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Warum Verhütung keine Frauensache ist

Warum Verhütung keine Frauensache ist

Für viele junge Paare gehört die Anti-Baby-Pille ganz selbstverständlich zum Sexleben. Doch ist Verhütung heute wirklich 
Partnersache, wenn nur die Frauen täglich Hormone nehmen und unter den Nebenwirkungen leiden?

In vielen Schlafzimmern kündigt der Smartphonealarm an, dass es mal wieder Zeit für die Pille ist. Dann wird schnell zum Pillenblister gegriffen, nach dem Datum geschaut, die kleine und weiße Tablette geschluckt – Verhütung kann so einfach sein. Für Jungs ist dieses tägliche Ritual der Freundin schnell selbstverständlich. Durch die Anti-Baby-Pille gehört es zu Beziehungen, wie regelmäßiger Sex selbst.

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) nehmen circa sieben Millionen Frauen in Deutschland die Pille. 2011 ermittelte das Statistikportal Statista, dass sie mit 42 Prozent das verbreitetste Verhütungsmittel ist, gefolgt vom Kondom (32 Prozent). Bei den 19-Jährigen vertrauen sogar über 70 Prozent der Pille, besagt eine Studie der Techniker Krankenkasse. Das Durchschnittsalter beim ersten Mal liegt laut Statista bei Jungen und Mädchen bei 16 Jahren.

Doch ist Verhütung wirklich in der Beziehung dann auch Partnersache? Bis in Erwägung gezogen wird, auf die Pille umzusteigen, beschränkt sich die Vorleistung der Jungs meist auf den leicht peinlichen Gang in den Supermarkt, zur Tankstelle oder zum Automaten, um Kondome zu kaufen. Hoffentlich, so hämmert es in den Köpfen vieler Teenager, trifft man dabei nicht auf die Tante, Opa oder einen Lehrer. Dabei sind junge Frauen, die auf die Pille umsteigen wollen, vor eine viel einschneidendere Entscheidung gestellt: Die Hormontablette kann nämlich zahlreiche Nebenwirkungen haben. Das stört mittlerweile viele junge Frauen. Schließlich ist die Anti-Baby-Pille kein harmloser Lutschbonbon, sondern ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel mit Nebenwirkungen.

Keine Lust auf Sex

Auf die hatten zuletzt die Journalistinnen Kate Bevan und Holly Brockwell unter dem Hashtag #mypillstory auf Twitter aufmerksam gemacht. Neben Kopfschmerzen, Übelkeit, Gewichtszunahme und weniger Lust auf Sex führen gerade die neueren Hormonpräparate zu einem erhöhten Thrombose-Risiko. Dass das Verhütungsmittel der Auslöser für solche Beschwerden sein könnte, gerät schnell in Vergessenheit. Zusätzlich hat die Uni Aachen nun herausgefunden, dass Frauen, die die Pille nehmen, emotionsloser sind. Zu den positiven Nebeneffekten kann gehören, dass Pickel wegbleiben und die Pille Regelschmerzen abschwächt.

Mit Kondomen, Kupferspiralen, Hormonpflastern oder Vaginalring gibt es technisch gesehen ausreichend sichere Alternativen zur Pille. Doch die wenigsten Paare wollen ewig Sex mit Kondom haben. Und ein Eingriff ist besonders für junge Frauen nicht gerade ansprechend.

Während Jungs lieber über Sex an sich debattieren, ist Verhütung bei jungen Frauen wohl größeres Thema: Wer nimmt welche Pille? Wie schafft man es, regelmäßig an die Einnahme zu denken? Und wie verändert sie den Körper? All das sind Fragen, über die man vielleicht mal gemeinsam nachdenken sollte, wenn der Smartphonealarm neben dem Bett mal wieder piept.

Erfahrungsbericht: Nie wieder Hormone!

