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Drei WGs, drei Gerichte: Beim Running Dinner kommen sich Studis näher

Drei WGs, drei Gerichte: Beim Running Dinner kommen sich Studis näher

Drei WGs, drei Gänge: Beim Running Dinner lernen sich Hannovers Medizinstudenten beim gemeinsamen Kochen kennen.
ZiSH-Autorin Jacqueline Niewolik hat mitgemacht – und nette Kommilitonen getroffen, mit denen sie sonst nie ins Gespräch gekommen wäre.

In meinem Semester als Studentin an der Medizinischen Hochschule (MHH) sind über 250 Studenten. Höchstens mit der Hälfte von ihnen habe ich gerade einmal ein Wort gewechselt. Das Running Dinner soll meine Quote ein bisschen aufbessern. Bei dem „Laufenden Abendessen“ werden an einem Abend drei Gänge in drei verschiedenen Studenten-WGs mit wechselnden Gästen gegessen. Ausgerichtet wird es vom Studentenverein Campus Life der MHH. Deswegen muss in jedem der Zweierteams mindestens ein Medizinstudent sein. Ich habe mich mit meiner Freundin Anna angemeldet und das Hauptgericht zugelost bekommen. Vorher müssen wir in die Südstadt – zum ersten Gang.

Vorspeise

Um Punkt 18.30 Uhr stehen wir vor der Wohnungstür unserer Kommilitonin Ricarda. Zusammen mit einer Freundin kocht sie heute für uns und zwei weitere Mädels. Was aufgetischt wird, wissen wir vorher nicht. Bei der Anmeldung mussten wir nur angeben, was wir gar nicht essen. Wir sind gespannt.
Ricarda und ihre Freundin Frauke kennt Anna schon ein bisschen aus der Uni. Ich wusste bis eben noch nicht einmal, dass wir im gleichen Semester studieren. Umso interessanter, jetzt Ricardas WG zu sehen. Man ist ja eben nicht nur zum Essen da, sondern auch zum Kennenlernen und Gucken.

Als Vorspeise gab es Zucchini-Suppe mit getrockneten Tomaten und Brot.

Als Vorspeise gab es Zucchini-Suppe mit getrockneten Tomaten und Brot.

Weil es kein Wohnzimmer gibt, essen wir in Ricardas Zimmer. Die vier Stühle der WG hat Ricarda mit einem Sessel und einer Turnkiste zum Sitzen ergänzt. Ein bisschen Improvisation ist sympathisch.
Als die beiden Kommilitoninnen angekommen sind, servieren die Gastgeberinnen eine Zucchini-Suppe mit getrockneten Tomaten. Dazu gibt es frisches Brot und Tomatenbutter. Die beiden haben sich wirklich Mühe gegeben. Lecker!
Das ist nicht immer so. Zwei der Mädels haben schon beim letzten Mal mitgemacht. „Unsere Gastgeber hatten für sechs Leute nur einen Grillkäse und eine Schüssel Nudelsalat auf den Tisch gestellt. Keiner ist satt geworden, und niemand hat sich getraut, das letzte Stückchen Käse zu nehmen“, erzählen sie. Dagegen haben unsere Vorspeisen-Gastgeber heute ein glänzendes Debüt hingelegt. Wir können gar nicht genug bekommen. Aber: Es gibt ja heute noch mehr zu essen.
Stattdessen reden wir über unser Medizinstudium – natürlich. Lernstrategien und die unangenehmsten Erlebnisse im Krankenhaus sind schnell Gesprächsthema Nummer eins. Das war irgendwie klar, schließlich verbindet die MHH uns alle.
Dann müssen wir schon wieder los, um den letzten Schliff an unserem Hauptgericht zu erledigen. Schade eigentlich. Mit Ricarda und Frauke hätte ich gerne länger gequatscht.

