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„Jede Revolution hat einen Soundtrack“

„Jede Revolution hat einen Soundtrack“

Politische Statements dürfen bei ihnen nicht fehlen: Auch in ihrem elften Punk-Album rechnet die Pittsburgher Band Anti-Flag ab: mit Trump, Rassisten und dem Islamischen Staat. Die Texte sind gleich geblieben, doch ihre Musik hat sich verändert. Wir haben mit Schlagzeuger Pat Thetic über Revolutionen, politischen Widerstand und die neue Gangart ihres neuesten Albums „American Reckoning“ gesprochen.


Euer neues Album heißt „American Reckoning”, zu deutsch „Abrechnung“. Mit wem wollt ihr abrechnen?
Es ist gegen alle, die mit rechten Ideen sympathisieren. Der Song wie „Racist” handelt davon, dass einige Menschen sich nicht als Rassisten betrachten. Doch wenn man fremdenfeindliche Ansichten hat, ist man ein Rassist. Im Moment wird in den USA und woanders auch versucht, Faschismus neu zu verpacken. Er hat einen neuen Namen und einen neuen Look, aber es ist der gleiche alte Faschismus wie vor 70 Jahren. Unser Ziel ist es, den Leuten bewusst zu machen, dass sie nicht allein sind, wenn sie gegen Faschisten und Rechtsradikale kämpfen, die gerade weltweit wieder aufkommen.

Das Album besteht aus Akustikversionen alter Songs. Warum?

Die letzten zwei Alben waren Teil eines Konzepts, beide Alben gehören zusammen. Wir wollten einen akustischen Sound kreieren, um die Texte der letzten Songs zu betonen, damit die Menschen sie auch wirklich verstehen. Wenn die ganze Band spielt, kann es manchmal passieren, dass die Message nicht klar wird.

Kannst du das Konzept der letzten beiden Alben erklären?

Das erste Album haben wir „The American Spring” genannt, das zweite Album “The American Fall”.  Das erste Album war optimistisch. Wir haben auf den Arabischen Frühling zurückgeblickt – auf die Idee der Revolution, die sich im Nahen Osten verbreitete, und auf die Bevölkerung, die sich gegen ihre gegenwärtige Regierung währte, um eine freiere Gesellschaft zu erlangen. Doch dann sahen wir, dass der Islamische Staat immer stärker  wurde, wie die Flüchtlingskrise begann und wie rechte Ideen sich zunehmend verbreiteten. “The American Fall” war deswegen dunkler und pessimistischer. In unserem neuen Album “American Reckoning” versuchen wir, unsere Ideen zu verbreiten. Wir wollen über sie reden und in einer differenzierteren Weise auf sie blicken. Durch die Akustikversionen sind die Details sichtbarer.

Ihr habt auch Songs von John Lennon und dem Protest-Musiker Buffalo Springfield gecovert. Wie kam es dazu?

Diese Songs sind Anti-War-Songs. Der  Song “Give me some truth” von John Lennon wurde in der Nixon-Ära geschrieben. Richard Nixon hat alle in den USA angelogen, daraufhin kam es zu einem Amtsenthebungsverfahren. Wir dachten, dass der Song die gegenwärtige Situation in den USA mit Donald Trump sehr gut wiederspiegelt. Er belügt auch alle und das Einzige, was für ihn zählt, ist, sich selbst zu beschützen. Lennons Song war außerdem ein Anti-Vietnamkrieg-Song. Wir sind ziemlich besorgt über die Lügen, die Trump erzählt, denn sie bringen uns nur in weitere Konflikte und Kriege.

Taugt Musik denn überhaupt als Protestform??
Musik kreiert eine emotionale Reaktion und ist ein gutes Vehikel für die menschlichen Emotionen. So hat jede Revolution einen eigenen Soundtrack und besondere Texte, Bücher und andere wichtige Dinge. Die Musik ist dafür da, die Emotionen festzuhalten. Es spiegelt wider, um was es in dem Protest geht. Das war für uns immer interessant. Wir sind keine großen Literaten, aber wir schaffen es, Frustration und Leidenschaft durch Musik zu äußern.

Zeigt ihr noch auf andere Weise Widerstand gegen politisches Unrecht?
Bei unseren Shows stellen wir immer sicher, dass Organisationen wie Amnesty International, Hardcore Help oder Sea Shepherd dort sind. Wir versuchen, die Lücke zwischen der Frustration von jungen Menschen und dem Wunsch, sich zu engagieren, zu füllen. Diese Organisationen helfen den Leuten, sich einzubringen. Es ist für uns sehr wichtig, dass es bei unseren Konzerten immer Informationen gibt. Wir wollen Menschen dabei helfen, einen Wandel zu erreichen.  Interview: Emma Schell

Anti Flag spielen am Dienstag, 16. Oktober, im Pavillon, Lister Meile 4. Tickets kosten 32 Euro. ZiSH verlost bis Montag, 15 Uhr, unter www.facebook.de/ZishHAZ dreimal zwei Karten für das Konzert.

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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