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Warum ich Hannovers Studentenleben liebe

Warum ich Hannovers Studentenleben liebe

Seit vier Jahren studiert Sarah in Hannover, es hat nicht sofort gefunkt. Doch mit der Zeit kam die Zuneigung. Ein Liebesbrief an das Uni-Leben in Hannover.

Liebes Studentenleben in Hannover,

Seit vier Jahren kennen wir uns nun. Damals bin ich wohlbehütet aus dem Dorf meiner Eltern in die Großstadt Hannover gezogen. Es war nicht so, dass du mich als Studentenleben von Anfang an magisch angezogen hast. Für mich war Hannover vorerst nur die Landeshauptstadt, in der ich als Kind bei wichtigen Turnwettkämpfen angetreten bin. Später fuhr ich in die Stadt zum Shoppen oder ins Stadion. Aber für mich bliebst du immer grau. Grauer Himmel, grauer Beton am Kröpcke – und eine riesige, unbekannte Grauzone um die Innenstadt herum.

Für mich bist du auch nicht der verführerische Typ mit Dreitagebart, der mich in stürmischer Leidenschaft erobern könnte, wie das angesagte Berlin. Du bist nichts für den ersten Blick. Du bist tiefer, hältst dich ein wenig versteckt. Man muss auf dich zugehen, um dich zu entdecken. Wahrscheinlich könnte man fünf Jahre an deiner Seite studieren, ohne dich zu bemerken (wie mancher Pendler).

Grillen im Georgengarten vor der Uni. Foto: Seitz

Die meisten Studenten kommen eben nicht nach Hannover, weil du hip und angesagt bist, sondern zufällig oder weil Hannover die nächste größere Stadt mit einer Uni ist. Doch gerade deshalb kannst du nur gewinnen: Niemand stellt hohe Erwartungen an dich, du hast keinen Ruf zu verlieren. Studenten verlieben sich nicht in dein Äußeres, sondern in deinen Charakter.

Was dich so toll macht, ist zuerst einmal deine Lage: Während in anderen Uni-Städten die verschiedenen Standorte bunt verteilt liegen, hat die Leibniz-Uni ihren Knotenpunkt rund ums Welfenschloss. Im Süden der Sport-Campus, im Westen der Schneiderberg und im Osten der Conti-Campus am Königsworther Platz – strahlenartig erstreckst du dich in alle Richtungen, zwischen dem alternativen Linden, der ranzigen Calenberger Neustadt und der coolen Nordstadt. Du bist vielfältig und trotzdem nah.

Außerdem bist du immer für mich da. Wenn in anderen Städten wie Göttingen und Hildesheim die Bürgersteige in den Semesterferien hochgeklappt werden, kann ich noch mit den Kommilitonen feiern. Klar, Hannover ist mit etwa 27 600 Studenten bei mehr als 530 000 Einwohnern eben keine typische Studentenstadt. Trotzdem fahren nur wenige meiner Kommilitonen in den Semesterferien nach Hause. Ob spontanes Limmern oder eine Kneipentour in der Nordstadt – irgendwo ist immer was los.

Die drei warmen Brüder in Linden. Foto: Mast

So richtig verliebt habe ich mich aber vor allem in die kleinen Dinge: das Grillen im Georgengarten, bei dem uns hilfsbereite Studenten mit Grillanzünder ausgeholfen haben. Oder die Nacht, in der ich auf dem Heimweg aus der Faust mit Freunden am Ihme-Ufer lag, zu den drei warmen Brüdern hochschaute und über den Sinn des Lebens philosophierte. Die Kaffeepause auf dem Conti-Campus, bei der man plötzlich mit angehenden Anwälten über den besten Döner der Stadt debattiert, oder die Krökelturniere in der Hanomacke. Und natürlich die Campusliga, bei der man nach einem gnadenlos verlorenen Spiel mit den Gegnern über Mannschaftspotenziale diskutiert.

Natürlich hast du auch deine Macken: Die Gebäude am Schneiderberg sind ranzig, und vor der Tür weht mir immer der ekelhafte Geruch nach faulen Eiern um die Nase. In der Conti-Bib herrscht so eine angespannte Lernstimmung, dass ich mich nicht einmal kurz flüsternd zum Mittag in der Contine verabreden kann, ohne dass andere böse „Psssst!“ zischen.

FCC Lattenknaller in der Campusliga. Foto: Seitz

Du bist wie eine Großfamilie, die mich in ihre Reihen aufgenommen hat: Es ist okay, sich mal im eigenen Zimmer zurückzuziehen, aber gehe ich vor die Tür, ist immer etwas los. Irgendwann wachse ich aus dem Studentsein heraus, aber du hast es geschafft, dass mir Hannover ans Herz gewachsen ist.

In Liebe, Sarah

 

Über den Autor

Sarah Seitz

Sarah (22) studiert Politik und Germanistik auf Lehramt und kann sich herrlich über Fußball, Politik und die Welt im Allgemeinen aufregen. Besonders gern auf Papier.

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