Alle vier Wochen regte mich der Werte-und-Normen-Unterricht in der Schule wahnsinnig auf – obwohl ich das Fach eigentlich mochte. Ich dachte, der Grund für meine schlechte Laune sei, dass der Unterricht am Montagnachmittag stattfand. Erst nach Monaten verstand ich den Zusammenhang: Fünf Tage nach dem Kurs begann die Pillenpause, genau eine Woche danach die Abbruchblutung. Die restliche Woche bis zur Blutung war ich traurig, ganz ohne Grund. Das waren zwei sehr unangenehme Wochen – und das jeden Monat.

Trotzdem habe ich die Pille vier Jahre lang genommen. Das war bequem, einfach und auch selbstverständlich – nicht nur für mich. „Sex ohne Kondom ist einfach besser und die Pille sicher“, war die Standardaussage von Pärchen im Freundeskreis. Für dieses Gefühl schluckten meine Freundinnen und ich Hormone, als ob es Bonbons wären.

Die Pille ist selbstverständlich geworden

Mit der Zeit verstand ich den Zusammenhang zwischen Pille und meinen Stimmungsschwankungen. Immer öfter googelte ich nach hormonfreien Verhütungsmethoden. Keine überzeugte mich. Ich wollte, nur um Sex ohne Gummi haben zu können, keine Kupferkette in meine Gebärmutter einsetzen lassen oder Statistiken über meine Körpertemperatur führen müssen.

Vor etwas über einem Jahr setzte ich die Pille schließlich ab. Mein Freund war nicht begeistert. Die vergangenen vier Jahre musste er sich nie ernsthaft Gedanken um die Verhütung machen. Als die Anti-Baby-Pille im Jahr 1960 auf den Markt kam, bedeutete sie für Frauen Freiheit, denn sie konnten selbst bestimmen, wann sie schwanger werden. Heute gehört sie ganz selbstverständlich dazu – und Verhütung scheint reine Frauensache zu sein. Für viele hat sie den angenehmen Nebeneffekt, dass sie Regelschmerzen mindert oder Pickel verhindert.

Nicht so bei mir. Ich hatte nie schlimme Schmerzen während der Periode. Mein Zyklus war immer regelmäßig und die Pubertätspickel nicht besonders schlimm. Der einzige Vorteil der Pille war für mich, spontan mit jemandem schlafen zu können. Dazu konnte ich mich aber kaum noch aufraffen – Unlust ist eine weitere Nebenwirkung der Pille.

App statt Pillenblister

Ein paar Wochen nach dem Absetzen war die Lust auf Sex wieder da. In den nächsten Monaten hatte ich kaum noch Stimmungsschwankungen. Das fiel beides nicht nur mir, sondern auch meinem Freund auf. Seitdem hat er mit Kondomen erst recht kein Problem mehr. Wann die Regel kommt, zeigt mir jetzt nicht mehr der Pillenblister, sondern eine App, in die ich jeden Monat die Tage eintrage. Meine Periode war von Beginn an genauso regelmäßig und schmerzfrei wie vorher.
Allerdings: Gerade in den ersten Monaten fischte ich nach dem Duschen stets eine ganze Haarsträhne aus dem Abflusssieb. Meine Haut wurde unreiner. Ich spüre in der Mitte des Zyklus jetzt einen stechenden Schmerz: wahrscheinlich der Eisprung. Am seltsamsten war, dass ich mich auf einmal selbst riechen konnte: Der Körpergeruch veränderte sich ohne die Einnahme von Hormonen.

Trotzdem überwiegen für mich die Vorteile. Klar, ein Kondom überzuziehen ist ein klein wenig umständlich und das Gefühl ohne besser. Aber mich nur für Sex mit Hormonen vollzustopfen, das will ich nicht mehr. Und ob ich nun die Pillenpackung oder ein Gummi in der Handtasche durch die Gegend trage, ist auch egal.

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

1 Kommentar

  1. Meine Freundin hat sich ein Medikamenten Stäbchen unter die haut stechen lassen, das kostet 600 €uro und man hat ein Jahr…..einen 95% Schutz vor Schwangerschaft.

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