Advertisement

Select Page

Mach es gut, Hannover!

Mach es gut, Hannover!

Nach 17 Jahren kehrt ZiSH-Autor Jeffrey seiner Heimatstadt den Rücken und zieht zum Studieren nach Berlin. Vorher schreibt er einen Abschiedsbrief.


Liebes Hannover,

17 Jahre ist es her, dass ich in einem deiner Krankenhäuser zur Welt kam. In deinem südöstlich gelegenen Stadtteil Bemerode wuchs ich auf, nahm meinen ersten Klavierunterricht und fand hier meine besten Freundschaften.

Wirklich viele Gedanken habe ich mir nicht über dich gemacht. Viel zu selbstverständlich waren die regelmäßigen Ausflüge mit meinen Freunden in den Maschpark. Lediglich nach längeren Urlauben wurde mir bewusst, wie sehr ich mich in Niedersachsens Hauptstadt wohl fühle.

Nach fast zwei Jahrzehnten neigt sich unsere gemeinsame Zeit nun dem Ende. Für mein anstehendes Medizinstudium verschlägt es mich nach Berlin und mir wird erst jetzt wirklich bewusst, wie sehr ich dich als mein Zuhause schätze.

Tschüss, Klavier

Mein Umzug nach Berlin bedeutet nicht nur, meine Freunde und Familie zurückzulassen, sondern auch, dass ich mich vorerst von meinem Klavier verabschieden muss. Nach elf Jahren, in denen ich auf zahlreichen Konzerten und Wettbewerben gespielt habe, werde ich aufhören, Klavierunterricht zu nehmen. Auch mein Klavier kann mich leider nicht nach Berlin begleiten. Dieses Hobby erst einmal zu streichen, fällt mir besonders schwer. Aber ich habe es mir zum Ziel gesetzt, möglichst bald ein E-Piano zu kaufen, und ich hoffe, auch in Berlin vorspielen zu können.

Aber nicht nur das Klavierspielen werde ich vermissen. Herbstspaziergänge im Tiergarten, sonnige Tage am Altwarmbüchener See mit meinen Freunden oder das Sushi-Essen am Maschsee: Viele deiner Orte habe ich mittlerweile erkundet und lieben gelernt. Es wird ungewohnt für mich sein, nicht mehr jede Woche aus der Stadtbibliothek Bücher und Filme auszuleihen.

Nur noch ein Besucher

Das alles hinter mir zu lassen und der Gedanke, dass jeder Aufenthalt bei meiner Familie bald nur noch ein Besuch sein wird, macht mich traurig. Erwachsen und selbstständig zu werden ist eben gleichzeitig aufregend und beängstigend.

Einen eigenen Haushalt zu schmeißen und meine Eltern nicht mehr ständig um Rat fragen zu können, wird für mich eine große Umstellung. Während ich mich in Hannover regelmäßig auf das frisch gekochte Essen meiner Mutter freuen kann, werde ich mich in Berlin auch nach stressigen Uni-Tagen aufraffen müssen, für mich zu kochen oder mein Zimmer zu putzen. Die neu gewonnene Freiheit hat eben auch Nachteile. Immerhin kann ich mir auch nicht sicher sein, sofort neue Freunde zu finden. Gerade das Alleinsein und für mich selbst verantwortlich zu sein, macht mir Angst.

Lächelnder Abschied

Meine Entscheidung, in eine neue Stadt zu ziehen und deine frische Luft gegen Berlins Abgasgestank einzutauschen, bereue ich dennoch nicht. Viel mehr verlasse ich dich mit einem Lächeln. Auch wenn ich deine heimatliche Geborgenheit vermissen werde, freue ich mich auf meinen neuen Lebensabschnitt.

An der Spree entlangzuspazieren, den Uni-Alltag kennenzulernen und mich in der großen Metropole neu zurechtzufinden – auf all das freue ich mich. Ich hoffe, Berlin kann mir eine genauso schöne Zeit und neue Lieblingsorte bieten, wie du es für mich in den letzten 17Jahren getan hast. Du magst zwar nun nicht mehr mein Wohnort sein, aber ich weiß, dass ich dich immer wieder besuchen und zu dir zurückkehren kann. So bleibst du für mich eben doch ein zweites Zuhause.

Auf ein Wiedersehen,

Jeffrey


Das sagen Jeffreys Eltern

Wie ist es für euch, dass Jeffrey bald knapp 300 Kilometer entfernt wohnt?

Wir haben vor allem Sorge, ob Jeffrey in Berlin auch satt wird. Zu Hause haben wir ihm immer leckeres chinesisches Essen zubereitet. Sorgen macht uns natürlich auch, ob er sich in der großen Stadt zurechtfindet und ob wir ihn überhaupt noch einmal im Monat sehen können.

Familie Ji-Peng Li

Familie Ji-Peng Li

In welchen Situationen werdet ihr euren Sohn am meisten vermissen?

Es wird uns allen die gemeinsame Zeit fehlen. Wir werden uns wohl erst einmal daran gewöhnen müssen, abends nur noch zu dritt zu essen oder Fernsehen zu schauen.

Wird sich euer Alltag durch Jeffreys Auszug stark verändern?

Wir haben ja noch unseren jüngeren Sohn Victor, der weiterhin zu Hause wohnt. Er wird wohl auch Jeffreys altes Zimmer übernehmen. Ansonsten hatte Jeffrey natürlich auch einige Aufgaben im Haushalt, die neu verteilt werden müssen. Wer jetzt staubsaugt, den Rasen mäht oder die Autoreifen wechselt, müssen wir also noch klären.

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Videos

Lade...

Aktuelle News