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Stray Mood im Interview: „Wir leben in einer sehr egoistischen Welt“

Stray Mood im Interview: „Wir leben in einer sehr egoistischen Welt“

Nicht nur über Freiheit singen, sondern sie auch leben, das ist der in Hannover gegründeten Band „Stray Mood“wichtig. Die fünf Jungs leben mittlerweile in Berlin und spielen ihren poppigen Siebziger-Jahre-Rock nicht nur in der Fußgängerzone, sondern auch in Clubs. Im Interview spricht Sänger Simon Peters über Straßenmusik und Egoismus.


Simon, am 6. Oktober spielt ihr im Lux. In Hannover beginnt die Geschichte eurer Band. Was hat die Stadt, was Berlin nicht hat?

Unsere ersten Fans. Wir haben in Hannover begonnen, eine Mischung aus Konzerten und Straßenmusik zu spielen – auch draußen mit Bass, Verstärkern und allem was dazu gehört. Es gibt nicht viele Straßenmusiker, die das machen. Du sieht in Hannover einzelne Musiker, aber ganze Bands, die in der City oder am Maschsee spielen, siehst du nicht. Deshalb sind wir hier bekannt.

Wie ist denn der Alltag als Straßenmusiker?

Wir treten vier Tage die Woche als Straßenmusiker in Berlin auf, spielen aber auch Konzerte in Clubs. Je nachdem, wie viele Leute kommen, verdient man zwischen 400 und 1000 Euro. Also nicht genug, um davon leben zu können. Die Hauptschwierigkeit bei Straßenmusik ist, dass es in Deutschland komplett verboten ist, in der Öffentlichkeit verstärkt Musik zu machen. Irgendwann hat man dann keinen Bock mehr auf den Stress. In Berlin haben wir mal 700 Euro Strafe gezahlt, weil ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes uns erwischt hat. Du machst Straßenmusik und wirst wie ein Krimineller behandelt. Straßenmusik werden meine Bandkollegen und ich deshalb nicht mehr lange mitmachen.

In vielen eurer Songs geht es um den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Ist das auch ein Appell an eure Fans?
Es ist schon wichtig, die Kraft und den Mut zu finden, für seine Träume einzustehen und sie wirklich umzusetzen. Aber es geht nicht nur um die eigenen Träume, sondern auch darum, seinen Blick auf den Rest der Gesellschaft zu richten und nicht nur auf sich. Gleichzeitig leben wir aber auch in einer Gesellschaft, wo viele in erster Linie nur an sich selbst denken – einer Gesellschaft, in der es vielen Menschen schlecht geht und die Meisten merken davon gar nichts.

Wenn es tatsächlich so ist, wie du sagst, und viele nur auf sich schauen: Was hält die Menschen dann trotzdem davon ab, ihre Träume wahr werden zu lassen?

Unsere Gesellschaft prägt einen darauf, dass man Wert auf Statussymbole, ein geregeltes Einkommen und eine gewisse Sicherheit legt. Ich war drei Monate in Südamerika und mit den Leuten vom Land, den Coca-Bauern, unterwegs. Sie wirkten sehr glücklich unter einfachsten Bedingungen. Hier haben die Menschen mehr Geld und den größeren Komfort. Damit sind sie aber nicht unbedingt glücklicher.

Hattest du nie Zweifel, ob es für dich richtig ist, Musik zu machen?

Klar, ich habe auch viel gezweifelt. Ich habe ja mit Fotojournalistik etwas ganz Anderes studiert. Mit Musik Geld zu verdienen ist eine unsichere Sache und bietet einem kein geregeltes Einkommen. Wir machen Musik seit fünf Jahren und haben unser erstes Album, was 2014 rauskam, komplett über Straßenmusik finanziert – hat also geklappt. Man tendiert dazu, den sicheren Weg zu gehen statt dem erfüllenden und spannenden Weg.

Was ist euer Ziel für die nächste Jahre?

Als Band mindestens auf nationalem Niveau bekannt zu werden, um von der Musik und Konzerten leben zu können.

Verliert man mit dem Erfolg nicht auch an Freiheit?

Ich weiß es nicht, das wird sich zeigen. Bestimmt ein bisschen. Bei vielen Künstlern merkt man, dass bei denen in die künstlerische Tätigkeit eingegriffen wird. Dann wird vom Label oder Management eine gewisse Linie vorgegeben. Wir sind aktuell allerdings komplett frei und keiner redet uns rein.

Interview: Karthiga Manivannan

Verlosung

Am 6. Oktober spielt Stray Mood um 20 Uhr im Lux, Schwarzer Bär 2, Eintritt 10 Euro. Unter www.facebook.com/ZishHAZ verlost ZiSH bis um 14 Uhr am Freitag, den 6. Oktober, dreimal zwei Tickets. Die Gewinner werden via Privatnachricht benachrichtigt.

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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