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Was ich im Schnupperstudium gelernt habe

Was ich im Schnupperstudium gelernt habe
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Auf meiner Stirn prangt ein Schild, auf dem „Schnupperstudentin“ steht. Das bilde ich mir zumindest ein. Aber den Studis auf dem Lindener Campus der Hochschule Hannover scheine ich nicht negativ aufzufallen. Sie beachten mich gar nicht und verschwinden nach und nach in den unübersichtlichen Gebäudekomplexen. Gleich beginnt meine erste Vorlesung, „Grundlagen der Bildbearbeitung“.

Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, dass ich die nächsten zweieinhalb Wochen meines Probestudiums stumm in der Ecke sitzen und den Vorlesungen lauschen würde. Doch als alle Studenten in 20 Minuten eine Kurzpräsentation über ein eigenes Thema vorbereiten sollen, fordert mich die Dozentin auf, mitzumachen. Bei der Themensuche hilft sie mir, dann bin ich auf mich allein gestellt – und ziemlich aufgeregt.

Doch da die Gruppe recht klein ist und die Studierenden nur wenig älter sind als ich, fällt mir das kurze Referat über Handball-Regeln überraschend leicht. Hinterher bin ich froh, mich überwunden zu haben.

Obwohl ich schon letztes Jahr Abi gemacht habe, weiß ich noch nicht, was ich studieren soll. Mein Problem ist das von vielen in meinem Alter: Wir wissen zwar schon eine grobe Richtung, in die wir gehen wollen, den richtigen Studiengang haben wir deshalb aber noch lange nicht gefunden.

Beim Schnupperstudium nehmen wir an ausgewählten Vorlesungen teil und lernen so den Campus, den Studiengang, die Dozenten und den Hochschulalltag kennen.

Ich habe mich für die Technische Redaktion entschieden. Zwar möchte ich später als Journalistin arbeiten und habe nach dem Abi schon Praktika beim Fahrgastfernsehen, beim Bürgerradio und jetzt bei der Zeitung gemacht, aber oft wurde mir davon abgeraten, Journalistik zu studieren.

Stattdessen solle ich mich lieber auf ein Fach spezialisieren, hieß es. Technische Redaktion hat mir auf den ersten Blick am besten gefallen. Neben Recherche und sprachlichen Grundlagen lernen die Studenten hier auch, wie sie Inhalte ansprechend und informativ darstellen. Aber auch Wirtschaft, Informatik und Technik stehen im Lehrplan.

Schließlich muss ein Technischer Redakteur in der Lage sein, verständliche Anleitungen von der textreichen Packungsbeilage über das Videotutorial bis zur ausschließlich aus Bildern bestehenden Aufbauanleitung zu erstellen – etwa für ein Ikea-Regal. Die Jobaussichten sollen in diesem Fach sehr gut sein – ein zusätzlicher Grund für mich, das Schnupperstudium auszuprobieren.

Passt der Studiengang zu mir? Greta Friedrich hat an der Hochschule Hannover in den Studiengang „Technische Redaktion“ geschnuppert – und war überrascht von seiner Vielfalt.
Foto: Samantha Franson

Nachdem ich mich per Mail angemeldet habe, bekomme ich einen Mentor zugeteilt. Dominik studiert Technische Redaktion im vierten Semester. Vorher hat er Maschinenbau studiert, merkte jedoch, dass es für ihn nicht das Richtige war. Durch einen Freund kam er auf diesen Studiengang und wechselte. „Ich habe mich in das Studium verliebt und bin geblieben“, sagt er jetzt. Ihm gefallen besonders die Vielfalt der Lerninhalte und der persönlichere Kontakt zu Dozenten und anderen Studierenden an der Hochschule.

Von Dominik erhalte ich im Vorfeld meinen eigenen Stundenplan. Ich bin überrascht, dass manche Vorlesungen schon um 8 Uhr beginnen – ich dachte, als Student könnte man immer ausschlafen.

Aber das frühe Aufstehen lohnt sich. Schon am ersten Tag darf ich mit ins Fotolabor kommen – auch für die Studis des zweiten Semesters eine Premiere. Ich bin begeistert, welche professionellen Gerätschaften ihnen hier zur Verfügung stehen: große Blitzanlagen, verschiedene Hintergründe, Stative und natürlich digitale Spiegelreflexkameras.

Der Dozent erklärt nur kurz, wie man Personen und Gegenstände am besten fotografiert, und lässt die Studenten dann in Gruppen arbeiten und sich ausprobieren. Es ist ein bisschen wie Kunst- oder Werkunterricht in der Schule.

In den folgenden gut zwei Wochen besuche ich elf Seminare und Vorlesungen. Dabei bin ich immer in unterschiedlichen Lerngruppen. Das stört mich anfangs, weil ich jedes Mal neue Gesichter sehe und niemanden näher kennenlerne. Da ich die einzige Schnupperstudentin der Technischen Redaktion bin, fühle ich mich erst etwas verloren. Doch da die Jahrgänge nur aus knapp 30 Leuten bestehen, dauert es nicht lange, bis ich die meisten Studenten kenne. So habe ich immer jemanden, dem ich über die Schulter schauen kann.

