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Wie ich versuchte, zwei Wochen ohne Müll zu leben

Wie ich versuchte, zwei Wochen ohne Müll zu leben

Mein Blick ruht auf meinen Lieblingsmuffins. Sicher verwahrt, stehen sie hinter der verglasten Anrichte der Uni-Cafeteria – verpackt in einer braunen Plastikhülle. Lust hätte ich schon drauf, wegen der großzügigen Verpackung entscheide ich mich dagegen: „Einmal den unverpackten Heidesandkeks. Ohne Tüte“, bitte ich die Kassiererin. Unzufrieden mit meiner trockenen Ausbeute kehre ich in den Hörsaal zurück. Bereits seit einer Woche geht das schon so, obwohl gerade einmal die Hälfte meines Selbstversuchs vergangen ist. Dabei habe ich nur eine Grundregel: Zwei Wochen lang soll wegen mir kein Müll in einem Abfalleimer landen.

Zur Einstimmung zum Thema Müll, Plastik und Verpackungen stoße ich im Internet auf verstörende Videos: Babyrobben und Schildkröten, die sich in Plastikteilen verfangen und sterben. Schrecklich.

Bis zu 13 Millionen Tonnen der Kunststoffabfälle gelangen laut Greenpeace jährlich aus Haushalten und der Industrie ins Meer. Im Nordpazifik treibt mit dem „Great Pacific Garbage Patch“ ein Müllstrudel von der Größe Mitteleuropas. Dass ich daran eine Mitschuld tragen soll, kann und will ich nicht glauben. Beim Einkaufen versuche ich so gut es geht auf Verpackungen zu verzichten. Doch laut einer Studie des Statistischen Bundesamts von 2015 produzieren wir Deutschen etwa 558 Kilo Müll pro Jahr – Tendenz steigend.

Viel zu wenig eingekauft

In Europa wird laut PlasticsEurope, dem Verband der Kunststofferzeuger, etwa die Hälfte aller Kunststoffe für das Verpacken von Lebensmitteln verwendet. Zu Beginn der zwei müllfreien Wochen suche ich also nach Läden, die ihre Produkte unverpackt verkaufen. Bei mir in Burgwedel gibt es so etwas nicht, aber in meiner Uni-Stadt Hannover stehen mir seit 2016 gleich zwei sogenannte Loseläden zur Verfügung.

Das große Angebot im Loseladen LoLa in der Südstadt überrascht mich. Nachdem ich meine mitgebrachten Behältnisse abgewogen habe, fülle ich sie an den Abfüllbehältern mit Lebensmitteln. Die Preise sind vergleichbar mit denen aus dem Bioladen. Wieder zu Hause fällt mir auf: Ich habe viel zu wenig eingekauft. Bereits am zweiten Abend habe ich alle Karamell-Mandeln verdrückt. Aus Zeitgründen wird es allerdings der erste und letzte Besuch im LoLa sein.

Mit und ohne Verpackung: Im Loseladen füllen Kunden ihre mitgebrachten Gefäße selbst mit Lebensmitteln – ohne Müll zu produzieren.
Foto: Villegas

Zwei Zucchini am Tag

Mit dem Selbstversuch ändert sich mein Essverhalten drastisch. Abgesehen von gewissen Obst- und Gemüsesorten bieten die Supermärkte in meiner näheren Umgebung keine unverpackte Alternativen. Mein Essensplan für die zwei Wochen fällt dementsprechend sehr einseitig aus. An stressigen Tagen esse ich kaum mehr als zwei Zucchini und eine Besonderheit wie den schnöden Heidesandkeks. Das nervt.

Eine weitere Herausforderung stellen Kosmetika dar. Im Loseladen besorge ich mir eine Seife für Körper und Haar. Mein gewohnt-schäumendes Duscherlebnis bleibt allerdings aus. Problematischer gestaltet sich meine Make-up-Routine. Hierbei verletze ich auch innerhalb der zwei Wochen meine aufgestellte Grundregel.

