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So entscheidest du dich für das richtige Studienfach

So entscheidest du dich für das richtige Studienfach
Die Wahl des Studiengangs fällt vielen Abiturienten sehr schwer. Vier Studentinnen berichten, wie sie ihre Entscheidung gefällt haben. 


​Als ich vom Fußballtraining nach Hause komme, empfangen mich meine Eltern mit Käsespießen und einer Sektflasche. Als ich sie fragend anschaue, sagen sie: „Du wurdest für das duale Studium angenommen!“ Ich, die frischgebackene Abiturientin, bin gleichermaßen überrumpelt wie stolz. Dass ich mich durch ein vierstufiges Bewerbungsverfahren mit Onlinetests und Vorstellungsgespräch gequält hatte, war also nicht umsonst gewesen. Obwohl ich mich parallel für weitere Studiengänge beworben hatte, nahm mir diese Zusage die Entscheidung ab, was ich nach dem Abi mache: Ein dualer BWL-Bachelorstudiengang bei einem namhaften Konzern ist schließlich besonders begehrt. Dass ich eigentlich etwas Kreatives machen wollte, verdrängte ich.

Mit einem Einser-Abitur und hervorragenden Englischkenntnissen standen mir theoretisch viele Wege offen. Und wie viele andere tat ich mich mit der Entscheidung schwer. Am Ende entschied ich mich für den Weg mit der höchsten Hürde – schließlich wollte ich das Beste aus meinem Abi machen und das Ergebnis nicht vergeuden. Hätte es mit dem dualen Studium nicht geklappt, hätte ich mich wahrscheinlich für einen zulassungsbeschränkten Studiengang entschieden. Denn auch die Hochschulen in Hannover haben eine Handvoll Studiengänge, die hohe Anforderungen an die Bewerber stellen. Meist drückt sich das im Numerus clausus (NC) aus, also in der erforderlichen Abi-Note. 2017 lag sie für Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule bei 1,0, bei Biochemie an der Leibniz-Universität war ein Abi-Schnitt von 1,82 gefordert, bei Public Relations an der Hochschule Hannover lag der NC bei 1,8. Wenn man für solch einen begehrten Studiengang eine Zusage im Briefkasten hat, ist man natürlich euphorisiert. Jacqueline Hadasch

Mathe: Keine Angst vor Formeln

Hat Spaß am Mathestudium: Jasmin Krüger.

Heute weiß ich: Man sollte seine Entscheidung trotzdem noch einmal gründlich überdenken. Bloß weil etwas besonders begehrt ist, heißt das nicht, dass es auch gut zu einem passt. Schließlich gibt es auch genug spannende Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung. Wäre Passion statt Prestige damals mein Motto gewesen, wäre ich wohl bei Journalismus oder Kunst gelandet.

Obwohl ich nach einigen Semestern herausfand, dass ich vielleicht nicht den idealen Studiengang gewählt hatte, gab ich nicht auf. Als schreibbegeisterte BWL-Studentin begann ich, bei der Uni-Zeitung mitzuarbeiten. Schnell merkte ich: Meine kreative Ader lässt sich sehr wohl mit dem Studium kombinieren. Etwa, um für unschlüssige Abiturienten einen Artikel zu schreiben, wie ich ihn mir damals gewünscht hätte. Jacqueline Hadasch

Komplizierte Formeln und jede Menge Zahlen: Während viele Abiturienten froh sind, die verhasste Mathematik endlich hinter sich zu lassen, entschied sich Jasmin Krüger für ein Mathestudium an der Leibniz-Uni. Auch nach zwei Semestern hat sie diese Entscheidung nicht bereut. „Mathe hat mir schon in der Schulzeit Spaß gemacht – und daran hat sich nichts geändert“, sagt die 19-Jährige. Während andere erst einmal ins Ausland gingen, führte Jasmins Weg direkt in den Hörsaal. „Ich habe mich vor dem Studium mit alternativen Studiengängen befasst, die einen reinen Matheanteil besaßen“, berichtet Jasmin. „Am Ende wollte ich dann aber doch direkt Mathematik studieren.“

Die Aussicht, später an der Uni zu forschen oder auch ein breites Jobangebot in der freien Wirtschaft zu haben, fand sie spannend. Doch weit in die Zukunft denkt die Studentin noch nicht, denn bis zum letzten Semester stehen ihr noch viele stressige Klausurenphasen bevor.

