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My Baby: „Ich glaube an die heilende Wirkung von Tanz“

My Baby: „Ich glaube an die heilende Wirkung von Tanz“

Mit ihrem Album „Prehistoric Rhythm“ tourt die niederländisch-neuseeländische Band My Baby, bestehend aus Cato und Joost van Dyck und Daniel Johnston, derzeit durch Europa, am 30. Oktober spielt die Band in Hannover. Im Interview erzählt Sängerin Cato, wieso sie unbedingt tanzbare Musik machen will und was neuseeländische Festivals von europäischen unterscheidet.

Cato, ihr nennt eure Musik „Delta Trans Louisiana Dub Indie Funk“ – was ist das?

Es ist schwer, unsere Musik mit einem Wort zu beschreiben, also nennen wir immer viele Genres. Es ist ein verrückter Mix aus allem, was wir mögen. Bei „Delta Trans Louisiana Dub Indie Funk“ fragen die Leute: „Was ist das?“ Wenn ihr Interesse geweckt ist, ist das ein gutes Zeichen.

Wie hebt sich eure Musik von anderen Künstlern ab, die Stile wie Blues, Folk und Funk kombinieren?

Manche Menschen sagen, dass unsere Musik tatsächlich ein neuer Stil ist. Das ist ein großes Kompliment. Aber ich würde nicht sagen, dass es wirklich neu ist, weil wir so viele Einflüsse von Folkmusik der ganzen Welt darin haben. Aber die Tatsache, dass wir sehr tanzbar, mit vielen Instrumenten und ohne Computer spielen, macht es vielleicht ein bisschen neu.

Wie wichtig ist es euch, Clubmusik zu machen, zu der man tanzen kann?

Zuerst einmal: Es ist toll, dass es auch andere Musik gibt. Aber ich glaube an die heilende Wirkung von Bewegung und Tanz. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn Menschen zu deinem Konzert kommen und sich nach der Show befreit fühlen, bewegt – also wortwörtlich bewegt. Ich will gar keine andere Musik machen.

Eure Lieder könnten auch gut aus den Siebziegern kommen, das neue Album heißt „Prehistoric Rhythm“: Wie könnt ihr mit dieser Musik heutzutage noch Menschen erreichen?

Es ist in unserer DNS veranlagt, bestimmte Rhythmen zu erkennen und sich dazu zu bewegen. Das ist nicht mit einem bestimmten Zeitalter verbunden. Es ist einfach Menschsein. Das gilt für alle Epochen – egal, ob Elektro, Hippie in den Siebzigern, Grateful Dead oder Jimi Hendrix, ob jung oder alt, heute oder vor 50 Jahren.

Glaubst du, dass jetzt, wenn alles immer schneller wird und auf der ganzen Welt politische Krisen herrschen, dass gerade jetzt die Menschen Musik brauchen, die sie an die guten alten Zeiten erinnert? Wollt ihr diese Art von Musik machen?

Es gibt definitiv Menschen, die genau danach suchen. Auch junge Leute wollen vieles organischer machen, weil sie einfach erschöpft sind von all dieser Massenware. Und natürlich kann im Internet jeder seine eigenen Nischenmusik finden. Unsere Musik kann Teil dieser Bewegung sein. Die Leute wollen zurück zu warmen, analogen Sounds. All die Menschen, die Vintage lieben, mögen auch unsere Musik, glaube ich.

Dein Bruder Joost und du, ihr kommt aus den Niederlanden, Daniel aus Neuseeland. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Daniel hat einen holländischen Vater. Mit Anfang 20 kam er nach Amsterdam. Wir haben uns auf einem Festival getroffen, mein Bruder und Daniel haben zusammen Gitarre gespielt und hatten sofort eine musikalische Verbindung. Seitdem spielen wir zusammen, und wir haben ihn nie nach Neuseeland zurückgehen lassen. Aber seit fünf Jahren reisen wir jeden Winter zusammen nach Neuseeland.

Wie unterscheiden sich Konzerte und Festivals in Neuseeland von denen in Europa?

Die Reaktion auf die Musik ist eigentlich überall gleich. Aber in Neuseeland treten wenige Bands aus Europa auf. Die großen Acts kommen dorthin, für eine oder zwei Shows, vielleicht eine auf der Nordinsel, eine auf der Südinsel. Aber nicht viele Bands auf unserem Level spielen dort. Deswegen freuen sich die Leute, wenn wir kommen. Die Europäer sind das eher gewöhnt, stumpfen vielleicht sogar etwas ab. Es ist einfach normal. Aber in Neuseeland erkennen sie den langen Weg, den Musiker auf sich nehmen, um dort zu spielen – und sie zeigen ihre Anerkennung.

Ihr spielt bei vielen alternativen Festivals, aber auch bei Popfestivals. Wieso macht ihr beides?

Wir sind eher alternativ. Aber natürlich wollen wir auch vor einem breiteren Publikum spielen. Außerdem muss man bei einem Festival nicht alle Songs oder die Musik allgemein kennen, um sie zu verstehen und zu mögen. Deshalb können wir auch bei Popfestivals spielen. Klar gibt es Pop-Ikonen, bei denen jeder mitsingen kann – aber so muss Musik nicht sein. Musik ist eine Erfahrung, das ist viel wichtiger als bekannte Songs. Mehr und mehr Popfestivals verstehen das auch und holen Acts wie uns. Wir spielen auch gern bei Rockfestivals. Es ist schön, sich als Band in verschiedene Situationen einfügen zu können – und nicht in eine Box gesteckt zu werden.

Interview: Johanna Stein

Verlosung: ZiSH verlost bis Freitag, 27. Oktober, 13 Uhr auf www.facebook.com/ZishHAZ zweimal zwei Karten für das Konzert am 30. Oktober um 20 Uhr im Lux, Schwarzer Bär 2.

Über den Autor

Johanna Stein

Johanna (21) hat Journalistik in Hannover studiert. Viel lieber als öde Hausarbeiten schreibt sie das, was nah an den Menschen dran ist – Porträts, Reportagen, Glossen oder auch Berichte über die Straßenausbaubeitragssatzung. Keine Sorge, davon bleibt ihr hier aber verschont.

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