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Selbstversuch Fitnessboxen: Der Kampf mit mir selbst

Selbstversuch Fitnessboxen: Der Kampf mit mir selbst

Fitnessboxen ist die Trendsportart der Stars und Models – und mittlerweile auch in den deutschen Fitnessstudios angekommen. ZiSH hat den Sport ausprobiert.


Linke Faust, rechte Faust und wieder die linke. Abwechselnd schlagen mein Partner und ich uns gegenseitig in die dick gepolsterten Handschuhe. „Jetzt auf den Boden!“, ruft David Palokaj, derBesitzer der Fightschool Hannover. Nicht schon wieder. Eine Minute lang stütze ich mich auf meine vor Erschöpfung zitternden Arme und mache Liegestütze. Mein Körper rebelliert, er will nicht weitermachen. So anstrengend hatte ich mir Fitnessboxen nicht vorgestellt.

Muskelbepackte Männer, die sich mit dicken Handschuhen blutige Schläge verpassen – das war bisher mein Bild vom Boxen. Fitnessboxen stellte ich mir kaum anders vor. Doch statt Männer mit riesigen Oberarmen und schiefen Nasen blicken mir in meiner Trainingsgruppe etwa 20 überwiegend weibliche Gesichter entgegen, die zwischen 15 und 30 Jahre alt sind und keinerlei Kampfspuren zeigen.

Hier wird geschwitzt: Die Fightschool Hannover. Foto: Moritz Frankenberg

Technik statt Nasenbeinbruch

„Wir trainieren hier Technik und Kondition, ohne das Verletzungsrisiko im Ring“, erklärt der 36-jährige David, der vor fünf Jahren die Fightschool in Vahrenheide eröffnet hat. Fitnessboxen wurde als Kreuzung zwischen Boxen und Fitness erfunden. Längst findet man diese Art des Boxens nicht mehr nur in Kampfsportschulen. Auch in Fitnessstudios hat der Sport an Beliebtheit gewonnen. Models wie Adriana Lima oder Gigi Hadid posten ihre Boxworkouts bei Instagram und zeigen, dass auch Frauen harte Schläge austeilen können.

Schon beim Aufwärmen kam ich ins Schwitzen. Nachdem ich ein paar Runden in der kleinen Halle gelaufen bin, ruft uns David auf, Burpees zu machen: auf den Boden legen, schnell wieder aufstehen, und anschließend einen Strecksprung machen. Burpees, Kniebeugen, Liegestütze – als nach zehn Minuten die erste Trinkpause ansteht, frage ich mich, ob ich es überhaupt schaffe, die Trainingsstunde bis zum Ende durchzustehen.

Fitnessboxen als Kalorienkiller

Dagegen scheint die 15-jährige Laura Winnitschenko neben mir noch nicht einmal geschwitzt zu haben. Doch auch sie hat einmal klein angefangen: „Ich war früher übergewichtig und wollte abnehmen. Deshalb bin ich mit einer Freundin zum Fitnessboxen gegangen.“ Die Sportart ist dafür bekannt, dass sie Kalorien im Akkord verbrennt – wie auch bei Laura. In den letzten zwei Jahren hat sie nicht nur einige Kilos abgenommen, sondern auch ein neues Hobby gefunden: „Damit verbringe ich mittlerweile beinahe meine gesamte Freizeit“, erklärt Laura.

Boxt bereits seit zwei Jahren: Die 15-jährige Laura Winnitschenko. Foto: Carlotta Hartmann

Boxt bereits seit zwei Jahren: Die 15-jährige Laura Winnitschenko. Foto: Carlotta Hartmann

Als Laura vor einem Jahr nach Hannover zog, hat sie durch das Fitnessboxen direkt Anschluss gefunden. Sie knüpfte in der Boxhalle nicht nur neue Kontakte, sondern tankte in ihrer Trainingsgruppe auch das nötige Selbstbewusstsein, auf andere Menschen zuzugehen. „Und es bringt mir Respekt bei den Jungs“, erzählt die Schülerin lächelnd.