„Das ist das Einzige, was mich an dem Studium etwas stört“, sagt Jasmin. „Die Klausuren liegen dicht beieinander, und auch die Hausübungszettel verlangen viel Zeit.“ Diese Zettel umfassen wöchentliche Übungsaufgaben, die die Studenten außerhalb der Vorlesungen erledigen müssen. „Auch wenn es zeitweise echt anstrengend ist, bin ich trotzdem immer wieder stolz, wenn ich eine schwierige Aufgabe ohne Hilfe löse.“ Nina Hoffmann

Sowi: Spaß am Analysieren

Führt Interviews zu Forschungszwecken: Sozialwissenschaftsstudentin Friederike Wünsch.

Wer Sozialwissenschaften – kurz Sowi – studiert, lernt nicht nur viele Theorien kennen, sondern auch Menschen. Im zweiten Semester befragte Friederike Wünsch Transgenderpersonen, also Menschen, die mit einem Geschlecht geboren werden, mit dem sie sich nicht identifizieren können, zu deren alltäglichen Problemen. „An das Forschungsprojekt denke ich immer noch gerne zurück“, erklärt die 25-Jährige, die mittlerweile im sechsten Semester Sozialwissenschaften studiert. „Die Menschen zu interviewen und das Gesagte auszuwerten hat Spaß gemacht.“

Friederike hatte sich an der Leibniz-Uni für das zulassungsbeschränkte Fach beworben, weil sie die Inhalte interessierten. So kam auch das Thema Geschlechtersoziologie vor, das ihr sehr wichtig ist. „Ich würde mich immer wieder für den Studiengang entscheiden“, sagt Friederike. „Schon alleine wegen des sehr unterstützenden Umgangs der Kommilitonen und Dozierenden.“ Man sollte auf jeden Fall Begeisterung für das Verfassen von schriftlichen Arbeiten und ein Forschungsinteresse mitbringen, rät Friederike.

Sie ist davon überzeugt, dass das Studium dank der Theorien gerade im Alltag hilfreich sein kann. „Man lernt, das Alltagsgeschehen deutlich analytischer zu betrachten“, sagt Friederike. Nina Hoffmann

Nanotechnologie: Klein, aber oho

Vielseitig interessiert: Nanotechnologiestudentin Jennifer Schäfer.

Ihr Studienfach fand Jennifer Schäfer nach dem Ausschlussverfahren: Sie nahm sich den dicken Studienführer vor und strich alles durch, was für sie nicht infrage kam. Übrig blieben Jura, die wirtschaftlichen Fächer und Nanotechnologie. Jennifer entschied sich schließlich für Letzteres. „Ich fand die Themen interessant und hatte in der Oberstufe auch schon das naturwissenschaftliche Profil gewählt“, erklärt sie. Dass der Studiengang keine Zulassungsbeschränkung hat, spielte für sie keine Rolle. Im Herbst steht für die 20-Jährige nun ihr fünftes Semester an.

Nanotechnologen erforschen und entwickeln technische Bauteile, die nur einige Nanometer groß sind. Dabei geht es aber nicht nur um Teilchen. So gibt es etwa Flüssigkeiten, die dank Nanotechnologie ein Handy-Display vor Schäden schützen können.

Die Themen von Jennifers Lernstoff sind breit gefächert und erstrecken sich über alle Natur- und Ingenieurswissenschaften. Das gefällt ihr am meisten am Studiengang. „Ich interessiere mich für viele Sachen – und bei Nanotechnologie komme ich mit vielem in Kontakt“, sagt sie.

Langweilig findet sie dagegen, dass sie auch viel Stoff lernen muss, der nichts direkt mit der Nanotechnologie zu tun hat. Anfangs beschäftigen sich die Studenten etwa auch mit den größeren Mikrotechnologien. In der Zukunft könnte sie sich vorstellen, in den medizinisch-technischen Bereich zu gehen. Aber genau weiß sie das noch nicht. „Ich habe ja noch ein Jahr bis zum Master“, sagt sie schmunzelnd.  Jeffrey Ji-Peng Li

Über den Autor

Karsten Röhrbein

Karsten leitet die ZiSH-Redaktion der HAZ. Hier im Blog kümmert er sich vor allem um die Koordination, Themenbesprechung und was sonst so anfällt.

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