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Warum das Warten auf die Uni-Zusage so ätzend ist

Warum das Warten auf die Uni-Zusage so ätzend ist

Mit Bauchschmerzen zum Briefkasten: Unsere Autorin wartet auf eine Zusage für ihr Masterstudium. Die Plätze sind rar. Und die Ungewissheit zerrt an den Nerven.


Sobald ich vom Fenster aus den davonradelnden Postboten entdecke, spurte ich das Treppenhaus hinunter. Die letzten Stufen springe ich in einem Satz hinab, bis ich vor dem Briefkasten zum Stehen komme. Schwungvoll drehe ich den Schlüssel im Schloss – und werde schon wieder enttäuscht: Statt eines Zulassungsbescheids der Leibniz-Uni finde ich lediglich einen Flyer des neuen Pizza­lieferanten.

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie ich vier Wochen lang auf meine Zusage für mein Bachelorstudium gewartet habe. Jeden Tag bin ich mit einem unangenehmen Kribbeln im Bauch zum Briefkasten gelaufen. Als die Zusage dann endlich da war, war das eine Erlösung von der ständigen inneren Unruhe. Den Platz an meiner Wunsch-Uni hatte ich sicher.

Heute, drei Jahre später, stehe ich ähnlich wie viele andere angehende Studenten erneut vor der Entscheidung, in welcher Stadt ich mein Studium mit einem Master fortsetzen soll. Dabei fälle ich die Entscheidung ja eigentlich gar nicht selbst – sondern das Auswahlverfahren der Universität. Und das dauert.

Dem System ausgeliefert

Viel tun kann ich nicht: Meine Bachelornote steht fest. Und so bleibt mir und einem Großteil der anderen Bewerber nichts anderes übrig, als mich erneut an möglichst vielen Universitäten für Masterstudiengänge zu bewerben. Denn die Garantie auf einen Studienplatz an der Leibniz-Uni habe ich nicht. Mit jedem zusätzlichen Bewerber auf einen Masterplatz der Soziologie sinken meine Chancen, in Hannover bleiben zu können. Im Wintersemester 2017/18 haben sich etwa 21 946 Personen auf Studienplätze beworben. Lediglich 3931 der Bewerber wurden angenommen. Auch wenn mein angestrebtes Soziologiestudium nicht zu den beliebtesten Mastern der Leibniz Universität zählt, wie etwa die Wirtschaftswissenschaften mit 1799 Bewerbungen oder die Rechtswissenschaften mit 1633 Bewerbungen, kann ich mir nicht sicher sein, einen Studienplatz zu erhalten.

Meine Zukunftsplanung für die nächsten zwei Jahre muss ich also bis zum Erhalt eines Zulassungs- oder Ablehnungsbescheides aufschieben. Das nervt! Nicht einmal die Zulassungsnoten des letzten Master-Jahrgangs kann ich einsehen, um die Wahrscheinlichkeit einschätzen zu können, eine Zusage zu bekommen. Bei meinem Bachelorstudiengang der Sozialwissenschaften war das anders: Die Leibniz-Universität listet auf ihrer Website die NC-Werte der Bachelor-Zulassungen auf. So konnte ich meine Chancen auf einen Studienplatz  immerhin grob einordnen. Umso größer ist mein Bangen um einen Masterplatz. Ob meine Bachelornote für einen der lediglich 25 Masterplätze ausreicht, kann ich nicht einschätzen.

Schon wieder umziehen?!

Dass ich einen der wenigen Plätze ergattern möchte, liegt besonders daran, dass ich Hannover mit der Zeit lieben gelernt habe. Noch vor drei Jahren war die Entscheidung, an der Leibniz-Universität zu studieren,  eine Kompromisslösung, um in der Nähe meines damaligen Freundes zu studieren. Nach sechs Semestern hat sich das geändert und ich kann mir nicht mehr vorstellen, in einer anderen Stadt zu studieren. Mit Freunden im Georgengarten zu sitzen oder am Leineufer entlangzuspazieren, kann ich aus meinem Alltag nicht mehr wegdenken. Auch die Uni ist mir mittlerweile sehr vertraut und ich irre nicht mehr zwischen den einzelnen Uni-Gebäuden hin und her. Habe ich im Studium Schwierigkeiten, weiß ich, wen ich um Rat fragen kann. Der Gedanke, das alles hinter mir zu lassen, macht mich traurig.

Bekomme ich in Hannover keine Zusage, werde ich noch bis zum Wintersemester nach Dresden umziehen müssen. Die Landeshauptstadt Sachsens ist mein Plan B. Der zulassungsfreie Soziologie-Master gefällt mir dort am besten, und ich kann mich ohne viel Stress eintragen. Doch die große Veränderung reizt mich wenig, und der potenzielle Umzug bringt zusätzlichen Zeitdruck. Immerhin sind WG-Zimmer zu Beginn des Wintersemesters rar. 

Doch solche Gedanken verschiebe ich erst einmal auf später. Planen kann ich auch einen Umzug erst, sobald ich einen Zu- oder Ablehnungsbescheid in der Hand halte. Und solange muss ich eben noch jeden Tag mit Bauchschmerzen zum Briefkasten laufen.

Nina Hoffmann

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