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So kannst du dein Studium finanzieren

So kannst du dein Studium finanzieren

Stipendien: Förderung durch Leistung

Leonie gehört zu den 0,84 Prozent der Studenten, die in Deutschland durch das Deutschlandstipendium ​finanziell unterstützt werden. Die 18-Jährige studiert im ersten Semester Rechtswissenschaften an der Universität in Göttingen und erhält ein Jahr lang monatlich 300 Euro – wie ein Taschengeld vom Staat. Weil Leonie ein sehr gutes Abitur gemacht hat, rieten ihr ältere Studenten, sich einfach für das Stipendium zu bewerben. „Das ging relativ einfach und schnell“, sagt sie. So müssen nur ein paar Formulare online ausgefüllt und ein paar Unterlagen direkt an die Fakultät gesendet werden. 

Entscheidend sind nicht nur die Ergebnisse aus dem Studium oder das Abiturzeugnis, sondern auch soziales Engagement. Leonie konnte hier ein Sozialprojekt vorweisen, das sie in der Oberstufe absolviert hat. Dadurch, dass sie durch ihre Eltern zusätzlich ein wenig Unterstützung bekommt, gibt ihr das Stipendium die Freiheit, sich komplett auf ihr Studium zu konzentrieren. So muss sie keinen Nebenjob annehmen. 

Für Leonie ist das Stipendium aber vor allem auch eine Anerkennung für ihre Studienleistung: Die Auszeichnung hebt sie von anderen Studenten ab. Sie fühlt sich geehrt. Als Stipendiatin kommen aber auch Pflichten auf sie zu. So gibt es regelmäßige Stammtische oder Feste, an denen Leonies Teilnahme und die der anderen Stipendiaten gewünscht wird. Neben dem Deutschlandstipendium gibt es zahlreiche andere Stiftungen und private Stipendienprogramme. Wer sich dort bewerben will, sollte es einfach mal probieren. Bei Leonie hat es schließlich auch funktioniert.

Emma Schell

Jobs: Niemandem auf der Tasche liegen

Wenn Studentin Lena Sommer morgens aus dem Haus geht, führt ihr Weg meist nicht in die Uni, sondern direkt zu ihrem Job​. Die 28-jährige Lehramtsstudentin arbeitet 20 Stunden in der Woche in einer Reha-Praxis und betreut dort Patienten. „Ich finanziere mir damit mein Studium, denn ich möchte meinen Eltern nicht länger als nötig auf der Tasche liegen“, erklärt Lena. Neben dem Job in der Sporttherapie hat sie noch eine Stelle als studentische Hilfskraft. „Da kann ich aber von zu Hause arbeiten, weil ich mich um die Betreuung einer Website kümmere“, erzählt die Studentin. 

Lena arbeitet in zwei Jobs und verdient sich so das nötige Geld.

Deshalb könne sie sich dort die 30 Stunden monatlich flexibel einteilen. Zwei Jobs und ein Masterstudium – das kann ganz schön anstrengend sein. „Gerade wenn ich Klausuren oder Hausarbeiten schreiben muss, wird es manchmal stressig“, sagt Lena. Dann ist vor allem eine gute Zeitplanung wichtig, damit neben der Arbeit nicht das Studium zu kurz kommt. 

Bevor Lena ihr Lehramtsstudium begonnen hat, schloss sie bereits einen Bachelor in Sportwissenschaften ab. Deshalb bekommt sie jetzt auch kein BAföG mehr. „Mit BAföG hatte ich zwar mehr Zeit, aber dafür auch weniger Geld als jetzt“, erzählt die Studentin, die jetzt etwa 1000 Euro im Monat verdient. Von dem Job in der Reha bezahlt Lena ihre Miete und alles, was sie sonst zum Leben braucht. Der zweite Job ist ein kleiner, aber sehr guter Zuverdienst. „Dann kann ich mir auch mal ein bisschen Luxus gönnen und zum Beispiel in den Urlaub fahren“, sagt sie. 

Der muss nach Arbeitsstress und Uni-Aufwand auch sein.  

