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So naturnah ist ein FÖJ

So naturnah ist ein FÖJ

Babyhasen aufpäppeln oder Blumenkunde im Moor: Das Freiwillige Ökologische Jahr ist was für Naturliebhaber. Drei FÖJler berichten von ihrer Arbeit.


Vorsichtig schiebt Katharina Elsen ein langes Band mit Kugel hinab in ein schmales Rohr, das inmitten der dicht bewachsenen Umgebung völlig fehl am Platz wirkt. „Durch die Rohre können wir hier Wasserstandsmessungen durchführen“, erklärt sie, „sobald das Pendel auf das Wasser trifft, klingen die Schläge gegen das Rohr hohl.“

Seit im Toten Moor nahe dem Steinhuder Meer kein Torf mehr abgebaut wird, findet die Natur langsam wieder zu ihrem ökologischen Gleichgewicht zurück: Pflanzen beginnen zu blühen und die Tiere siedeln sich wieder im Moor an – und der Wasserstand steigt. Diesen Prozess zu begleiten ist wichtiger Bestandteil von Katharinas Arbeit, denn sie ist eine von 325 Jugendlichen, die in Niedersachsen ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolvieren.

Gartenarbeit und Blumenkunde

Bei ihrem Freiwilligendienst in der Ökologischen Schutzstation des Steinhuder Meers ist Katharina neben der Arbeit im Moor zuständig für die Gartenarbeit. Auch heute trägt sie eine robuste Gartenhose und Schuhe, denen man die Arbeit in Dreck und Erde deutlich ansieht. „Früher fand ich die Tiere spannender als die Pflanzen“, sagt Katharina. „Aber seitdem ich das FÖJ machen, fasziniert mich die Pflanzenwelt immer mehr.“

Katharina Elsen überprüft die Wasserstände im Toten Moor.  Foto Tim Schaarschmidt

Begeistert ist die FÖJlerin vor allem von der Entwicklung der Gewächse. „Man sät die Samen und kann dann genau beobachten, wie durch die eigene Arbeit eine gesunde und starke Pflanze wächst“, erklärt Katharina. „Einer Pflanze sieht man genau an, wenn man sie schlecht behandelt.“ Umso stolzer ist sie auf ihre umfangreiche Ernte. Im Garten hat sie Kräuter und Gemüsesorten wie Kartoffeln, Schalenerbsen und Zwiebeln angepflanzt.

Selbst Angebautes statt Nudeln

Während in anderen WGs gekaufte Nudeln mit Tomatensoße auf dem Tisch landen, versorgt Katharina ihre Wohngemeinschaft mit selbst gepflückten Früchten und Eiern aus dem hauseigenen Hühnerstall. Gemeinsam mit vier weiteren FÖJlern und Bundesfreiwilligendienstlern wohnt sie seit knapp acht Monaten in der Schutzstation: einem großen, renovierten Bauernhaus.

Wenn die 19-Jährige nicht gerade im Garten arbeitet, streift sie durch das Tote Moor, nimmt Wasserstandsproben oder fällt auch gelegentlich einen Baum. „Ich habe während meines FÖJs einen Motorsägenschein gemacht“, erklärt Katharina. „Wenn wir zum Beispiel Waldstücke so herrichten, dass wir bedrohten Tierarten einen passenden Lebensraum schaffen, muss auch mal ein Baum gefällt werden.“

„Zu sehen, wie ein krankes Tier wieder gesund wird, ist besonders schön“: Die 19-jährige Anna Sophie Papadopoulos macht ihr FÖJ im Nabu Artenschutz Zentrum.

„Zu sehen, wie ein krankes Tier wieder gesund wird, ist besonders schön“: Die 19-jährige Anna Sophie Papadopoulos macht ihr FÖJ im Nabu Artenschutz Zentrum.

Um die ökologische Arbeit besser kennenzulernen, ist Katharina extra von Trier (Rheinland-Pfalz) nach Winzlar gezogen. Der idyllische Stadtteil von Rehburg-Loccum nahe dem Steinhuder Meer zählt nur 1064 Einwohner. Nicht gerade der Wohnort, den junge Abiturienten für gewöhnlich anstreben.