Ich erfahre, dass die Studis, wenn sie mal eine Vorlesung verpassen, nicht wie in der Schule den Mitschriften der anderen hinterherlaufen müssen – die Dozenten stellen alles auf eine Lernplattform im Internet. Ansonsten erinnert mich der Hochschulalltag stark an die Schule. So müssen die Studenten zum Beispiel oft Arbeitsergebnisse vor den anderen präsentieren oder kleine Vorträge halten.

Davon bleibe auch ich als Schnupperstudentin nicht verschont. Auch sonst darf ich vieles selbst ausprobieren: In „Technische Grafik“ versuche ich, eine Schachfigur mit dem Computer zu modellieren – was gar nicht so einfach ist.

Ganz schön praktisch: Dozentin Claudia Villiger zeigt Schnupperstudentin Greta die Lernplattform Moodle – dort finden die Studis die Vorlesungsfolien der Profs
Foto: Samantha Franson

Wenn ich an mein zukünftiges Studium denke, habe ich jetzt kein mulmiges Gefühl mehr. Der Hochschulalltag ist nicht so anonym und theorielastig, wie ich vorher dachte. Die meisten Vorlesungsnamen sind für mich keine leeren Begriffe mehr. In „Didaktische Formen“ zum Beispiel lernen die Studenten, wie unterschiedlich Anleitungen aufgebaut sein können.

Ich weiß jetzt auch, dass Programmieren wohl nicht mein Lieblingsfach wird, ich aber damit klarkommen werde. Ich freue mich schon darauf, ab September mehr über Technik, Gestaltung und Sprache zu lernen. Und falls Technische Redaktion doch nicht das Richtige für mich ist, werde ich nicht zögern, in andere Studiengänge reinzuschnuppern – bis ich den richtigen gefunden habe.

Info: Das organisierte MINT-Schnupperstudium an der Hochschule Hannover speziell für Oberstufenschüler findet das nächste Mal in den Herbstferien statt. Dabei können die Schüler Studiengänge von Mediendesigninformatik über angewandte Mathematik bis zur Lebensmittelverpackungstechnologie ausprobieren. Nähere Informationen dazu gibt es unter https://mint.hs-hannover.de

Es besteht aber das gesamte Semester über die Möglichkeit, in verschiedene Studiengänge hineinzuschnuppern. Auf der Website der Hochschule finden sich Pläne für jede der fünf Fakultäten. Darin sind ausgewählte Veranstaltungen für jeden Studiengang mit Dozent, Tag, Uhrzeit und Raum gelistet.

Jeder darf sich unangemeldet dazusetzen, zuhören und sich im Anschluss mit Studierenden und Dozenten unterhalten. Weitere Informationen gibt es unter http://www.hs-hannover.de/zlb-s/schnupperstudium

Von Greta Friedrich


Schnupper- und Informationsangebote der hannoverschen Hochschulen

Für Schüler und Schulabsolventen, die noch nicht wissen, was und wo sie studieren wollen, haben Hannovers Hochschulen vielfältige Angebote. An den Hochschulinformationstagen am 12. und 13. September 2017 stellen sich alle Hochschulen vor. Neben Veranstaltungen zu einzelnen Studiengängen gibt es dort auch Informationen zu Entscheidungsfindung und Bewerbung. Mehr Infos dazu gibt es unter https://www.hit.uni-hannover.de/.

Hochschulinformationstage an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Archivfoto: Katrin Kutter

Beim Juniorstudium der Leibniz-Uni können Studieninteressierte ohne Anmeldung einzelne Vorlesungen besuchen. Mit Anmeldung ist es auch möglich, die geleisteten Stunden in einem späteren Studium anzurechnen. Weitere Infos dazu unter https://www.studienberatung.uni-hannover.de/juniorstudium. Bei der Veranstaltungsreihe „ABInsStudium“ im Juni und Juli erfahren Schulabsolventen in Vorträgen und Workshops alles rund ums Studium. Mehr Infos dazu unter https://www.studienberatung.uni-hannover.de/abinsstudium.

Die Hochschule Hannover und die Leibniz-Uni bieten das Niedersachsen Technikum an. Das ist ein Angebot speziell für Mädchen, die sich für Technik und Naturwissenschaften interessieren. Nach dem Abitur absolvieren sie ein sechsmonatiges Betriebspraktikum und verbringen einen Tag pro Woche an der Hochschule.

Am 18. Mai findet eine Informationsveranstaltung dazu statt. Annmeldung und weitere Infos unter www.hs-hannover.de/gb/niedersachsen-technikum.

Schulabsolventen mit Interesse an Medizin und Pflege können an der MHH ein Freiwilliges wissenschaftliches oder soziales Jahr absolvieren. Mehr Infos unter https://www.mh-hannover.de/.

Wer sich für ein Studium der Medienwissenschaft interessiert, kann sich darüber am 23. Mai an der HMTMH informieren. Um Anmeldung per Mail bis zum 19. Mai wird gebeten. Infos unter https://www.ijk.hmtm-hannover.de/de/aktuelles/termine/archiv/2017/mai/artikel/infotag-fuer-den-bachelorstudiengang-medienmanagement-2/.

Greta Friedrich

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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