Ich scheitere immer wieder an den alltäglichen Müllfallen: Um Kassenzettel, Aufkleber auf Obst und die Verpackung von Taschentüchern komme ich nicht herum. Hinzu kommt das ständige Hungergefühl, das mich letztlich auf meinem Uni-Rückweg am Bahnhof übermannt: Der Duft von gebratenen Nudeln hat mich schwach werden lassen. Immerhin ist mein Müllbeutel nach zwei Wochen nur zu einem Drittel befüllt. Sonst fülle ich pro Woche alleine einen Müllsack. Dennoch bin ich von meiner Leistung enttäuscht.

Immer ein Auge zudrücken

Nach den zwei Wochen kann ich nicht behaupten, komplett ohne Abfall gelebt zu haben. Zwar habe ich ein neues Empfinden für meinen Konsum gewonnen, aber für einen langfristigen Verzicht fehlen mir die Selbstdisziplin und ausreichend Läden, die dem Lebenswandel entgegenkommen. Immerhin werde ich in Zukunft mehr zu recycelbaren Produkten greifen. Bei meinen Lieblingsmuffins werde ich wohl weiterhin ein Auge zudrücken.

So produzierst du weniger Abfall

Jedes kleine bisschen eingespartes Plastik ​ist ein Pluspunkt auf dem Umweltkonto, selbst wenn du nicht die Zeit aufbringen kannst, komplett müllfrei zu leben. Mit diesen Tipps kannst du im Handumdrehen deine Müllproduktion im Alltag reduzieren.

Augen auf beim Gemüsekauf: ​Im Supermarkt gibt es Bio-Obst und Gemüse fast nur eingeschweißt zu kaufen. Denn die Hersteller wollen das Symbol prominent auf der Verpackung platzieren. Das geht auch anders: Wer in seinem Einkaufswagen gar kein Plastik herumschieben will, der kann in einem Loseladen einkaufen oder seine Produkte auf dem Wochenmarkt holen.

Körperpflege selbst gemacht: ​Schon morgens nach dem Aufstehen nehmen wir eine Müllverpackung nach der anderen in die Hand. Doch Peeling, Lippenpflege und Co. kannst du auch ganz einfach selbst herstellen: Aus einem Esslöffel Kaffeesatz und einem Teelöffel Olivenöl mischt du dein eigenes Peeling. Rezepte zum Selbermachen gibt es auf www.zerowastelifestyle.de.

Diese Apps helfen: ​Übrig gebliebene Mahlzeiten oder zu viel produzierte Backwaren kannst du mit Apps wie Too Good To Go oder ResQ Club (gratis für iOS und Android) retten. Sie informieren, wo man in der Nähe zu günstigen Preisen übrig gebliebene Mahlzeiten und Lebensmittel ergattern kann. sor

 

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1 Kommentar

  1. Ich lebe jetzt seit einem Jahr plastikfrei. Ich finde nicht, dass es eine sehr große Umstellung ist. Es gibt auch andere unverpackte Lebensmittel außer Zucchini. Lola ist als Unverpacktladen natürlich Anlaufpunkt Nummer 1. Aber auch der Weg zum Bioladen oder türkischen Gemüsehändler füllt einen Teil des Vorratsschrank komplett ohne Müll. Es gibt für alles eine gute Alternative, wenn mann sich nur damit beschäftigt. Den Muffin kann man leicht selber backen und Stofftaschentücher ersetzen viel Müll. Selbst bei Ikea kann man Gummibärchen lose in Papiertüten oder mitgebrachte Beutel abfüllen. Man sieht, man muss nur kreativ werden und die passenden Läden in seiner Umgebung finden. Klar macht das zu Anfang Arbeit, aber es macht auch Spaß. Und am Ende ist man ungemein stolz, wenn die selbstgemachten Putzmittel aus Haushaltsmitteln funktionieren und die Mülltonne leer bleibt.

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