„Anfangs wollte ich auf keinen Fall in ein kleines Kaff ziehen“, sagt Katharina lachend. „Aber irgendwie bin ich dann doch hier gelandet.“ Bereut hat sie den Umzug bisher nicht und einen Plan für die Zeit nach ihrem FÖJ hat sie auch schon. „Ich werde eine Ausbildung im botanischen Garten in Heidelberg machen“, erklärt sie. Auch ihre Lebensgewohnheiten haben sich geändert, seitdem sie das FÖJ macht: Sie isst kaum noch Fleisch und greift beim Einkaufen lieber zum Jutebeutel als zur Plastiktüte – die Natur ist ihr schließlich wichtig.

Tierschutz und Moorführungen

Auch die 19-jährige Anna Sophie Papadopoulos absolviert gerade ein FÖJ. „Im Nabu Artenschutz Zentrum übernehme ich einen Teil der Tierpflege, säubere Käfige oder bereite das Futter zu“, erklärt Anna. In dem Zentrum landen Tiere, die von Behörden beschlagnahmt wurden. Darunter zum Beispiel Reptilien oder Papageien. Aber auch unterentwickelte Hasenbabys und andere Jungtiere werden dort wieder aufgepäppelt und später ausgewildert.

„Zu sehen, wie ein krankes Tier wieder gesund und dann wieder freigelassen wird, ist besonders schön“, sagt Anna. Berührungsängste mit Schnäbeln und Krallen darf man bei ihrem FÖJ nicht haben. „Wir arbeiten viel mit Vögeln, und um die Greifvögel richtig festzuhalten, gibt es spezielle Griffe, die ich lernen musste“, erklärt Anna, die bei trotzdem schon ein paar Kratzer einstecken musste: „Letztens hatte ich einen Bluterguss und Bissspuren von einer Hausgans“, sagt sie „da habe ich die Gans einfach unterschätzt.“

„Kindern beizubringen, wie wichtig Umwelt ist, finde ich besonders wichtig“: Der 19-jährige Nicolas Pittroff (rechts) macht sein FÖJ im Moorinformationszentrum Mooriz in der Wedemark.

„Kindern beizubringen, wie wichtig Umwelt ist, finde ich besonders wichtig“: Der 19-jährige Nicolas Pittroff (rechts) macht sein FÖJ im Moorinformationszentrum Mooriz in der Wedemark.

Im Gegensatz zu Katharina und Anna übernimmt FÖJler Nicolas bei seiner Arbeit im Moorinformationszentrum Mooriz in der Wedemark überwiegend organisatorische Aufgaben. Der 19-Jährige führt zum Beispiel Telefonate oder erstellt Veranstaltungslisten. „Ich erledige eben alles, was gerade so ansteht“, erklärt er.

Wenn Nicolas nicht am Schreibtisch sitzt, gibt er Kinder-, Schul- und Seniorengruppen Führungen durch das Moor. „Kindern beizubringen, wie wichtig Umwelt ist, ist mir besonders wichtig“, erklärt er.

Nina Hoffmann und Emma Schell


Das ist das Freiwillige Ökologische Jahr

1986 wurde das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) vor dem Hintergrund etlicher Naturkatastrophen – wie etwa der Reaktorunfall in Tschernobyl – geschaffen. Es soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die Umwelt zu schärfen und das gesellschaftspolitische Engagement zu fördern.

Mindestens 16 Jahre müssen und höchstens 25 Jahre alt dürfen Bewerber in Niedersachsen sein. Neun Jahre muss eine allgemeinbildende Schule besucht werden.

Fünf Seminare müssen FÖJler zum Thema Natur und Umwelt während des freiwilligen Jahres belegen.

325 Plätze gibt es jährlich in Niedersachsen in über 210 Einsatzstellen. Ein FÖJ kann etwa in Nationalparkhäusern, Naturschutzverbänden oder im Sportverein absolviert werden.

Bis zu 300 Euro Taschengeld bekommen die Freiwilligen im Monat – je nachdem, ob Verpflegung und Unterkunft gegeben sind.

Emma Schell

Über den Autor

Karsten Röhrbein

Karsten leitet die ZiSH-Redaktion der HAZ. Hier im Blog kümmert er sich vor allem um die Koordination, Themenbesprechung und was sonst so anfällt.

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