemeldet, sondern auch schon Literatur beschafft und einen Zeitplan erstellt. Foto: Franson

Phase 2: 1+ mit Sternchen

Hoch motiviert stelle ich zu Beginn der acht Wochen hohe Ansprüche an mich selbst: Eine möglichst gute Note ist mein Ziel. Um das zu bewerkstelligen, beschaffe ich mir umfangreiche Literatur und erstelle bunte Mind-Maps. Auch einen Zeitplan mache ich, auf dem ich jeden Tag fein säuberlich plane – bis zum Ende meiner Arbeit würdige ich ihn allerdings keines Blickes mehr. Ich drücke mich zunehmend vor dem eigentlichen Schreiben. Der erste Satz will einfach nicht zustande kommen. Nach zwei Wochen habe ich erst eine Seite geschrieben.

Phase 3: Nachtaktiv

Ich habe mir immer gewünscht, zu den Menschen zu gehören, die morgens früh aufstehen und auf Knopfdruck produktiv sind. Stattdessen werden meine grauen Zellen erst nachts aktiv. So ist es leider auch bei der Bachelorarbeit.

Selbst wenn ich mich frühmorgens an den Schreibtisch gequält habe, bin ich einfach nicht produktiv. Irgendwann gebe ich auf und ende beim Seriengucken. Stunden später erschrecke ich jedes Mal, wenn ich auf die Uhr schaue, und ärgere mich über die vertane Zeit.

Erst gegen Mitternacht starte ich mit der Arbeit und komme so immerhin voran. Pro Nacht schreibe ich zwei Seiten und starre bis 4 Uhr früh mit geröteten Augen auf den flimmernden Bildschirm. Das passt zwar besser zu meinem Rhythmus, aber die Nachtschichten zehren an meinen Nerven.

Nachteule: In Phase 3 verschiebt sich Ninas Arbeitsrhythmus immer weiter nach hinten – rote Augen und Dauermüdigkeit inklusive. Foto: Samantha Franson

Phase 4: Das Motivationsloch

Nach vier Wochen macht sich die nächtliche Arbeit endgültig bemerkbar. Ich habe kaum Zeit, Freunde zu treffen und bin ständig müde. Dadurch, dass ich meine Bachelorarbeit in der vorlesungsfreien Zeit schreibe, treffe ich nicht einmal meine Kommilitonen.

Jeder Raum der Wohnung erinnert mich durch ein herumliegendes Buch an die Arbeit. Die ist nach über fünf Wochen gerade einmal zur Hälfte bewältigt – es bleiben nur knapp drei Wochen für den Rest. Auch nachts kommen keine neuen Seiten mehr zustande. Und der Zeitdruck wächst.

Um dem Motivationsloch zu entkommen, verbanne ich sämtliches Arbeitsmaterial für zwei Tage im Schrank. In dieser Zeit treffe ich mich mit Freunden, gehe raus und lenke mich ab. Danach habe ich neue Ideen und auch der Schreibfluss kommt wieder in Gang. Ich setze mir nachts ein zeitliches Limit: Länger als bis halb zwei wird nicht mehr gearbeitet.

Das funktioniert deutlich besser: Nach sieben Wochen steht endlich die Rohfassung meiner Arbeit.

So geht’s nicht weiter: Nina verbannt den Bücherstapel für einige Tage in den Schrank, um aus ihrem Motivationsloch zu kommen. Foto: Franson

Phase 5: Stolz auf mein Werk

Drei Tage nehme ich mir Zeit für die Überarbeitung meines Textes. Dieselben Worte immer wieder zu lesen, verlangt viel Konzentration. Eine Kommilitonin unterstützt mich dabei. Mit ihrer Hilfe gelingt es mir, die Feinheiten des Textes zu korrigieren. Am Ende möchte ich die Arbeit nur noch loswerden. Zwei Tage laufe ich zwischen verschiedenen Ämtern hin und her, lasse meine Arbeit drucken und mit Stempeln versehen. Unbedeutend erscheint mir die Bachelorarbeit längst nicht mehr.

Dafür habe ich zu viele mühevolle Stunden investiert. Als ich meine Unterschrift unter die Eigenständigkeitserklärung setze, bin ich aber doch stolz auf mich. Diese Seiten sind ganz alleine mein Werk. Mich immer wieder zu motivieren und mit Problemen allein klarzukommen – das waren die größten Herausforderungen.

Den Gedanken daran, dass die Masterarbeit etwa doppelt so lang sein wird, schiebe ich erst mal beiseite. Damit kann ich mich auch noch in zwei Jahren beschäftigen – und bis dahin habe ich sicher die optimale Arbeitsroutine gefunden.

Nina Hoffmann

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