Advertisement

Select Page

Neu in Hannover: Zwölf Regeln für Zugezogene

Neu in Hannover: Zwölf Regeln für Zugezogene

Wo ist dieser Schwanz, unter dem sich alle treffen? Wie spricht man Podbielskistraße aus? Und warum kommt da eigentlich Musik aus dem Gully? Anders, als sein langweiliger Ruf es vermuten lässt, hält Hannover für Neuankömmlinge einige Überraschungen bereit – und auch Hürden. Zum Semesterstart bekommen das wieder Tausende neue Studis zu spüren. Ein Guide für Zugezogene.

Sprache anpassen: Nicht-Hannoveraner sind für Eingeborene schnell aufgrund einer hörbaren Mundart identifizierbar. Einheimische kosten das aus, schließlich ist man ja stolz auf das perfekte Hochdeutsch. Wer unangenehmen Bemerkungen („Na, Ossi oder was?“, „Aus welcher Ecke in Bayern kommst du denn?“ oder „Meine Tante wohnt auch in Köln“) aus dem Weg gehen möchte, sollte sich anpassen und versuchen, seinen Dialekt zu kaschieren.

Besonders am Kröpcke fällt Neu-Hannoveranern das Orientieren erst mal schwer. Foto: Heidrich

Unter Tage orientieren: Während Hannover zwar als „größtes Dorf der Welt“ gilt und man sich überirdisch quasi nicht verlaufen kann, hält der öffentliche Nahverkehr einige Herausforderungen für den Orientierungssinn bereit – besonders fies: die Stadtbahnstationen Kröpcke und Aegi. Beide sind Knotenpunkte, und es kann einige Anläufe erfordern, bis man auch wirklich am Wunschgleis steht. Eine gute Ausrede für unpünktliche Studenten ist das aber nicht. Es lohnen sich also ein paar Orientierungsgänge durch die Kaninchenbauten. Und fangt erst gar nicht an, Gleis 5 und 6 am Hauptbahnhof zu suchen.

Wo sind denn Gleis 5 und 6? Danach sucht ihr am Hauptbahnhof vergeblich. Foto: Heidrich

Ein Fahrrad kaufen: In der Regel sind Radfahrer genauso schnell wie die Konkurrenz mit Bahn und Auto – auch dank vieler Baustellen. Zudem finden sich ein paar echte Schönheiten unter den Radwegen der Stadt: Wer aus der Südstadt, Linden oder der Calenberger Neustadt kommt, kann entlang der Leine, der Ihme und am Maschsee fahren. Mit dem Drahtesel lohnt sich allerdings auch ein vernünftiges Schloss, denn nicht selten werden vor Clubs oder an Haltestellen Räder geklaut.

In der Stadt von Vorteil: Das Fahrrad. Foto: Heidrich

Braunschweiger Herkunft verschweigen: Auch wer nicht fußballinteressiert ist: Die Rivalität von Lehrte-West (Hannover) und Peine-Ost (Braunschweig) ist nicht zu unterschätzen. Aus Sicherheitsgründen solltest du ab jetzt deinen Heimatort Braunschweig lieber nicht nennen – und ein blau-gelbes Outfit ist riskant, wenn nicht gerade schwedischer Nationalfeiertag ist.

Geldsammeln für Peine-Ost? Solltest du in Hannovers City besser nicht. Foto: Heidrich

Auswendig lernen: Wer sich beim Smalltalk mit Eingeborenen nicht blamieren will, sollte sich ein paar Dinge über die hannoversche Prominenz merken: Nach dem Verbleib von Lena-Meyer Landrut zu fragen, ist zwecklos. Was die ESC-Gewinnerin gerade macht – keine Ahnung. Das gilt auch für die Opa-Rocker von den Scorpions und Comedian Oliver Pocher.

Für den Gang zum Kiosk vorbereiten: Hannover ist Kioskhauptstadt, und das zu Recht. Für den Einkauf im Kultspäti von Onkel Olli in der Nordstadt gilt es, vorbereitet zu sein: Bei mehr als 200 Biersorten ist eine Einkaufsliste nötig, um nicht völlig überfordert vorm Kühlschrank zu stehen.

Keine falschen Gesprächsthemen: „Hannover ist so grau/öde/langweilig“ – diesen Satz solltest du dir sparen, sonst bist du gleich unten durch. Hannoveraner wissen, dass ihre Heimat nicht mit Hochglanzmetropolen zu vergleichen ist. Das Klischee der grauen Maus ständig aufzuwärmen macht die Stadt aber auch nicht schöner. Zugezogene sollten sich Standardphrasen erst mal verkneifen und Hannover entdecken.

Nicht trödeln: Im Jahr 2003 haben Forscher der Technischen Universität Chemnitz die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit in 20 deutschen Städten gemessen. Auch wenn die Erhebung schon ein paar Jahre alt ist, bestätigt sie noch heute den Eindruck des hektischen Hannoveraners, der durch die Stadt hetzt: Mit einem Durchschnittstempo von 1,48 Metern pro Sekunde liegt die niedersächsische Landeshauptstadt auf Platz zwei. Warum genau es Hannoveraner so eilig haben, wurde dort nicht geklärt. Zuzügler aus Passau, Saarbrücken und Trier (Plätze 18 bis 20) können sich jedenfalls warm anziehen – und sollten einen Zahn zulegen.

Mehr als nur Mitte erkunden: Kaufhaus an Fast-Food-Restaurant an Kaufhaus: Hannovers City könnte genauso gut die von Magdeburg, Nürnberg, Göttingen oder einer beliebigen anderen Innenstadt sein. Doch beurteile die Stadt nicht nach den wenigen Straßen rund um Bahnhof und Kröpcke. Kaum aus der öden City raus, offenbaren sich die spannenderen, kleinen Kieze wie die Deisterstraße in Linden-Süd, der E-Damm in der Nordstadt, die Lister Meile. Längst kein Geheimtipp mehr ist die Limmerstraße.

Baustellen und Kaufhäuser: Hannover hat mehr zu bieten als eine graue Innenstadt. Foto: Heidrich

Nicht über Musik aus dem Gully wundern: Wer irritiert vor dem Musik spielenden Gully am Hauptbahnhof steht und diesem im schlimmsten Fall noch „Hallo, wer ist da? Kann ich helfen?“ entgegenruft, fällt natürlich als Neuling auf. Ein echter Hannoveraner weiß: Ist halt so.

Was ertönt denn aus diesem Gully? Foto: Heidrich

Aussprache von Fremdwörtern lernen: Podbielskistraße, Aegidientorplatz, Vinnhorst – um dich nicht sofort als Nicht-Hannoveraner zu outen, solltest du lernen, wie diese Eigennamen ausgesprochen werden. Bevor du sicher bist, kannst du dir immerhin mit Abkürzungen wie Podbi und Aegi behelfen.

Sich „unter’m Schwanz“ treffen: Wer in Hannover dazugehören will, verabredet sich nun mal am Ernst-August-Denkmal vor dem Hauptbahnhof, sprich „unter’m Schwanz“. Jedes Mal doof kichern, während man ein Treffen ausmacht, ist aber ziemlich peinlich. Und die Kröpcke-Uhr ist eben nur für Touris.

Unter’m Schwanz, hihi. Werdet erwachsen. Foto: Heidrich

Von Manuel Behrens und Johanna Stein

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Videos

Lade...

Aktuelle News