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Warum die Suche nach außergewöhnlichen Urlaubsorten nervt

Warum die Suche nach außergewöhnlichen Urlaubsorten nervt

Trekking im Himalaya und Sternegucken in Patagonien: Wir reisen in die letzten Ecken der Welt – nur um endlich diese Lebenserfahrung zu sammeln, von der alle reden. Warum die Suche nach außergewöhnlichen Urlaubsorten nervt.


Ich habe vor Kurzem ein Gespräch in der Mensa mitgehört. Zwei Studentinnen unterhielten sich bei einem Teller Nudeln über ein mögliches gemeinsames Urlaubsziel. Mädel 1: „Lass uns doch nach Goa fliegen. Da haben wir alles, was wir wollen: Weißen Strand, gute Partys und Gras soll man auch recht easy bekommen.“ Darauf Mädel 2: „Och ne, da fahren jetzt alle hin. Kalle und Sarah wollten auch nach Goa.“

Jetzt weiß ich nicht, wer Kalle und Sarah sind und ob man die beiden im Urlaub auf jeden Fall meiden sollte. Aber die Art wie Mädel 2 „alle“ sagte, ließ eher darauf schließen, dass sie von Mallorca oder Husum redete, als von einem tropischen Paradies am indischen Ozean. Des Studenten größte Sorge sind heute nicht mehr Creditpoints, Hausarbeiten oder das leere Girokonto. Es ist die Suche nach einem exklusiven Urlaubsziel.

Einen Flug nach Goa und zurück bekommt man schon ab 400 Euro. Die Lebenshaltungskosten sind meist sogar günstiger als in einer deutschen Uni-Stadt. Da lässt sich der Urlaub am anderen Ende der Welt selbst mit einem Kellner-Nebenjob im Restaurant um die Ecke finanzieren. So fliegt mein gesamter Freundeskreis auf der Suche nach Lebenserfahrung um die Welt und hat dabei den ökologischen Fußabdruck eines Vierzigtonners.

Bekannte von mir waren bereits drei Wochen wandern im nepalesischen Himalaya, Sterne gucken in Patagonien oder haben auf einer Selbstversorgerfarm in Kambodscha gearbeitet. Ihre Geschichten habe ich hinterher aufgesogen und war jedes Mal ganz schön neidisch. Aber manchmal beschleicht einen das dumpfe Gefühl, dass es einigen nicht mehr nur um einen interessanten Urlaub geht, sondern um Instagram-Herzen und die spannendste Geschichte auf der nächsten WG-Party.

Aber das hat einen Haken: Schon heute trifft man als Backpacker in australischen Hostels eher Gleichgesinnte aus Deutschland als Teilzeit-Aussteiger aus Australien. Denn irgendwann sind alle einst so exklusiven Urlaubsziele massenhaft auf Instagram. Dann sind auch die russischen Pauschaltouristen auf den nepalesischen Wanderwegen und den Selbstversorgerfarmen Kambodschas angekommen. Und dann? Fahren wir dann alle zum Mars? Oder wieder nach Husum.

Von Ansgar Nehls

Über den Autor

ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der gedruckten HAZ. Hier im Blog schreiben vor allem Nachwuchsautoren unter dem Namen ZiSH.

1 Kommentar

  1. Die beste Bildung findet ein gescheiter Mann auf Reisen. Das Zitat dürfe Germanisten bekannt sein (wenn es denn echt ist). In Zeiten von G8 und kompirimierten Bachelorstudien ist die Erfahrung des Reisens vielleicht noch wichtiger, als vor ein paar Jahrzehnten, als die Hippies nach Goa kamen. Natürlich auch, weil das einfache Leben dort so unglaublich günstig war. Wer im Arbeitsleben steht, hat doch oft gar nicht das Geld oder die Zeit, große Reisen zu machen (naja, als Lehrer vielleicht). Also Hut ab vor jedem, der sich was von der Welt anschauen will. Und wen so was auf Instergramm nicht lesen will, sollte derlei Zeitverschwendungsprogramme einfach meiden und in der Zeit reisen.

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