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Hannover ist grau und öde? Warum diese Vorurteile nicht stimmen!

Hannover ist grau und öde? Warum diese Vorurteile nicht stimmen!

Vorurteil 1: Die hässliche Messestadt

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Zu spannenden Großstädten gehören spannende Großveranstaltungen. So zieht es jedes Jahr Tausende Besucher auf den Berliner „Karneval der Kulturen“, Nürnberg und Dresden locken mit hübschen Weihnachtsmärkten und die Kieler Woche mit einem bunten Programm an der Ostseepromenade. Und Hannover? Hannover hat Messen – fast jeden Monat eine.

Diese Veranstaltungen haben Schwurbelnamen, wie „EMO“, „Tire Technologie Expo“ oder „LIGNA“. Wie muss eine Stadt aussehen, die so etwas veranstaltet – und sich dann auch noch „Messestadt“ schimpft? Nicht-Hannoveraner könnten denken, dass die Innenstadt aus gigantischen Messehallen besteht, in der Menschen in Anzügen polierte Rollkoffer hinter sich her ziehen und Gabelstapler, die Material transportieren, durch die Fußgängerzone tuckern.

Wie schön kann Niedersachsens Hauptstadt schon sein, wenn sie der Messehauptstadt der Welt (die Fläche beträgt 496.000 qm) ist?

Foto: Herzog

Die Wahrheit:

Kaum ein Bewohner Hannovers setzt regelmäßig ein Bein auf das Messegelände. Denn: Abgeschiedener als der Ort der Expo 2000 kann ein Veranstaltungsgelände nicht liegen. Wer sich dort trotzdem als Hostess oder Nachtwächter sein Geld verdient, den erwarten eine kleine Odysee mit der Straßenbahn oder regelmäßige Staus auf dem Messeschnellweg. Die Besucher von CeBit und Co. (die mit den Anzügen und glänzenden Rollkoffern) trifft man trotzdem. Die irren verunsichert durch den Hauptbahnhof, die U-Bahn-Stationen am Kröpcke oder am Aegi und fragen sich mit Händen und Füßen zum abgelegenen Messegelände durch. Typische, kurz angebundene Antwort der Ureinwohner: „6 oder 8 bis zum Ende fahren.“ Gabelstapler werden übrigens nur selten in der Innenstadt gesichtet.

Vorurteil 2: Alles ist grau und verbaut

Foto: Wilde

Foto: Wilde

Grau, trist und zugepflastert – dieser Ruf eilt Hannover voraus. Ok, wer als Auswärtiger bei Nieselregen aus dem Bahnhof kommt oder in TV-Dokus Beiträge über die „Bauruine“ Ihme-Zentrum schaut, wird seinen Sommerurlaub wahrscheinlich nicht an der Leinemetropole buchen. Dass es hier grau und trist sein soll, dass können die meisten Einwohner jedoch nicht nachvollziehen, denn …

 

Foto: Rosin

Foto: Rosin

Die Wahrheit:

Fast schon provozierend blüht Hannover im Frühjahr wie kaum eine andere Großstadt. Das Neue Rathaus – nicht zu verwechseln mit einem Märchenschloss – verbindet die Innenstadt mit dem Maschsee und die Eilenriede, die sich durch die komplette Stadt zieht. Nicht ohne Stolz wird sie „größter Stadtwald Europas“ genannt. Wer mit dem Rad unterwegs ist, kann im Grünen entlang der Leine oder Ihme fahren.

Auch für Architektur-Nerds gibt es einiges zu sehen: Herabhängende Autos am Raschplatz, die wunderschöne Altstadt mit der Marktkirche und die prachtvollen Herrenhäuser Gärten an der Leibniz-Uni. Man muss in Hannover keinen mehrwöchigen Urlaub verbringen – aber ein paar Tage lohnen sich schon.

P.S.: Sollten Sie zwischen Hauptbahnhof und dem Kröpcke unterwegs sein: Ja, da kommt Musik aus dem Gulli.

Vorurteil 3: Hannoveraner sind unfreundlich und unpersönlich

Foto: Wilde

Foto: Wilde

Nicht selten wird Hannoveranern eine gewisse Unterkültheit vorgeworfen. Während diese Eigenschaft Hamburgern oder Kielern als sympathisch unterstellt wird, ist hier das Gegenteil der Fall. Kurz angebunden, stoffelig und kalt – so der allgemeine Tenor.

Foto: Link

Foto: Link

Die Warhheit:

Zugegeben, es soll Menschen mit heißblütigerem Temperament geben.  Doch so schlimm sind die Hannoveraner eigentlich gar nicht. Mit dem Herz am rechten Fleck kann man in der Stadt schnell Freunde finden. Nicht selten wird man in der Bahn in ein Gespräch verwickelt, und eine richtige hannoversche Kneipe verlässt man sicher nicht, ohne neue Kontakte geknüpft zu haben. Die Art ist direkt, nicht aufgesetzt und nicht schnöselig.  Trotz der rund 500 000 Einwohner spricht man auch vom „größten Dorf der Welt“ – ständig läuft man Bekannten über den Weg.

