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„Wir haben ausgelost, wer welches Instrument spielt“

„Wir haben ausgelost, wer welches Instrument spielt“

„Utopia“ heißt das mittlerweile sechste Album der Punkrock-Band Radio Havanna. Am Sonnabend, 7. April, spielen sie in der Faust. Wir haben mit Gitarrist Arni vorab über Protest in der Musik, die AfD und Alkohol gesprochen.


Arni, manche der Songs auf eurem neuen Album „Utopia“ sind ziemlich melancholisch. Wie passt das zu einer Punkrock-Band?

Ich finde, dass Melancholie schon immer ein Teil vom Punkrock war. Der ist ja oft sehr kritisch, und in jeder Kritik steckt eine Unzufriedenheit oder Melancholie. Deswegen passt das sehr gut zusammen.

Wie wichtig sind euch Kritik und Protest in eurer Musik?

Sehr wichtig. Wir hatten gerade den Song „Faust hoch“ aufgenommen, als unser Schlagzeuger Anfy meinte, dass wir vor der Bundestagswahl eine Kampagne speziell gegen die AfD machen sollten. Also haben wir „Faust hoch“ gegründet und uns mit anderen Bands zusammengetan. Wir wollten uns klar positionieren und aufklären, warum die AfD keine rechtsstaatliche Partei ist, warum sie rassistisch ist und warum sie gefährlich ist für die Demokratie in Deutschland.

Neben eurem Song „Faust hoch“ habt ihr noch ganz andere Stile auf dem Album.

Wir fanden schon immer Alben geil, die sehr divers sind. Ich fand es immer spannend, zu sehen, wie Punk-Nummern und zum Beispiel Reggae-Nummern nebeneinander stehen. Ich würde gern versuchen, auch in unserer Musik dem Zuhörer verschiedene Facetten zu bieten.

Zusätzlich zu verschiedenen Genres habt ihr eine Vielzahl an Themen auf eurer Platte angeschnitten.

Das liegt zum Teil auch daran, dass wir es spannender finden, über verschiedene Themen zu singen. Es gab Zeiten, da saß ich zu Hause und dachte die ganze Zeit „Scheiß AfD, Scheiß AfD“. Das ist ein Thema, was mich ziemlich stark beschäftigt, aber es gibt auch sehr viele andere Themen, nicht nur politische, sondern auch zwischenmenschliche Themen, die mich beschäftigen. Ich denke, das geht jedem so. Kein Mensch ist so monothematisch unterwegs, dass sein Alltag nur aus ganz wenigen Dingen besteht. Vielleicht gibt es ein paar Menschen, bei denen das so ist, aber die haben ein ganz anderes Problem.

Den politischen Charakter merkt man dem Album dennoch auf jeden Fall an.

Viele haben zu dem Album gesagt, dass sie es ganz gut finden, dass es diesen politischen Aspekt gibt, aber dass das Album trotzdem einen Partycharakter hat. Das wollten wir auch schaffen. Auch Songs wie „Utopia“ oder „Phönix“ sollen am Ende des Tages Hoffnung geben. Hoffnung, dass es besser wird, dass man Freunde hat, die einem helfen, dass man gemeinsam anpacken kann und auch politisch etwas bewegen kann. Das finde ich auch wichtig. Einfach nur rumzuheulen und zu sagen „Das ist alles scheiße“ ist kein schöner politischer Ansatz. Das kann man natürlich machen. Man kann alles schlimm finden, aber für mich ist dann immer die Frage: Was jetzt? Was soll ich denn mit dieser negativen Einstellung?

Was ihr ebenfalls stark thematisiert, ist das Feiern und der Alkohol, zum Beispiel im Song „Früher oder Späti“. Findet ihr, dass Alkohol eine Lösung für unsere Probleme ist?

Gerade in „Früher oder Späti“ geht es gar nicht darum, zu sagen, dass Saufen geil ist. Natürlich macht es Spaß. Aber in dem Song ist der Protagonist total hängen geblieben. Er sitzt in seiner Kneipe und seiner Welt fest. Er hat die größten Pläne und größten Ideen, aber er schafft nichts zu realisieren. Das soll auch ein bisschen aufzeigen, dass Alkohol eine kritische Sache ist. Das ist kein Saufsong in dem Sinne. Es geht mir darum, zu sagen, dass Alkohol in Verbindung mit Lethargie einfach eine sehr gefährliche Mischung ist.

Woher kennt ihr euch eigentlich?

Wir haben uns in der Schule kennengelernt. Ich habe Olli, den Bassisten, getroffen und festgestellt, dass er auch Punkrock-Bands hört. Davon gab es in der Schule nicht viele. Dann kam Anfy dazu, später Fichte. Wir waren erst Freunde und haben uns dann überlegt, eine Band zu machen – und was jeder spielen könnte. Davor konnte keiner ein Instrument richtig spielen. Wir haben das mehr oder weniger ausgelost.

..und spielt sie mittlerweile aber ziemlich gut. Auf welchen Bühnen steht ihr dieses Jahr?

Wir gehen jetzt auf Tour, in zwei Wochen geht es los. Im Sommer werden wir dann auf Festivals spielen, auch auf Größeren wie das Hurricane. Und in nicht allzu ferner Zukunft machen wir auch wieder eine Platte.

Von Emma Schell

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Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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