Anna Beckmann 

Eltern: Mama und Papa zahlen

Für Ulrike Hell ist es immer klar gewesen, dass ihre Eltern für ihr Studium aufkommen. ​Schon bei ihrer älteren Schwester ist es so gewesen – warum sollte es bei ihr anders sein? Richtig darüber geredet haben sie nie, das war allerdings auch nicht nötig. Aus früheren Gesprächen weiß sie, dass ihre Familie es selbstverständlich findet, wenn Eltern, solange sie finanziell dazu in der Lage sind, für die Ausbildung ihres Kindes aufkommen. Schließlich verdienen ihre Eltern als Gartenbau-Ingenieur und Ärztin nicht wenig. 

Ulrikes Rechnungen zahlen Mama und Papa.

Ihr Vater hat die Miete von 260 Euro für ihr WG-Zimmer in Frankfurt/Oder übernommen, wo Ulrike Kulturwissenschaften studiert. Ihren Semesterbeitrag von 250 Euro zahlt er auch. Zusätzlich überweist ihre Mutter ihr jeden Monat noch 400 Euro, von denen sie sich Essen, Klamotten und das ein oder andere Bier am Wochenende kauft. „Das ist ein großes Privileg“, sagt sie. Viele ihrer Freunde müssen neben dem Studium jobben oder sind von BAföG abhängig. Manchmal hat sie deswegen ein schlechtes Gewissen. 

Deshalb will sie sich im nächsten Semester einen Studentenjob suchen. Hätten ihre Eltern ihr 
WG-Zimmer nicht bezahlen können, wäre sie zu Hause in Hannover geblieben – und dort wird ihr gegenwärtiger Studiengang Kulturwissenschaften nicht angeboten. 

Ronja Wirts

Bafög: „Du Bafög-Reiche“

Wenn ich über die anstehenden Semesterbeiträge lamentiere, lachen meine Freunde nur und sagen: „Du als BAföG​-Reiche brauchst dich nicht beschweren.“ Klar, ein wenig haben sie recht. Meine Ausgangslage ist vergleichsweise luxuriös: 600 Euro bekomme ich monatlich überwiesen, dazu kommt mein Jobgehalt – und zurückzahlen muss ich nach dem Studium nicht mehr als 10 000 Euro. 

Sarah bekommt Bafög und muss nach dem Studium einen Teil zurückzahlen.

Doch als ich 2013 an die Uni kam, hatte ich noch keine Zeit, nebenbei zu arbeiten. Dann sind 600 Euro, die schon fast BAföG-Höchstsatz sind, nicht viel. Schließlich muss man davon nicht nur Miete und Essen zahlen, sondern auch die Semesterbeiträge von etwa 400 Euro pro Halbjahr. Das Geld musste ich mir in den ersten Semestern monatlich zur Seite legen – und daher oft auf Kino oder Cocktails mit meinen Kommilitonen verzichten. Denn als „BAföG-Reiche“ können die Eltern nicht finanziell einspringen. Sie haben selbst kaum Geld. Auch Ausflüge in der Studiengestaltung wie ein Semester länger kann ich mir nicht leisten: Wer über die Regelstudienzeit kommt, fliegt raus. 

Das ist gerade bei Studiengängen wie Mathematik, die nur wenige in der Regelzeit schaffen, bitter. BAföG ist zwar ein starres Finanzierungssystem. Doch ohne die Hilfe des Staates könnte ich mir heute keine Gedanken über ein Drittfach machen – ich wäre gar nicht an die Uni gekommen.

Sarah Seitz

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

1 Kommentar

  1. Ein wichtiger Baustein fehlt aus meiner Sicht: Das Jobben mit klarem Bezug zum Studienfach. Hier werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Es wird Geld verdient und gleichzeitig wächst die Praxiserfahrung, die ja sonst häufig beim Einstieg in das Berufsleben fehlt und zu Recht bemängelt werden.

    P.S.: Ich betreibe ein Nachhilfeinstitut: Mit Lehramtsstudenten und -Studentinnen als Nachhilfekräften machen wir in der Regel sehr gute Erfahrungen.

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