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Was ich von meinem Ex-Freund gelernt habe

Was ich von meinem Ex-Freund gelernt habe

Eine filmreife Beziehung

Lieber David,
mehr als die gängigen Kinderfilme und ein paar öde Romantikkomödien hatte ich noch nicht gesehen, bevor ich dich traf. Die wenigsten hatte ich auf der großen Leinwand geschaut. Denn meine Eltern hatten mir ihr mangelndes Filminteresse quasi in die Wiege gelegt. Doch dann kamst du. Zimperlich warst du nicht: Statt eines leicht verdaulichen Einstiegs in die cineastische Welt quälte ich mich schon in unserer ersten Beziehungswoche durch „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Begeistern konnte mich das nicht. Und auch die „Der Herr der Ringe“-Trilogie empfand ich wie Frodos ewige Reise zum Schicksalsberg. Doch du hattest ein Ass im Ärmel: Mit dem (damals noch) sechsteiligen „Star Wars“-Epos locktest du mich auf die helle Seite der Macht. Für Jedi-Ritter und Sith-Lords ließ ich sogar das Hockey-Training sausen. Es folgten fünf Jahre voller DVD-Abende und mein Taschengeld ging für Kinokarten drauf. Die Beziehung hielt nicht, die Zuneigung zum Film ist weiter ungebrochen. Zwar entdecke ich ständig neue Klassiker, die es noch nachzuholen gilt. Aber mittlerweile habe ich das Hobby sogar ausgeweitet, moderiere mit drei anderen Filmfans ein Youtube-Kinomagazin.

Vielen Dank! Möge die Macht mit dir sein, 
Johanna

Ich oder das hechelnde Monster

Lieber Marv,
wenige Dinge auf der Welt konnten dich so entzücken wie Hunde. Tierhasser waren für dich so schlimm wie Rechtsextremisten oder Trump-Anhänger. Dass ich den treudoofen Vierbeinern vor unserer gemeinsamen Zeit eher distanziert gegenüberstand, hast du gar nicht richtig mitbekommen – zum Glück. Bei unserem anfänglichen Kennenlernen habe ich deine Hundeliebe mit einem „Ja, die sind schon ganz süß“ eher halbwahr geteilt. Wer will sich schon direkt am Anfang unbeliebt machen, indem er auf den müffelnden Fellgeruch aufmerksam macht? Ich habe dir nicht erzählt, dass ich fast in eine Angststarre verfiel, als du mir begeistert von deiner Luna erzählt hast: einer American-Staffordshire-Dame, die in den meisten Bundesländern als Kampfhund gilt.

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Ich musste ernsthaft überlegen, ob ich dich wegen des hechelnden Monsters verlasse. Doch durch eine Schocktherapie aus langen Hundespaziergängen und Ausflügen mit Luna im Schlepptau hast du mich mit deinem Hunde-Fieber infiziert. Es ist dir gelungen, mich davon zu überzeugen, dass jeder Hund auf seine Weise liebenswert ist. Auch wenn es mit uns nicht geklappt hat, sind die „besten Freunde des Menschen“ nun auch endlich meine Freunde.

Fein gemacht! Nina

Brutal ehrlich

Lieber Nils,
eines vorweg: Ich hatte mit dir eine wunderschöne Zeit. Du hast mir gezeigt, was es heißt, immer schonungslos ehrlich zueinander zu sein. Wenn dich meine Fahrkünste genervt haben, hast du mir das gesagt, genauso, wenn du meine Klamotten hässlich fandest – auch ungefragt. Das hat mich mitunter wahnsinnig gemacht. Gleichzeitig hast du mir aber auch gesagt, was du an mir magst – und ich konnte mich darauf verlassen.

