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Und wofür büffelt ihr gerade?

Und wofür büffelt ihr gerade?

„Zwei Monate Semesterferien? Du hast ja ein Leben!“ Diese Sätze hat beinahe jeder Student schon einmal gehört – dabei hat die vorlesungsfreie Zeit an der Uni mit Rumhängen, Netflix-Schauen und Ausschlafen jedoch wenig zu tun. Ganz im Gegenteil: Hausarbeiten müssen geschrieben werden und für Klausuren wird gebüffelt. Wir haben am Ort des Geschehens, der Technischen Informationsbibliothek an der Leibniz-Universität in Hannover, einmal nachgefragt, was die Studenten gerade machen.

 

Nicht nur für den  Beruf, sondern auch für das Leben lernen

Maryna studiert Tiermedizin im siebten Semester. Nachdem sie gerade erst aus ihrem Ukraine-Urlaub wieder zurückgekehrt ist, bereitet sie sich nun intensiv für die nächste Klausur zum Thema Futtermittel vor. Dabei geht es um die Futtermittelerkennung, Herstellung und die Gestaltung verschiedener Rationen je nach Leistung oder Diät verschiedener Tierarten. „Es gibt so viele Krankheitsfälle, die mit dem Futter verbunden sind. Außerdem habe ich selbst ein Pferd und einen Hund, weshalb ich mich auch privat mit dem Thema täglich beschäftige. Jetzt kann ich aus wissenschaftlicher Sicht sogar noch etwas dazulernen – und lerne somit nicht nur für den Beruf, sondern auch für das Leben.“ Maryna will Fachtierärztin für Chirurgie werden. Dafür muss sie sich noch weiter in Richtung Chirurgie spezialisieren. In der Ukraine, ihrer Heimat, wird sie hingegen schon fast wie eine richtige Tierärztin behandelt und wird gerufen, wenn die Tiere ihrer Verwandten Hilfe brauchen. Für die anstehende Klausur hat sich Maryna einen Zwei-Wochen-Plan aufgestellt. „Das ist ein bisschen eng, aber man will in der vorlesungsfreien Zeit auch mal was anderes machen, ein bisschen Ferien haben.“

 

Während der Klausurenphase nur noch in der Bib

Ursprünglich wollte Shirin etwas Medizinisch-Technisches machen. Ihr Interesse für die Physik hat sie letztendlich zu einem Nanotechnologie-Studium geführt. Schon bald startet sie mit ihrer Masterarbeit, doch vorab steht noch eine letzte Klausurenphase an. Für diese Zeit verbringt sie ihre Tage grundsätzlich in der Bib. Speziell geht es in der nächsten Prüfung um die Technologie integrierter Bauelemente – ein Thema, das ihr liegt. „Es gibt viele Fächer, wo ich denke ‚Wann ist dieses Fach endlich vorbei?‘, aber es gibt auch andere, in denen ich es toll finde, dass man verschiedene Sachen verknüpfen kann und die vielen Zusammenhänge erkennt.“ Hat sie dann doch einmal ein paar Stunden für sich, spielt Shirin oft am Klavier oder auf der Viola. Schon zur Schulzeit hat sie im Orchester gespielt, doch auch heute tritt sie ab und zu noch musikalisch auf. Letztendlich soll es aber ein Hobby bleiben. „Wenn ich durch Auftritte ein Nebengehalt dazuverdienen kann, ist das wunderschön, aber man hat nicht den Druck beim musikalischen Ausdruck. Das ist sehr wichtig, weil man dann die Emotionen besser reinbringen kann.“

 

Das Ziel vor Augen

Für das Bau- und Umweltingenieurwesen stehen die Klausuren in der vorlesungsfreien Zeit erst relativ spät an. Timo befindet sich nun im siebten Semester und bereitet sich schon seit gut vier Wochen vor. „Es ist schon anstrengend zu lernen, aber ich weiß, dass es für den Beruf später wichtig ist. Deshalb macht es mir auch Spaß.“ Seinen Master will er auch noch machen, aber im nächsten Semester steht erst einmal seine Projektarbeit an. Ein Thema hat Timo auch schon gefunden: „Da geht es um die Materialeinwirkung auf belastete Balken. Das darf ich dann numerisch implementieren. Das ist genau das, was ich gerade für die Klausur lerne.“ Bevor er dann also direkt weitermachen kann, fährt er für ein bis zwei Wochen nach Osnabrück, um etwas Zeit mit seinen Eltern zu verbringen – und Kraft zu tanken.

 

Klausurthema zum Berufswunsch ausgewählt

Alexander studiert im zweiten Mastersemester Wirtschaftsingenieurwesen. Seine nächste Klausur handelt vom modernen Automobilkarosseriebau. Das Thema  hat er sich selbst ausgesucht, weil ihn der Automobilbau sehr interessiert. Neben seinem Studium arbeitet er als Werkstudent beim Kunststoffhersteller Benecke-Kaliko in der Produktion. Dort sieht er seine berufliche Zukunft, vor allem aber im Bereich der Automobilzulieferung. Viel Freizeit bleibt ihm zwar nicht, aber dennoch nimmt er sich zumindest die Wochenenden frei, um Zeit mit seiner Freundin zu verbringen und ab und zu Volleyball zu spielen. „Vorlesungsfreie Zeit ist bei mir eher Klausurenzeit. Da bleibt nicht viel Freizeit. Dafür ist es während des Semesters aber entspannter.“

 

Klausuren in der Fremdsprache Deutsch

Han studiert Mechatronik im ersten Semester. Seit letztem September befindet er sich nun schon in Hannover. Als er aus China nach Deutschland kam, hat es ihn zunächst nach Heidelberg geführt, wo er Deutschunterricht nahm. Aktuell lernt er für seine letzte Klausur, die sich um das digitale Justieren dreht – sein Lieblingsthema ist jedoch die Mathematik. Allgemein bereitet ihm das Studium wenig Probleme. Zudem gibt es große Hilfe, wenn man aufgrund von Sprachschwierigkeiten die richtigen Bücher ausleihen muss. Genauso geht es der Erstsemestlerin Elide, die für ihr Bauingenieurwesenstudium aus Süditalien nach Hannover gekommen ist. Sie sucht gerade Baustoffkunde-Bücher, die sie zum Lernen benötigt. „Ich brauche das, damit ich die spezifischen Worte auf Deutsch besser erklären kann und nicht nur die Konzepte verstehe.“ Als Ausländerin findet sie das Gebiet der Baustoffkunde aufgrund der vielen Spezialbegriffe weitaus schwerer als Physik oder Baumechanik. Auf sich allein gestellt ist sie in Hannover nicht. Auch ihr Bruder studiert hier, mit dem sie zusammen wohnt. Und demnächst geht es für Elide auch wieder zurück in die Heimat. „Ich fahre in zwei Wochen zurück nach Italien und bleibe dort einen Monat für die Semesterferien. Danach bin ich bis Oktober wieder hier in Hannover.“

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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