Vorurteil 4: Das perfekte Hochdeutsch

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Wenn beim Smalltalk mal über Hannover gesprochen wird, geht es immer um das Gleiche: Die Messen oder das perfekte Hochdeutsch. Angeblich soll in der niedersächsischen Landeshauptstadt das reinste Hochdeutsch in ganz Deutschland gesprochen werden.

 

Foto: facebook.com/bestjodels

Foto: facebook.com/bestjodels

Die Wahrheit:

Wer eine Deutsch-Erleuchtung erwartet, wird enttäuscht sein. Die Hannoveraner sprechen ein ganz normales Deutsch. Inklusive halb verschluckten Wörtern, schlechter Aussprache und einem Ä, das schön nordisch wie ein E ausgesprochen wird. Der Mythos des reinsten Hochdeutschs stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist mittlerweile längst überholt.

Wer genau über das Thema nachdenkt, könnte zu dem Schluss kommen, dass Hochdeutsch für Hannoveraner ein unfairer Nachteil ist: Während wir in Sachsen, Franken oder Bayern mit höchster Konzentration unserem Gesprächspartner folgen müssen, um das Gesagte ungefähr zu checken, versteht uns jeder.

Vorurteil 5: In Hannover ist nichts los

Foto: Wilde

Partyszene? Fehlanzeige! Sobald es in Hannover dunkel wird, werden auch die Bürgersteige hochgeklappt. Deswegen flüchten Einwohner nach Hamburg oder am besten gleich nach Berlin. Feste in Hannover sind mit Sicherheit genauso unscheinbar wie die Stadt selbst.

 

Foto: Droese

Foto: Droese

Die Wahrheit:

Die Hannoveraner lieben Feste. Zu jedem Anlass werden Zelte und Stände aufgestellt, und es wird Bier vom Fass gereicht und Live-Musik gespielt. Aus der Feierlaune entstanden unter anderem das größte Schützenfest der Welt und das drittgrößte Oktoberfest weltweit. Nur eins lieben sie mehr als Feste feiern: Feuerwerke! Deshalb wird einfach beides verbunden und zu jeder festlichen Gelegenheit, die sich bietet, knallt und leuchtet es bunt über den Dächern der Stadt. Und natürlich haben die Hannoveraner auch hier weitergedachte und feiern jedes Jahr den internationalen Feuerwerkswettbewerb.

Von Johanna Kruse

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

2 Kommentare

  1. Hmmmjaaa…
    Es stimmt. Hannover hat viel Grün. Natürlich bedeutet das in unseren Breiten auch, daß man etwa für 5 Monate im Jahr kahle Bäume und Büsche sieht. Zusammen mit der in großen Teilen katastrophalen Architekturlandschaft (ich meine da gar nicht so sehr das Ihme-Zentrum, sondern die überall rum stehenden 08/15 Bauten) und dem all zu häufig grauem Himmel, wirkt das dann schon etwas deprimierend.
    Die sog. „Altstadt“ wurde 1943-44 übrigens fast völlig ausgebombt. Das, was da heute steht, hat man entweder fast zu 100% neu gebaut oder von anderen Orten der weiteren Umgebung herangeschafft, damit es zumindest etwas nach alt aussieht.
    Die Marktkirche ist damals auch ausgebrannt und wurde mehr schlecht als recht wieder aufgebaut. Also auch kein Meisterwerk.
    Die Herrenhäuser Gärten sind in der Tat toll und werden leider viel zu schlecht vermarktet. Aber auch sie sind eher was für den Frühling und Sommer.
    Organisierte Besäufnisse haben wir in der Stadt allerdings zur Genüge. Die freie Club- und Musikszene ist hingegen schon sehr überschaubar. Für Leute die aus Westfalen, dem Harz oder der Heide hier her kommen, mag das schon ganz in Ordnung sein. Wer allerdings etwas internationale Erfahrung in der Richtung hat, der kann ein leichtes Gähnen manchmal nicht unterdrücken. Und das, was noch da ist, würden viele am liebsten auch noch beseitigen.
    Hinzu kommen dann noch Peinlichkeiten, wie der schmutzig-schwarze Sprengel Anbau oder die farblich dazu passenden neuen Stadtbahnen, bei denen die Verantwortlichen aber nicht müde werden, sich trotzdem selbst und gegenseitig dafür auf die Schulter zu klopfen.
    Also machen wir uns nichts vor. Viele, nicht alle aber viele, der Vorurteile über die Stadt stimmen. Hannover hat keine wirkliche Tradition als Großstadt. Es hat seine heutige Größe durch eine Reihe von Zufällen der Geschichte erreicht. Aber es wurde dadurch eher aufgebläht, als das wirkliche Substanz entstanden wäre.
    Insgesamt gilt deshalb gerade für Studenten, was vor einiger Zeit mal einer Fernsehmacherin vom ihrem Mentor geraten wurde: „Passen Sie auf, das Hannover nicht der Endpunkt ihrer Karriere wird.“

    Antworten
  2. Gebildete Menschen und die Oberschicht sprechen durchaus reines Hochdeutsch. Unverschämt zu behaupten, dem wär nicht so. Ihr dürft natürlich nicht bei irgendwelchen Asis mithören, die zufälligerweise auch gerade in Hannover leben.

    Ich persönlich spreche das reinste Hochdeutsch und bin immer wieder beschämt, wenn ich Leute in der Straßenbahn ihr „Gossig“ sprechen hören.

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