„Fürhand, Schlaghand, Ausweichen und nochmal die Schlaghand“, erklärt Trainer David seine Bewegungen, die er nach den Kraftübungen nun mit seinem Bruder Kenedi meinem Kurs vorführt. In einer schnellen Abfolge schlägt er mit der linken, dann mit der rechten Faust zu und dreht sich weg, als Kenedi zurückschlägt. Ich bin verwirrt. Auch beim dritten Zuschauen kann ich den schnellen Bewegungen nur schwer folgen. Als ich es dennoch versuche nachzumachen, hüpfe ich bei jedem Schlag nach vorn oder zucke ständig mit der falschen Hand. Mein Boxpartner lächelt wissend. „Technik ist viel wichtiger als Kraft,“ erklärt Trainer David. Mir schwirrt der Kopf.

Der Alltag wird ausgeblendet

Ich konzentriere mich voll auf die komplizierte Schlagabfolge: Füße auf dem Boden behalten, den Schlag aus der Hüfte drehen und die Fäuste wieder vor das Kinn halten. Zeit für Gedanken über mein unbeholfenes Aussehen bleibt da nicht, auch meinen Alltag und das Geschehen um mich herum blende ich komplett aus. Und siehe da: Langsam beginne ich, Spaß zu haben. Ich werde immer mutiger und traue mich, mehr Kraft in meine Schläge zu setzen. „Es ist ein guter Sport, um Hemmungen abzubauen,“ sagt David. Das spüre ich. Dennoch bin ich froh, dass mein Partner weiß, wann ich meine Fäuste gegen ihn richte – und ich auch nur in seine Handschuhe boxe. Ich kann mir nicht vorstellen, ihm ohne Vorwarnung ins Gesicht zu boxen.

Teamsport statt Einzelkampf

Nach einer kräftezehrenden Stunde ist das Training vorbei. Am liebsten würde ich mich einfach auf den Mattenboden legen, aber mein Kurs stellt sich noch einmal im Kreis auf – und klatscht sich gegenseitig in die Hände. „Beim Fitnessboxen ist man nicht nur Einzelkämpfer. Schließlich musst du deinem Partner anders als im Wettkampfboxen vertrauen“, erklärt David. Es geht nicht darum, sich kampfunfähig zu machen, sondern im Team Kraft, Technik und Ausdauer zu trainieren.

Obwohl ich noch drei Tage lang Muskelkater habe, hat mich das Fitnessboxen gefesselt und ich möchte weitermachen. Denn dabei baue ich nicht nur Muskeln auf, sondern auch mentale Stärke: Bereits nach einer Stunde habe ich Vertrauen in mich selbst gewonnen. Ich weiß, dass ich fest und gezielt zuschlagen und mich vielleicht auch in einer Notsituation zur Wehr setzen kann. Doch die wichtigste Erkenntnis ist: Mit meinem eigenen Willen kann ich über meine körperlichen Grenzen gehen und meinen inneren Schweinehund überwinden. Denn beim Fitnessboxen ist der Gegner nur man selbst. Von Carlotta Hartmann


Kuriose Fakten über den Boxsport

Haben beide einen Oscar gewonnen:

Haben beide einen Oscar gewonnen: Clint Eastwood (Bester Regisseur und Hilary Swank (beste Hauptdarstellerin).

Einer der erfolgreichsten Boxfilme ist „Million Dollar Baby (2004)“. Der Film erhielt vier Oscars: bester Film, beste Regie, beste Hauptdarstellerin und bester Nebendarsteller.

Bereits 688 vor Christus war Boxen bei den alten Griechen eine olympische Sportart. Damals wurde noch mit den Fäusten gekämpft, Handschuhe gab es nicht.

Boxhandschuhe wurden nicht etwa wegen der Sicherheit eingeführt, sondern um für mehr Kopfschläge und dramatische Knockouts zu sorgen.

Den Rekord für die meisten Knockouts erzielte Profiboxer Archie Moore. 141-mal boxte er seine Gegner in die Bewusstlosigkeit.

Bei der Sportart Schachboxen wird im Wechsel eine Runde Schach gespielt und dann geboxt. Als Keimzelle der Sportart gilt Berlin, wo es auch den ältesten Schachbox-Verein der Welt gibt.
Boxkämpfe gegen Bären waren im 19. Jahrhundert ein Trend. Im Ring oder im Käfig stellten sich Boxer den haarigen Gegnern. Zum Schutz der menschlichen Boxer wurden den Bären zuvor Krallen und Zähne entfernt.

Schauspieler Liam Neeson war in seiner Jugend nordirischer Meister im Amateurboxen. Einer Verletzung hat er seine charakteristische Nasenform zu verdanken. Beruflich entschied er sich dann aber doch lieber fürs Schauspiel.

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

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