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Mit deiner ehrlichen Art eckst du an und versuchst nicht krampfhaft, anderen zu gefallen. Ich bewundere das, denn ich selbst war nicht immer so. Ich war oft zu freundlich und versuchte, anderen gerecht zu werden. So sagt man selten seine ehrliche Meinung. Durch dich habe ich gelernt, dass ich mich nicht verstecken muss, meine Meinung vor anderen vertreten kann – und wie befreiend es ist, sich nicht für andere verstellen zu müssen. Als du dich von mir getrennt hast, hast du mit mir über deine Gefühle gesprochen – offen wie immer. Das ist bei einer Trennung nicht selbstverständlich, auch wenn es den Schmerz nicht erträglicher gemacht hat. So traurig es ist: Ich bin dir dankbar für alles. Vor allem dafür, dass du mir gezeigt hast, dass ich stärker bin, als ich immer dachte.

Ganz ehrlich: danke! 
Deine Elena

Eine Lehre fürs Leben

Lieber Udo,
dass ich es so lange mit dir ausgehalten habe, kann ich heute nicht mehr verstehen. Etliche Male habe ich dich auf deine Betrügereien angesprochen. Doch du konntest es einfach nicht lassen: Wenn du mit deinen Freunden feiern warst, hattest du ständig etwas mit anderen Frauen. Begleiten durfte ich dich nie. Bis auf deinen Geburtstag, was die Sache nicht besser machte: Selbst als deine Arbeitskollegin dir beim Tanzen ihre Brüste unter die Nase rieb. Ich verkroch mich auf der Damentoilette, glaubte, ich sei grundlos eifersüchtig.

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Ich war naiv, und du mein erster Freund. Dass ich je wieder jemand Neues kennenlernen könnte, glaubte ich nicht. Als meine Freundinnen dich später auf einer Halloweenparty eng umschlugen mit einer anderen erwischten, hielt ich es einfach nicht mehr aus. Dass ich kurz darauf mit dir Schluss gemacht habe, war vielleicht eine Kurzschlussreaktion – aber das Beste, was ich aus Selbstschutz machen konnte. Ich habe mir geschworen: nie wieder darf jemand derart mit mir umspringen. Niemand hat es verdient, betrogen und hintergangen zu werden. Durch dich lernte ich, zur richtigen Zeit einen Schlussstrich zu ziehen. Diese Erfahrung hat sehr wehgetan – aber ich werde sie nicht vergessen.

Auf Nimmerwiedersehen, 
deine Kristin

Domo arigatou!

Lieber Bijan,
große Brüste, knappe Röcke und platte Storys – ungefähr so habe ich mir die Welt der Animes vorgestellt, bevor mit dir zusammenkam. Von japanischen Berühmtheiten wie Ruffy, dem Captain der Strohhutbande aus der Serie „One Piece“, hatte ich noch nie etwas gehört. Das wolltest du so schnell wie möglich ändern. „Wenn du ohne diese Serie aufgewachsen bist, hattest du keine Kindheit“, sagtest du mehrfach. Schließlich gab ich mich geschlagen, und wir fingen an, den Anime-Klassiker gemeinsam zu schauen. Mit jeder neuen Folge der Abenteuerserie um Ruffy und seinen Weg zum Piratenkönig wuchs meine Begeisterung.

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Ehe ich mich versah, begann ich mich auf die gemeinsamen Stunden vor dem Fernseher zu freuen. Anders als erwartet bekam ich weder sexistische Darstellungen noch überzogene Prügelszenen zu Gesicht. Tatsächlich erzählt die Serie abenteuerlichen Geschichten, die nicht völlig sinnfrei erscheinen. Während ich dir gegenüber zu Beginn noch verächtlich die Augenbrauen gehoben habe, verstand ich im Laufe der Zeit, dass „One Piece“ ein sehr wichtiger Teil deiner Kindheit war und die japanische Serie dir viel bedeutet hat. So kann man sich auch besser kennenlernen. Natürlich werden die weiblichen Charaktere im Anime in knappen Outfits gezeigt. Unattraktive Frauen scheint es in den fiktiven Welten nicht zu geben. Doch genauso wenig gibt es perfekte Beziehungen wie im Kitschroman. Siehe unsere.

Domo arigatou, deine Marisa

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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