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So lernen Austauschschüler in Asien

So lernen Austauschschüler in Asien

Schule am anderen Ende der Welt: Auf ZiSH berichten vier Austauschschüler von ihren Erfahrungen, Disziplin und kulturellen Fettnäpfchen im fernen Asien.


Japan: Höfliches Dauerlächeln

Das Leben im trubeligen Tokio habe ich in meinem Auslandsjahr schnell lieben gelernt. Seine Bewohner hatten dagegen Schwierigkeiten, sich an mich zu gewöhnen. So verging kein Tag, ohne in der Bahn von alten Damen angestarrt zu werden oder Komplimente für meine „goldenen“ Haare zu bekommen, die in Deutschland wohl höchstens als dunkelblond durchgehen würden.

Wer daraufhin jedoch nur verdutzt dreinschaut, wird in Japan schnell als unfreundlich abgestempelt – besser ist es, einfach zu lächeln und sich damit an das wichtige Gebot der Höflichkeit zu halten.

Die ungewohnt starren Geschlechterrollen sind ebenfalls wahre Stolperfallen: Ist mein Rock nun zu kurz? Das meinten zumindest ein paar Mütter von Mitschülern, die mich darauf auch gleich ansprachen. Von meiner Gastmutter bekam ich zu hören, dass ich mich zu männlich verhalte, weil ich mich – wie zu Hause – gemütlich in einen Sessel gefläzt habe. Die Geschlechterrollen sind nach wie vor streng.

Wurde in Tokio oft für ihre Haarfarbe gelobt: Milena Gößler war für zehn Monate im Land der aufgehenden Sonne.

Wer Anpassungsprobleme hat, ist in Japan also an der falschen Adresse. Auch die immensen Leistungsansprüche von den Eltern und der Gesellschaft fesseln die Jugendlichen manchmal bis 22 Uhr an die Schulbänke der Nachhilfe-Institute. Das kann abschreckend wirken.

Als Austauschschüler muss man sich das jedoch nicht antun. Aber der Spaß bleibt auch in Japan nicht auf der Strecke: Trotz Leistungsdruck spielen die japanischen Schüler genauso gern Tic Tac Toe wie die deutschen.

Aufgezeichnet von Isa Begemann

Indien: Herzliche Gastfreundschaft

Die Schuluniform juckt und klebt mir auf der schweißnassen Haut. Ich bin müde und träge – doch das kommt nicht davon, dass ich um 5 Uhr aufgestanden bin wie meine indischen Mitschüler, die schon vor der Schule lernen. Ich bin träge, weil ich hier nicht selber denken muss. Die Schüler lernen keine Selbstständigkeit, sondern stumpf Fakten auswendig. Das gefällt mir in Deutschland besser: Wir dürfen selber denken und diskutieren.

Hier scheint das gesamte Leben meiner Mitschüler aus Schule zu bestehen. Als Austauschschülerin an der Privatschule bleibt mir das frühe Aufstehen und der Leistungsdruck erspart – auf meine Noten kommt es schließlich nicht an.

Weit weg von zu Hause und fantastisches Essen – das waren die Gründe, die mich in der zehnten Klasse nach Indien zogen. Ich wollte in die fremde Kultur eintauchen und mich selbst als Inderin fühlen.

Weit weg von zu Hause: Rixta Felgenhauer wollte sich als Inderin fühlen – doch es kam anders.

Als blonde, hellhäutige Frau war das fast unmöglich: Sonderbehandlungen und Aufmerksamkeit waren vorprogrammiert. Ständig wurde ich angesprochen, wurde mit Touristenpreisen über den Tisch gezogen und bekam falsche Schmeicheleien zu hören. Es war, als ob auf meiner Stirn geschrieben stand: Europäerin!

Trotzdem habe ich Freundschaften fürs Leben geschlossen und manchmal vergaß ich sogar, dass ich hellhäutig bin, bis mich neugierige Blicke wieder an mein Anderssein erinnerten. Die herzliche Gastfreundschaft hat das jedoch wieder wettgemacht.

