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Stimmen die Klischees in der Campus-App Jodel?

"Es jodeln mehr Mannis, als man denkt"

Stadtbahnfahrerin Annika (25)
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Bei Jodel wird gelobt und gelästert. Oft sind Jurastudenten, Erstis,  Backpacker und Stadtbahnfahrer Thema. Wir haben Betroffene gefragt, was sie von den Stereotypen wie Schnösel-Jurastudent Justus-Aurelius, Ersti Johannes, Backpackerin Lisa und Bahnfahrer Manni halten – und ob die Klischees stimmen.


Die Straßenbahnfahrerin: „Mannis
 jagen keine Rekorde“

Wenn ein Stadtbahnfahrer seine Sicht aus der Fahrerkabine jodelt, kommt das bei den Nutzern der App gut an. „Manni“ werden Stadtbahnfahrerinnen wie ich dort genannt. Bei Jodel sind wir echte Kultfiguren. Doch Heldentum in allen Ehren: Entgegen dem Klischee bin ich auf der Strecke weder auf Bestzeitjagd noch eine Karma-Farmerin – mir geht es nicht darum, ob viele Studenten meine Jodel-Posts gut finden. Lustige Ansagen über Mikrofon bescheren zwar Upvotes, aber der Beruf steht für mich im Vordergrund.

Manchmal überlege ich trotzdem, ob gerade auch über mich gejodelt wird. In jedem Fall bin ich stolz darauf, dass wir von den Studenten so wertgeschätzt werden. Tagsüber an der Uni oder abends am Kröpcke nehmen junge Leute uns bewusst wahr. Und: Es jodeln mehr Mannis, als man denkt. Viele möchten unter Kollegen und in der Community anonym bleiben. Nur mit Freunden oder meinem Mann unterhalte ich mich mal über Jodel – die sind nämlich alle Mannis.

Aufgezeichnet von Lea Stratmann

Die Jurastudentin: „Nicht alle sind reich“

Justus-Aurelius fährt mit dem Porsche zur Uni und bastelt sich Papierflieger aus Geldscheinen. In echt gibt es den schnöseligen Jurastudenten nicht – aber in seinem Namen werden solche Aussagen in der App Jodel gepostet. Mit meiner Realität hat das nichts zu tun. Ich studiere zwar Jura, bin aber nicht reich. Wie viele meiner Freunde bekomme ich BaföG und gehe zu Fuß zur Uni, statt Porsche zu fahren. Die wenigsten in meinem Studiengang sind so reich und eitel, wie Klischee-Student Justus-Aurelius es erscheinen lässt.

Ich gehöre auch nicht zu den Juristen, in deren Familien es seit fünf Generationen Anwälte gibt. Die gibt es in unserem Studiengang aber wirklich. Besonders zu Studienbeginn kommen sie im Anzug zu den Vorlesungen. Die teure Gesetzessammlung tragen sie von Anfang an in ihrer Tasche durch die Uni, obwohl sie erst in höheren Semestern gebraucht wird. Sie verkörpern Justus-Aurelius also schon ein bisschen.

Aufgezeichnet von Tamy Beyeler

Die Backpackerin: „Einige Klischees stimmen“

Nach dem Abi hatte ich keinen Plan, was ich studieren wollte. Also entschied ich mich für sieben Monate Australienreise. Ohne Papis Geld – anders als „Lisa“ von Jodel. In ihrem Namen posten die Nutzer der App typische Sätze von jungen Australien-Backpackern. Lisa hält ihre Reise für besonders individuell, Deutsch sprechen ist für sie nach ein paar Monaten in Down Under ganz ungewohnt, und Filme kann sie nur noch in englischer Originalfassung ertragen.

Ich habe in Australien viele Backpacker wie Lisa getroffen. Es hat mich aber kaum gestört. Schließlich waren dort noch andere Reisende aus ganz Europa, mit denen ich mich gut verstanden habe. Über die Beliebigkeit eines Australien-Trips machen sich nicht nur Jodeler lustig. Erzähle ich von Australien, sage ich direkt: „Ja, da war jeder, aber es war toll.“ Manchmal habe ich den Wunsch, das den Leuten hinter den Jodel-Posts ebenfalls zu erklären. Wobei: Filme schaue ich jetzt wie Lisa am liebsten auf Englisch.

Aufgezeichnet von Clara Hellner

Der Ersti: „Nicht alle Erstis 
sind Streber“

Seit dem Wintersemester studiere ich an der Leibniz-Uni. Bei Jodel wird viel über Erstis gelacht – und ich lache mit. „Zusätzlich zu meiner Mitschrift nehme ich die Vorlesung lieber noch als Audiodatei auf. Nachher habe ich noch vergessen, etwas aufzuschreiben.“ Solche Sprüche posten Jodler im Namen von Erstis wie „Sebastian“ oder „Johannes“, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Sie verkörpern aber die strebsamen und naiven Studienanfänger.

Die Streber-Klischees kann ich nicht bestätigen. Ich bin eher faul, wenn es ums Mitschreiben oder Lernen geht. Strebsame Erstis kenne ich aber. Sie verpassen keine Vorlesung und versuchen auch mich dazu zu motivieren – und nicht noch länger im Bett zu bleiben.

Aufgezeichnet von Tamy Beyeler

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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