Advertisement

Select Page

Wann und warum sich Praktika lohnen

Wann und warum sich Praktika lohnen

Nur Kaffee kochen oder richtig was lernen: Berufserfolgsforscher Gregor Fabian erklärt, wann und wo Praktika sinnvoll sind – und warum erfolgreiche Absolventen keine Praktika mehr machen sollten.


Herr Fabian, es gibt das Klischee des Geisteswissenschaftlers, der Taxifahrer wird. Sie haben sich mit dem Berufserfolg von Menschen mit einem Studienabschluss beschäftigt. Was ist dran? Der Praxis hält das Klischee nicht stand. Die Suche nach einer Anstellung dauert bei Geisteswissenschaftlern häufig länger. Das Gros der Absolventen findet aber, unabhängig von der Fachrichtung, langfristig einen zufriedenstellenden Beruf.

Wie wichtig sind Praktika, um nach dem Studium im Berufsleben anzukommen? Viele Arbeitgeber suchen Absolventen mit Berufserfahrung. Praktika sind ein Weg, diese zu erlangen. Unsere Forschungsergebnisse zeigen außerdem, dass mehr als 60 Prozent der Bachelorabsolventen während des Studiums ein Pflichtpraktikum absolvieren mussten. Der Effekt solcher Praktika bei der Jobsuche ist allerdings eher mäßig.

Warum?

Wenn es viele Absolventen gibt, die solche Praktika absolviert haben, sind sie kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Freiwillige Praktika sind eine gute Alternative, wenn sie fachspezifisch ausgewählt wurden. Mit einem freiwilligen Praktikum sendet man immer das Signal, dass man selbst die Initiative ergriffen hat.

Was ist von jemandem zu halten, der mehrere Praktika in ganz unterschiedlichen Bereichen gemacht hat?

Das ist schwer zu pauschalisieren und betrifft nur eine kleine Gruppe von Studierenden. Es kann der Eindruck entstehen, dass mehr eine Orientierungslosigkeit als der Wille zur Orientierung vorhanden ist.

Ist es eher sinnvoll, in einem großen oder in einem kleinen Unternehmen zu hospitieren?

Beides kann ein Vorteil sein. Viele große Unternehmen bauen Praktikaabteilungen auf, um Nachwuchs zu finden. In mittleren und kleinen Unternehmen kann es dafür eine stärkere inhaltliche Einbindung geben.

Wann ist überhaupt der richtige Zeitpunkt für ein Praktikum?

Zuerst einmal: Mit einem abgeschlossenen Studium sollte man eigentlich kein Praktikum mehr machen. Dass erfolgreiche Absolventen unter- oder unbezahlte Stellen annehmen sollen, damit habe ich so meine Probleme. Sinnvoll kann eine Praxisphase zum Beispiel zwischen Bachelor- und Masterstudiengang sein. Während des Studiums lernen Studierende schließlich verschiedene Schwerpunkte kennen. Mit einem Praktikum können sie Anknüpfungspunkte in der Praxis umsetzen und eigene Ideen testen.

Wie meinen Sie das?

Man kann testen, ob die Idee in die Wirklichkeit passt. Und dabei ausloten, was überhaupt die eigenen Vorstellungen, Wünsche und Ziele bezüglich der Berufstätigkeit sind. Die persönlichen Interessen sollte der Studierende nicht aus den Augen verlieren. Das Arbeitsleben ändert sich stetig. Vielleicht gibt es den eigenen Beruf noch gar nicht.

Wenn man nach dem Studium nicht gleich eine Anstellung findet – lohnt sich dann ein Praktikum, um die Lücke im Lebenslauf zu überbrücken?

Nein. Ich denke, diese lückenlosen Lebensläufe sind eher etwas Theoretisches. In der Regel passiert aber immer etwas und das muss nicht immer studien- oder berufsbezogen sein. Wenn sich jemand im sozialen oder kulturellen Bereich engagiert, sehe ich das nicht als Lücke, sondern als Verknüpfung von zwei Lebensbereichen.

Interview: Sarah Franke


Auch viele Promis haben einmal klein angefangen. Von Carolin Kebekus bis Bushido: Diese Stars waren einmal Praktikanten. Hier geht’s zur Galerie.

 

Über den Autor

Sarah Franke

Sarah (23) studiert Journalistik. Ihre liebste Textart steht allerdings nicht auf dem Lehrplan: Essays, die genauso gefühlig wie die Deutschpopsongs sind, die sie auf dem Weg zur Hochschule hört.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Videos

Lade...

Aktuelle News