Aufgezeichnet von Anna Neela Urban

China: Schlafen im Unterricht erlaubt

Wenn ich durch die Klasse gucke, sehe ich regelmäßig, dass einige meiner 35 Mitschüler den Kopf in ihre verschränkten Arme legen. Hier in Peking ist es ganz normal, dass Schüler im Unterricht schlafen. Die Lehrer wissen, wie viel Stress wir haben und unter was für einem Schlafmangel wir leiden. Deswegen schauen sie oft über das in Deutschland undenkbare Unterrichtsnickerchen hinweg.

Der Leistungsdruck ist hoch: Jeden Tag haben wir von 7.20 bis 18 Uhr Unterricht, danach geht es an die Hausaufgaben. Auch am Wochenende gibt es Kurse. Schlechtere Schüler werden nicht selten gehänselt – miese Noten passen nicht in das Bild der Chinesen. Letztendlich geht es darum, an einer der Top-Unis des Landes angenommen zu werden. Einige Schüler stehen so unter Stress, dass sie graue Haare bekommen. Trotz allem treffe ich mich am Wochenende manchmal mit Freunden.

Lernen, lernen, lernen: Der Schulalltag von Emilia Hestermann und ihren chinesischen Klassenkameraden war hart.

In China zu leben und zur Schule zu gehen, das war am Anfang hart – genauso wie das Chinesischlernen. Bei Ansagen und im Unterricht habe ich kaum etwas verstanden, trotz eines halben Jahrs Chinesisch-Unterricht in Deutschland.

Nach fünf Monaten klappt es schon besser. Wenn ich ein Buch auf Chinesisch lese und es gut verstehe, ist das für mich ein Highlight. Nach dem Essen ist in meiner Schule übrigens eine halbe Stunde Mittagsschlaf angesagt – und das sogar ganz legal.

Aufgezeichnet von Laura Baumbach

Mongolei: Deutsch in der Wüste

Ich lebe in der drittgrößten Stadt der Mongolei. Das klingt urban – ist es aber nicht. Im nördlich gelegenen Darkhan leben etwa 76 000 Menschen, damit ist die Stadt so groß wie Delmenhorst. Dafür ist die Landschaft etwas beeindruckender als in Niedersachsen: Von den riesigen mongolischen Sanddünen hat man einen gigantischen Ausblick über die Steppen der Wüste Gobi. Menschen gibt es dort kaum.

Das sieht an der Schule, an der ich als Freiwillige mit dem Dienst Kulturweit Deutschunterricht gebe, etwas anders aus: Auf sehr viele Schüler kommen nur wenige Lehrkäfte. Wegen des Lehrermangels bin ich stark eingebunden. Deutsch hat hier aufgrund der historischen Verbindung zwischen der ehemaligen DDR und der Mongolei einen hohen Stellenwert.

Deutsch am Ende der Welt: Vinita Ohm leistet ihren Freiwilligendienst in Darkhan, irgendwo im Norden der Mongolei.

In Darkhan assistiere ich mit drei weiteren Freiwilligen den Deutschlehrern. Auf Disziplin und Fleiß wird größten Wert gelegt. In der Mongolei ist Bildung äußerst wichtig. Wir Freiwilligen sind auch dafür verantwortlich, durch Projekte Ausgleichsmöglichkeiten für die Schüler zu schaffen.

Auch dabei sind die Kinder ex-trem ehrgeizig und stehen vor allem auf Wettbewerbe: Als wir vor Kurzem ein Kekswettessen veranstaltet haben, ging es den Schülern weniger darum, Gebäck zu vertilgen, als den Sieg zu erringen. Außergewöhnlich ist auch das Klima: Die Winter sind eiskalt – gerade sind es minus 30 Grad – im Sommer ist es dafür 25 Grad warm.

Aufgezeichnet von Abby Amoakuh

 

 

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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