 

Hauptgericht

Anna und ich haben genau wie meine Mitbewohnerin und ihre Kochpartnerin den Hauptgang zugelost bekommen. Deswegen kochen wir jetzt einfach zusammen für zwölf Leute. Das macht ganz schön viel Arbeit. Vor vier Stunden haben wir mit den Vorbereitungen begonnen und um 18 Uhr zwei fertige Töpfe Risotto in einer aufgeräumten Küche hinterlassen. Die Teller haben alle unterschiedliche Größen – in einer Studi-Bude gibt es kein Einheitsbesteck für so viele Leute.

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Jacqueline servierte ihren Gästen Kürbisrisotto.

Trotzdem brennt uns in der Aufregung beim Aufwärmen das Essen ein bisschen an. Egal, so schlimm ist das auch nicht. Wir sind ja alle keine Profiköche.
Wir servieren stolz unser Kürbisrisotto mit frittiertem Salbei und Pinienkernen, dazu einen bunten Salat – ein Rezept von einer Freundin. Es scheint allen zu schmecken und wir bekommen viel Lob. So etwas koche ich sonst nicht jeden Tag. Meistens esse ich in der Mensa oder es gibt Nudeln. Aber heute soll es mal etwas Ausgefalleneres sein.
Umso schöner, dass sich die Mühe am Ende gelohnt hat. Mit allen kann ich nicht sprechen, aber wenigstens lerne ich die beiden Mädels mir gegenüber endlich mal kennen. Laura und Kathi studieren mit mir und trotzdem rede ich das erste Mal mit ihnen.
Genau für diese Gelegenheiten lohnt sich das Running Dinner. Auf dem Campus war es im ersten Semester noch total okay, jemanden einfach so anzusprechen. Mittlerweile ist das eher schräg. Jetzt im fünften Semester haben sich Cliquen gebildet und man bleibt sich fremd – wenn man nicht gerade in der gleichen Studiengruppe ist. Beim Running Dinner lernt man sich nicht nur kennen, sondern nimmt sich auch gemeinsam Zeit, um zu kochen. Dadurch ist die Atmosphäre gleich entspannt und locker. Als gegen 9 Uhr langsam alle aufbrechen, bin ich trotzdem ganz froh, dass wieder Ruhe einkehrt.

Nachtisch

 

Zum Nachtisch gab es Panna Cotta und Lavakuchen mit flüssigem Schokokern.

Zum Nachtisch gab es Panna Cotta und Lavakuchen mit flüssigem Schokokern.

Zum Nachtisch empfangen uns Gastgeberin Tabea und ihre Freundin Fenja in einer wunderschön dekorierten Wohnküche. Wir stoßen erst einmal mit Erdbeersekt an. Es herrscht richtige Mädels-Abend-Atmosphäre und ich bin tief entspannt, nachdem ich meinen Teil des Dinners hinter mir gelassen habe.
Dann klingelt die Eieruhr und der Nachtisch kommt auf den Tisch. Es gibt Lavakuchen mit einem flüssigen Schokokern. Dazu Panna Cotta mit Erdbeersoße. Wow! Das ist eindeutig das kulinarische Highlight des Abends. Schade, dass wir eigentlich alle schon satt sind. Mittlerweile sind Liebesbriefe und Chatverläufe wichtiger als Doktorarbeiten. Sogar über Teleshopping haben wir auch schon geredet.

Ausklang in der Bar

Über Sekt und Jungsgeschichten vergessen wir die Zeit. Mittlerweile ist es fast halb zwölf. Nach drei leckeren Gängen sind wir alle träge geworden. Den Ausflug in die Bar, der für den Schluss angesetzt ist, halten wir kurz. Das macht aber gar nichts. An den netten Menschen, die ich heute kennengelernt habe, werde ich auf dem Campus sicher nicht mehr vorbeilaufen.

Von Jacqueline Niewolik

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

1 Kommentar

  1. Alleine kochen können sie nicht, alleine leben können sie auch nicht…was können Studenten eigentlich?

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