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Weshalb ich in der Provinz studiere

Weshalb ich in der Provinz studiere

Kultur oder Natur: Viele Studenten wollen zum Studieren in die Großstadt. Ich bin dagegen aus Dresden nach Hildesheim in die Provinz gezogen – und mit meiner Entscheidung sehr zufrieden.


Weite Wege am Campus, massenweise unbekannte Studenten und kaum grüne Liegewiesen zum Ausruhen zwischen den Vorlesungen: So studiert man in meiner Heimat Dresden und in vielen anderen Großstädten. Davon wollte ich unbedingt weg – ein Studium in Ruhe, fernab des schnelllebigen Großstadtlebens sollte es werden. Heutzutage will jeder in Berlin oder Leipzig studieren – ich wollte was anderes, Cooleres, wo man jeden über zwei Ecken kennt und auf Hauspartys immer auf Freunde und Bekannte trifft.

Jetzt wohne ich in Hildesheim, fahre mit dem Rad raus zum Studieren auf ein Dorf – vorbei an Feldern und Eichhörnchen, Fröschen und Schafen. Mein Campus ist südlich von Hildesheim im Ortsteil Marienburg auf einer alten Domäne im Grünen, ein ehemaliger Gutshof. Manchmal galoppieren Pferde bei uns vorbei oder der Geruch aus dem benachbarten Stall zieht herüber.

Erschrocken über „Hillywood“

Den Umzug aus der Landeshauptstadt in die Provinz wagte ich bewusst, wobei Hildesheim mit über 100.000 Einwohnern genauso als Großstadt zählt wie Dresden. Trotzdem war ich am Anfang sehr erschrocken, wie klein die Stadt ist. Unter Studenten wird sie auch gern „Hillywood“ genannt, wegen ihrer vielen Hügel. Mit dem Rad durchquert man Hildesheim in einer halben Stunde – was nicht zu vergleichen ist mit dem viel größeren Dresden.

Meine Erwartungen an das Studium in einer kleineren Stadt haben sich nach einem Jahr erfüllt: Die Seminare sind wie vermutet familiär, man knüpft am Campus sehr schnell Kontakte und hat einen engen Bezug zu den Professoren – mit denen wir per Du sind. Es ist ein entspanntes Studieren auf Augenhöhe mit den Dozenten, und keiner geht in riesigen Hörsälen unter – im Gegenteil, jeder kann sich mit einbringen.

Mit den richtigen Leuten ist es überall gut

Manchmal vermisse ich dennoch das Dresdner Großstadtleben. Angesagte Clubs, die vielen Secondhandläden, Trams und den Elbwiesen-Blick auf das barocke Dresdner Panorama: All das habe ich hinter mir gelassen.

Aber das ist nicht schlimm, denn mit den richtigen Leuten kann das Leben überall gut sein. Die besten Partys veranstalten die Studenten selbst. Regelmäßig gibt es kunstvoll geschmückte Hauspartys mit eigenen DJs vom Campus und Lichtinstallationen – oder die Studenten der Domäne veranstalten kulturelle Events.

Ruhige, musikalische WG-Abende gibt es auch in Hildesheim häufig, oder man verabredet sich zum Kochen. Das ist in „Hillywood“ so wie in jeder anderen Studentenstadt. Leider hat Hildesheim nur eine nennenswerte Studentenbar, das „Wohnzimmer“. Das hat aber auch was Gutes. Denn durch das Leben in einer kleineren Stadt ist man dort nie anonym unterwegs – und bleibt nicht lange allein.

Von Tom Solbrig

Über den Autor

Karsten Röhrbein

Karsten leitet die ZiSH-Redaktion der HAZ. Hier im Blog kümmert er sich vor allem um die Koordination, Themenbesprechung und was sonst so anfällt.

3 Kommentare

  1. Hallo Karsten !

    Willkommen in Niedersachsen.
    Eventuell findest Du noch raus, daß man von Hildesheim aus mit der Bahn in einer knappen halben Stunde nach Hannover kommt. Da ist das Angebot an Studentenkneipen noch etwas größer. 😉

    Antworten
    • Karsten Röhrbein

      Hallo Lutz, ja, das weiß ich. Aber das Problem mit Studentenkneipen ist ja nicht das Hin- sondern das Zurückkommen 😉 Und deshalb fänd es unser Autor Tom schön, wenn auch in Hildesheim etwas mehr gehen würde.

      Antworten
  2. also ich liebe hillywood, mit herz und seele. aber ich habe mich damals entschieden szenische künste zu studieren, nicht: in der provinz zu studieren. ich bin nur hier, weil es den studiengang hier gibt. gäbe es ihn in leipzig, wär ich eben in leipzig. das heißt nicht, dass nicht eine gravierende nebenerscheinung das leben in einer mittelmäßig großen stadt ist, nur eben dass ich nicht ganz freiwillig in der provinz studiere, so wie ich auch nicht ganz freiwillig in leipzig studieren würde, wenn es da sk gäbe. solange es die studiengänge aus dem fb2 nur hier geben, wird die wahl dessen immer schwerer wiegen als die wahl des studienortes, denk ich.
    wenn man jura studiert oder meinetwegen nur philosophie oder nur theaterwissenschaft, dann könnte man sich den studierenort sicher flexibler aussuchen, aber so ist es wie es eben ist. und es ist fantastisch, wunderbar, hervorragend, und all die dinge, die du an hildesheim und unserem studium lobst (familär, etc), stimmen auch. aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die meisten für hildesheim entscheiden, weil sie hildesheim so geil finden, sondern weil sie das studium geil finden, und sich mit der stadt halt anfreunden können.
    ich hätte mir gewünscht, dass das auch in deinem artikel erwähnung gefunden hätte, aber es kann ja sein, dass es dir gar nicht so geht. dann hier immerhin auch noch meine zwei cents. aber es freut mich natürlich, dass du auch so zufrieden in hildesheim bist!
    (p.s. das mit den hügeln ist ein witz, oder? hör ich jedenfalls zum ersten mal, dass irgendjemand hildesheim deswegen hillywood nennt…???)

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